Vor Konzert in Heilbronn: Wolfgang Niedecken über Kunst, Musik und Lebensweg
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Nicht mit seiner Band BAP, sondern solo kommt Wolfgang Niedecken am 12. Januar 2026 in die Harmonie Heilbronn. Vorab nimmt sich der Musiker und Sänger Zeit für ein Interview.
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Herr Niedecken, „Zwischen Start und Ziel“ heißt Ihre aktuelle Solo-Tour. Wo der Start war, kann man sich vielleicht noch denken. Aber wo befinden Sie sich gerade auf der Strecke?
Wolfgang Niedecken: Wenn ich das mal wüsste (lacht). Alle Stücke, die ich für diese Tour ausgesucht habe, haben einen autobiografischen Kern, sie erzählen ein Stück weit mein Leben. Dabei sind BAP-Songs und Solostücke, unbekannte Lieder, aber auch bekanntere wie „Verdamp lang her“ und „Du kanns zaubre“. Und ich lese aus meinen beiden Biografien „Für‘ne Moment“ und „Zugabe“
"Es gab mal eine Zeit, in der ich sogar auf Kölsch gedacht habe": Am 12. Januar kommt Wolfgang Niedecken mit seiner Solotour in die Harmonie Heilbronn.
Foto: Archiv/Mario Berger
Der Blick geht dabei vor allem zurück. Sind Sie ein Nostalgiker?
Niedecken: Überhaupt nicht. Nostalgie ist etwas Merkwürdiges, es ist die Sehnsucht nach der Vergangenheit. Der kann man sich mal hingeben, aber diese Art von Rührseligkeit ist mir eigentlich ein Groll. Beim Blick zurück wird fast immer alles vergoldet – und die schlechten Dinge von damals verdrängt. Ich habe ein Elefantengedächtnis und bislang ein sehr schönes Leben verbringen dürfen. Und kann beruflich meinem Hobby nachgehen, ich habe ja eigentlich Malerei studiert.
Apropos Kunst: Vor Kurzem wurde bei der ZDF-Trödel-Sendung „Bares für Rares“ eines Ihrer Kunstobjekte versteigert. Das Frühwerk „Pythagoras – Thales – ?“ ging schließlich für 2000 Euro an einen Händler.
Niedecken: Ich hatte dieses Objekt komplett vergessen. Es stammt aus dem Jahr 1975. Ich hatte mich damals ein wenig über meine Mathematikkenntnisse lustig gemacht, denn ich war in diesem Fach unfassbar schlecht.
Wieder zurück zur Musik. Was kann der Kölner Dialekt vermitteln, was Hochdeutsch nicht kann?
Niedecken: Hochdeutsch ist eine schlecht singbare Sprache, furchtbar eckig und kantig. Kölsch bietet die wunderbare Möglichkeit, End- und Anfangssilben ineinander zu verschleifen, ähnlich wie beim Englischen oder Französischen. Darüber hinaus ist Kölsch eine gelebte Sprache, ich bin mit ihr aufgewachsen. Es gab mal eine Zeit, in der ich sogar auf Kölsch gedacht habe. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Leute in meinem Alltag, mit denen ich im Dialekt sprechen kann.
Einen der größten Hits von BAP, „Verdamp lang her“, haben Sie 1981 über den Tod ihres Vaters geschrieben, über das Schweigen, das zwischen ihm und Ihnen zuletzt herrschte. Wie hat sich Ihr Blick auf den Song verändert?
Niedecken: Viele denken, dass mir der Song inzwischen zum Hals raushängt, aber dem ist nicht so. Das Lied ist ein imaginäres Gespräch an seinem Grab. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wenn wir dieses Lied spielen mein Vater neben mir steht und versucht mir zu sagen, dass er sich keine Sorgen mehr um mich macht. Er hat sich, typisch für Eltern, gesorgt, dass ich von dem, was ich tue, niemals leben kann. Ich konnte ihm leider nie das Gegenteil beweisen. Als der große Erfolg mit BAP kam, war er schon gestorben.
