Magdalena Lehnen, 1997 in Mönchengladbach geboren, aufgewachsen am Niederrhein, absolviert nach Abitur und einem Auslandsjahr ihre Ausbildung an der Schauspielschule Arturo in Köln. Sie spielt in Produktionen an der Komödie Düsseldorf, wird Mitglied des EinEuroEnsembles in Köln. Nach ihrem Engagement bei den Brüder-Grimm-Festspielen Hanau ist Lehnen seit der Spielzeit 2024/25 Ensemblemitglied am Jungen Theater Heilbronn.
Wie fühlt sich tot an?
Das Stück „Schlafen Fische?“ von Jens Raschke stellt in der Boxx des Heilbronner Theaters große Fragen aus kindlicher Sicht: Wie umgehen mit der Trauer, wenn der kleine Bruder stirbt und warum das Thema auch Humor zulässt.

Es scheint wie bei den Menschen zu sein. Schlafmangel kann bei Fischen zu Stress, Verhaltensänderungen und gesundheitlichen Problemen führen. Dabei schlafen Fische nicht im menschlichen Sinne, allein schon, weil sie ihre Augen nicht schließen können, sie haben keine Augenlider.
„Schlafen Fische?“ ist auch der Titel eines Theaterstücks, das das Thema Tod aus kindlicher Sicht verhandelt. Autor Jens Raschke nähert sich den großen und letzten Fragen des Lebens aus der Perspektive der zehnjährigen Jette, die um den Tod des kleines Bruders trauert, und wie wie sich daraus zu befreien versucht. Indem Jette Fragen stellt.
Tabuthema Tod und warum Trauer für jeden anders funktioniert
Magdalena Lehnen ist die Jette im Stück in der Inszenierung von Stefanie Roschek. Diesen Sonntag hat das Einpersonen-Drama Premiere in der Boxx des Heilbronner Theaters – und wendet sich an alle Generationen. Ist das Thema Tod doch immer noch für viele ein Tabu und funktioniert Trauer für jeden Menschen anders.
Die Herausforderung dabei für die Schauspielerin: Sie nimmt wechselnd auch die Haltung der anderen Figuren, die auf der Bühne gar nicht auftreten, ein. Die des sechsjährigen Bruders Emil, der Eltern – und sie kommentiert die Gefühlsgemengelage aus der Perspektive eines Mädchens, das Verantwortung übernehmen muss. Die Handlungszeit im Stück ist Emils Todestag, wenn Jette nach einem Jahr zurückgeht in ihrer Erinnerung.
Warum darf man auf dem Friedhof keine Pizza essen?
Oft haben Kinder einen recht pragmatischen Umgang mit dem Tod. Stirbt der Großvater, dann, weil er schlicht alt war. Was aber, wenn der Bruder unheilbar krank ist? Für eine Familie der permanente Ausnahmezustand, über den Tod hinaus. Zumal die Tochter mit praktischen Anliegen konfrontiert. Was passiert, wenn wir sterben? Wie fühlt sich tot an? Warum darf man auf dem Friedhof nicht Pizza essen? Zumindest nicht in unserem Kulturkreis. Was kommt nach dem Tod? Fühlt man sich dann besser?
Es geht um unsere Auseinandersetzung mit angstbesetzten Fragen. Und manchmal ganz simpel darum, ob Fische schlafen, worauf der Vater keine Antwort wusste, als sie zusammen in Dänemark im Urlaub waren. „Das Stück“, sagt Regisseurin Stefanie Roschek, „ist ein Abbild der Realität. Ohne zu beschönigen, mit einem Feingefühl, das Humor zulässt. Mit einer Klarheit, die das Thema braucht, schafft es der Autor, dass man darüber sprechen möchte.“
Experten des Kinder- und Jugendhospizdienstes Heilbronn
Nun ist Raschkes Geschichte für Kinder ab zehn Jahren in einer einfachen Sprache. „Ehrlich und pur“, meint Lehnen, die hofft, dass junge Zuschauer, „die vor schwierigen Gefühlen nicht zurückschrecken, hier andocken können.“ Doch Raschkes „Schlafen Fische?“ will auch Erwachsenen Mut machen, zuzulassen, dass man mitunter keine Antworten weiß. „Wir wollen zeigen, im Trauerprozess wie bei jeder Form von Verlust ist jede Reaktion erlaubt. Auch Wut oder Erleichterung“, darin sieht Roschek die Qualität des Stücks. Begleitend zu den Proben haben Gespräche stattgefunden mit Experten des Kinder- und Jugendhospizdienstes Heilbronn der Malteser und dem Verein Lichtblick-TAK. Sie werden dabei sein bei den Nachgesprächen nach ausgewählten Vorstellungen.
Wie Magdalena Lehnen, 28 Jahre jung, über den Tod denkt? „Über den Tod nachdenken heißt, nachdenken, wie möchte ich leben.“ Was fast schon abgeklärt klingt, hat auch mit ihrer Erfahrung zu tun, als sie als 19-Jährige mit weiteren Familienmitgliedern dabei ist, als der Großvater stirbt. Ein bewusstes Abschiednehmen war das. Den Eltern war es wichtig, den Tod als selbstverständlichen Bestandteil des Lebens zu vermitteln.
Wenn unsere Leistungsgesellschaft Krankheit als Schwäche tadelt
Dass das, was Jette im Stück durchmacht, Kinder in dem Alter durchmachen, haben die Hospizmitarbeiterinnen bestätigt, sagt die Regisseurin über die Inszenierungsarbeit. Kinder sind Entdecker und Forscher, sie wollen erkunden, um zu verarbeiten. Die Krux, irgendwann gibt es keine Antworten mehr. Das auszuhalten, davon erzählt „Schlafen Fische?“. Und am Rande, wie verheerend es ist, wenn unsere Leistungsgesellschaft Krankheit als Schwäche tadelt.
„Schlafen Fische?“
Premiere: Sonntag, 15 Uhr, Boxx im Theater Heilbronn. Regie: Stefanie Roschek, mit Magdalena Lehnen. Im Anschluss findet ein Nachgespräch statt.

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