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Mit „Hitverdächtig“ im Kulturzentrum
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Woraus Hits gemacht werden: Markus Henrik alias Dr. Pop zu Gast in Obersulm

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Warum klingt „Bauch Beine Po“ von Shirin David so 90er-mäßig? Und was haben sich die Amigos von Deichkind und Clueso abgeguckt? „Hitverdächtig“, das Solo-Programm von Markus Henrik alias Dr. Pop, ist so amüsant wie informativ - und eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die Musik. 

1487 Hörbeispiele hat Markus Henrik alias Dr. Pop auf sein buntes, digitales Sample Pad geladen. Musik von Taylor Swift gibt es hingegen auch analog als Platte.
1487 Hörbeispiele hat Markus Henrik alias Dr. Pop auf sein buntes, digitales Sample Pad geladen. Musik von Taylor Swift gibt es hingegen auch analog als Platte.  Foto: Kunz, Christiana

Welcher Musiker träumt nicht davon, einen Hit zu schreiben? Der einen hohen Wiedererkennungswert hat, den Hörer emotional packt, vielleicht sogar das Lebensgefühl einer ganzen Generation einfängt. Und wie von Zauberhand fügt sich ja manchmal einfach alles: Text und Melodie, Stimme und Sound. Handwerk mag dabei sicher eine Rolle spielen, in einigen Fällen kommt aber auch der Zufall zu Hilfe. Ein großer Song ist immer mehr als die Summe seiner Teile.

Wie amüsant und informativ es sein kann, sich dennoch diese Einzelteile genauer anzuschauen, diesen Beweis tritt Markus Henrik alias Dr. Pop mit seiner Show „Hitverdächtig“ an. Mehr als zwei Stunden lang – inklusive Pause – unterhält der promovierte Musikwissenschaftler sein Publikum am Freitagabend im bestens besuchten Obersulmer Kulturhaus mit verblüffenden Fakten, kuriosen Anekdoten und einer Fülle an Hörbeispielen. In drei Wochen ist er mit seiner Musik-Comedy-Stand-Up-Show noch einmal in der Region zu Gast.

Schon Dr. Pops Sample Pad ist eine Wissenschaft für sich

1487 Ausschnitte hat der leidenschaftliche Musikvermittler, bekannt durch Auftritte im „Sat. 1-Frühstücksfernsehen“ oder bei Radioeins vom RBB, auf sein digitales Sample Pad gepackt. Das sieht aus wie ein bunt leuchtendes Schachbrett, bei dem die Felder jeweils mit mehreren Sounds belegt werden können. Wechselnde Farbmuster machen es möglich. Wie sich der 42-Jährige da zurechtfindet? „Ich bin farbenblind“, erklärt Markus Henrik – und drückt dennoch fast immer zielsicher den passenden Knopf.

Zum Beispiel um zu demonstrieren, welche an die 90er erinnernden Komponenten sich aus „Bauch Beine Po“, dem Sommerhit 2024 der deutschen Rapperin und Sängerin Shirin David, heraushören lassen. Der Beat ähnelt demjenigen von „Pump Up The Jam“ von Technotronics, der Orgelsound demjenigen von „Show Me Love“ von Robin S. „Das ist mir zu viel zusammenkopiert“, urteilt Dr. Pop und zeigt, wie es origineller geht: In ihrer Erfolgsnummer „Bad Guy“ hat die US-amerikanische Singer-Songwriterin Billie Eilish das akustische Signal einer australischen Verkehrsampel verwurstet.

Der Udo-Jürgens-Fan teilt gegen die Kastelruther Spatzen aus

Den Einsatz von KI? Findet Markus Henrik übrigens nicht grundsätzlich schlecht, wenn damit etwa eine alte Demo-Aufnahme von John Lennon restauriert und infolgedessen nach Jahrzehnten ein Beatles-Song vollendet wird. So geschehen bei der 2023 veröffentlichten Single „Now and Then“.

Auch Henrik hat aus den Archiven manche Schätze ausgegraben. Vom Pop springt er munter zur Klassik, zum Schlager, Gangsta-Rap. 2023 singen Clueso und Deichkind „Auch im Bentley wird geweint“, die Amigos legen im Jahr darauf nach mit „Auch im Porsche fallen Tränen“. Dass man sich genreübergreifend schamlos voneinander bedient, ist kein Geheimnis, wird einem aber selten so pointiert vor Augen geführt wie vom Udo-Jürgens-Fan Dr. Pop, der genüsslich gegen die Kastelruther Spatzen austeilt.

Als Sänger und am Piano macht Markus Henrik ebenfalls eine gute Figur

Stundenlang könnte man ihm zuhören, diesem dampfplaudernden Nerd im besten Sinne mit einem Faible für historische elektronische Musikinstrumente, von denen er einige mitgebracht hat. Lagerfeueratmosphäre kommt auf, als sich Markus Henrik ans Piano setzt und Billy-Joel-Lieder anstimmt, die durch Ronan Keating berühmt gewordene Ballade „When You Say Nothing At All“ oder zusammen mit einer Kölnerin aus dem Publikum den Bläck-Fööss-Karnevalskracher „Drink doch eine met“. Der Saal ist begeistert von dieser charmanten Liebeserklärung an die Musik.

Demnächst in der Region

Markus Henrik alias Dr. Pop, „Hitverdächtig“, 8. März, 20 Uhr, Herzogskelter, Güglingen.

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