Sie sind gut mit US-Superstar Bruce Springsteen befreundet. Ein Biopic im Kino beleuchtete jüngst eine schwierige Zeit seines Lebens, als er – zurückgezogen und depressiv – das Album „Nebraska“ aufnahm. Könnten Sie sich vorstellen, dass jemand Ihr Leben verfilmt?
Niedecken: Ich glaube, so wichtig bin ich nicht (lacht).
Springsteen hat sich immer wieder mit US-Präsident Donald Trump angelegt. Sie waren und sind ein politischer Mensch, der sich immer wieder zu gesellschaftlichen Themen äußert. Was treibt Sie beim Blick ins Land und in die Welt gerade besonders um?
Niedecken: Die ganzen Populisten, die nach Macht streben oder bereits an der Macht sind machen mir wirklich Sorgen. Wir haben mit dem Klimawandel ein großes, dringliches Problem, das nur gemeinschaftlich gelöst werden kann. Aber das meiste dreht sich nur um einen skrupellosen, angeberischen US-Präsidenten, um das Gebaren der AfD oder um andere, leicht durchschaubare Dinge.
Woher glauben Sie kommt die Sehnsucht nach Autokraten, nach jemandem, der mal richtig durchgreift?
Niedecken: Ich glaube, dass diese Sehnsucht vor allem Menschen haben, die die Politik nicht wirklich oder nicht intensiv genug verfolgen. Viele informieren sich ausschließlich aus den Sozialen Medien, wo fast ausschließlich Überschriften-Journalismus betrieben wird. Da landet man ganz schnell in einer Echo-Kammer. Sich mit politischen Dingen und mit seriösen Medien auseinanderzusetzen, ist Arbeit. So wie Demokratie an sich immer vor allen Dingen Arbeit ist.
Machen Ihnen die politischen Entwicklungen Sorge?
Niedecken: Durchaus. Die politischen Ränder werden stärker, dabei haben die Extreme, sei es rechts oder links, keine Lösungen für die wirklichen Probleme. Die Parteien der Mitte, und diese Mitte fasse ich durchaus weit, müssen sich endlich zusammenraufen, parteipolitische Dinge sollten außen vor bleiben.
Zur Person
Wolfgang Niedecken wurde am 30. März 1951 in Köln geboren. Ohne Abitur studierte er ab 1970 freie Malerei an den Kölner Werkschulen der FH Köln und schloss das Studium 1974 mit dem Examen und einem Studienaufenthalt in New York City ab. 1976 gründete er die Kölschrock-Band BAP. Bis heute ist er Sänger, Texter, Komponist und Frontmann der Gruppe und das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Am Montag, 12. Januar 2026, kommt Niedecken um 19.30 Uhr in die Harmonie Heilbronn. Tickets ab 43,40 Euro unter www.eventim.de.
Zuletzt sorgte die Stadtbilddebatte einige Wochen für Schlagzeilen.
Niedecken: Dass man über das Thema debattiert, ist in Ordnung. Aber das Bild, das Friedrich Merz da entworfen hat, war furchtbar. Ich weiß nicht, ob ihm die Konsequenz seiner Aussage bewusst war. Dass Ödnis in vielen Innenstädten herrscht, dass der Strukturwandel nicht funktioniert, liegt doch nicht an Geflüchteten, sondern eher an riesigen Einkaufszentren, am verändertem Kaufverhalten, am Online-Handel. Das sind die Kehrseiten der Globalisierung.
Im kommenden Jahr gehen Sie mit BAP wieder auf Tour – unter dem Titel „Zielgerade“. Wie lang wird diese?
Niedecken: Das weiß ich selbst nicht. Veranstalter werben ja immer gerne mit dem Begriff „Abschiedstour“. Aber sowas ist mir zu blöd, denn in vielen Fällen ist das nur ein Spruch um den Ticketverkauf anzukurbeln. Ich bin aktuell gesund und kann mich konzentrieren, aber wer weiß, wie fit ich in drei Jahren bin?
Zum Schluss bleibt die Frage: Wie schneidet der 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga ab?
Niedecken: Wir werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben, da bin ich mir absolut sicher.
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