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Auftritt im LKA Longhorn
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Zwischen Härte und Emotionalität: So lief das Konzert von The Used in Stuttgart

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Die Alternative-Emo-Rockband The Used spielt am Mittwoch auf ihrer Jubiläumstour das erste von zwei Deutschlandkonzerten im LKA Longhorn in Stuttgart. Eindrücke von einem Abend, der viele Fans zurück ins Jahr 2002 katapultiert. 

Mit gesundem Selbstbewusstsein ausgestattet: The Used-Sänger Bert McCracken.
Mit gesundem Selbstbewusstsein ausgestattet: The Used-Sänger Bert McCracken.  Foto: Ranjo Doering

„Wir haben nie eine Pause gemacht. Wir haben uns nie aufgelöst. Wir sind immer noch da.“ In drei Sätzen fasst Sänger Bert McCracken die Geschichte seiner Band The Used zusammen. Tatsächlich steht die Alternative-Emo-Rockband aus dem US-Bundesstaat Utah nun schon ein Vierteljahrhundert auf der Bühne. Und ist aktuell auf Welttournee, um dieses Jubiläum angemessen zu feiern. Am Mittwochabend spielt die vierköpfige Gruppe im gut gefüllten LKA Longhorn in Stuttgart – eines von nur zwei Deutschlandkonzerten.

Im Jahr 2000 gegründet, legten The Used 2002 mit ihrem selbstbetitelten Album einen furiosen Start hin: Es verkaufte sich aus dem Stand heraus weltweit über eine Million Mal, wurde von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeiert für die explosive und druckvolle Mischung aus Härte und Emotionalität. Weitere mediale Aufmerksamkeit erhielt die Band, weil Bert McCracken zwischendurch kurz mit Kelly Osbourne – Tochter von Rocklegende Ozzy Osbourne – liiert war und einige Auftritte im Reality-TV-Format „The Osbournes“ hatte.

Der Fokus von The Used liegt in Stuttgart auf früheren Zeiten

Mit den darauf folgenden Alben verlor die Band jedoch ein wenig das Ungestüme, das Unbequeme, öffnete sich mehr und mehr dem massentauglichen Rock. Die Fans aber blieben und sind bis heute treu, das zeigt sich auch in Stuttgart. The Used spielen sich einmal quer durch ihre Bandgeschichte, der Song-Fokus liegt aber klar auf früheren Zeiten. Live bietet das Quartett damit eine kluge Mischung aus druckvollen Liedern mit wohldosierten Wutausbrüchen und poppigen Songs mit Mitsing-Garantie.

Bert McCracken ist kein wirklich herausragender Sänger, hat aber eine enorme Bühnenpräsenz, animiert das Publikum zum Klatschen, Springen und Ausrasten. Und er ist nach wie vor mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet. So kündigt er, ein wenig ironisch, das krachende „A Box Full Of Sharp Objects“ vollmundig an, als „den besten Song, der je geschrieben wurde“.

Das The Used-Konzert endet bereits nach 60 Minuten

Der 43-jährige Frontmann ist gut gelaunt, viel auf der Bühne unterwegs, hat das Publikum stets im Blick. Ob man das Kufiya, im deutschsprachigen Raum als „Palästinensertuch“ bekannte Kleidungsstück, das an seinem Mikrofonständer hängt, als politisches Statement verstanden wissen will? Derlei Äußerungen gibt es von der Band an diesem Abend keine. Auch sonst beschränkt sich die Interaktion mit den Fans auf die üblichen Fragen wie „Habt ihr Spaß?“.

Trotzdem bieten The Used eine gelungene, abwechslungsreiche Show, beim ruhigen „Blue And Yellow“ wird das LKA zum Handylichter-Meer, beim poppigen „The Taste Of Ink“ – einem der größten Hits der Band – übernehmen die Fans textsicher den Refrain. Die sind dann allerdings ein wenig erstaunt, als das Konzert schon nach knapp 60 Minuten vorbei ist. Es gibt keine Zugabe, nur drei Küsschen in Richtung Publikum von Bert McCracken und – leider – ein kurzes Cover von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“, mit dem die Band sich total verhebt.

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