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Städtische Museen Heilbronn

Zeitgenössische Kunst hat es schwer in Heilbronn

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Der Jahresbericht der Städtischen Museen Heilbronn verzeichnet mehr Besucher, und doch finden Ausstellungen zu zeitgenössischen Themen nur schwer ihr Publikum. Immer bedeutender werden Museumspädagogik und kulturelle Bildung. 

Der Ernst-Franz-Vogelmann-Preisträger Gregor Schneider – hier ein Besucher – hatte im Sommer 2023 die Kunsthalle in eine begehbare Raumfolge verwandelt.
Der Ernst-Franz-Vogelmann-Preisträger Gregor Schneider – hier ein Besucher – hatte im Sommer 2023 die Kunsthalle in eine begehbare Raumfolge verwandelt.  Foto: Archiv/Kunz

Ausstellungen und Publikationen sind das eine, Bildungs- und Vermittlungsangebote das andere: Beides zusammen sind die Säulen der Städtischen Museen Heilbronn. Leihverkehr und Sammlungen spielen eine untergeordnete Rolle, die Sammlungsgeschichte der Kunst in Heilbronn ist verhältnismäßig jung, hat aber dank der Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung in Sachen Skulptur mächtig aufgeholt.

Den Jahresbericht 2023 seiner beiden Häuser – Kunsthalle Vogelmann und Museum im Deutschhof – hat Museumschef Marc Gundel jetzt dem Kulturausschuss im Heilbronner Gemeinderat präsentiert. Wie andere  Kultureinrichtungen haben die Städtischen Museen damit zu tun, die Besucherzahlen nach der  Pandemie zu steigern. Als „signifikant“ weist der Bericht den Zuwachs in der Kunsthalle Vogelmann aus, im Deutschhof hätten sich indes die Kooperationen bewährt.

Bekannte und weniger bekannte Expressionisten aus der Schweiz

Insgesamt besuchten 2023 rund 26 000 Menschen beide Standorte der Städtischen Museen, das sind im Vergleich zu 2022 (24 300) knapp zehn Prozent mehr. Dabei sind von den knapp 13 700 Besuchern in der Kunsthalle wohl 5200 dem Kunstverein Heilbronn zuzuschlagen. Ein Rückblick auf die drei großen Ausstellungen in der Kunsthalle Vogelmann: „Expressionismus Schweiz“, ein trinationales Projekt unter der Federführung des Kunstmuseums Winterthur, zeigte neben bekannten Exilanten in der Schweiz wie Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin auch weniger geläufige, aber für ihre Zeit innovative Schweizer Künstler wie Hermann Scherer, Albert Müller oder Alice Bailly. 5700 Besucher sahen die Schau zwischen Mitte November 2022 und Ende Februar 2023.

Sehr viel  weniger kamen zu „Kunst. Stoff. Textil als  künstlerisches Material“ – eine Auswahl an über 40 internationalen Positionen textiler Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Gut 1800 Besucher wurden von Mitte Mai bis Ende Juni 2023 in Heilbronn gezählt, in der kooperierenden Kunsthalle Henri Nannen in Emden kamen zwischen September und Januar 2024 über 13 500 Besucher.

Biennale-Preisträger Gregor Schneider in Heilbronn

Für zeitgenössische Kunst ist Heilbronn nach wie vor ein schwieriges Pflaster. Mit der Ausstellung „Gregor Schneider“ war zwischen Mitte Juli und Ende September ein Künstler zu erleben, der, seit er 2001 mit dem Goldenen Löwen der Biennale Venedig ausgezeichnet wurde, international diskutiert wird. Knapp 1400 Besucher sahen in Heilbronn die Arbeit des 6. Vogelmann-Preisträgers, der die Raumfolgen der Kunsthalle exklusiv umgebaut hatte. Gregor Schneiders Konzept sah vor, die Ausstellung allein oder zu zweit über den Aufzug zu erkunden. Die Vorgabe wurde als nicht praktikabel aufgeweicht.

Kurze Nachfrage Marc Gundels unter den Städträten im Kulturausschuss: „Wer hat die Ausstellung gesehen?“ Wenige Hände heben sich, betretenes Schweigen der anderen.

Neugestaltung im Deutschhof

Welche wachsende Bedeutung der kulturellen Bildung gerade im Deutschhof zukommt, referiert die stellvertretende Museumsleiterin Birgit Hummler, die die Abteilung Natur- und Kulturgeschichte verantwortet. Rund 8 800 der insgesamt gut 26 000 Besucher in Deutschhof und Vogelmann-Kunsthalle wurden 2023 museumspädagogisch betreut. Das wie auch die Aussicht auf die Neugestaltung im Deutschhof – eine neue Kunstetage unterm Dach vielleicht ab Ende des Jahres sowie neue Räume für die Archäologie im Frühjahr 2025 – stimmen die Räte im Kulturausschuss zufrieden.

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