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Burgfestspiele Jagsthausen
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Wie es sich anfühlt, als Paar auf der Bühne ein Paar zu spielen

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Ariela und Thomas Sarbacher spielen gemeinsam im „Götz von Berlichingen“: Warum der Sommer in Schöntal ein Geschenk ist und die Dunkelheit im Jagsttal bemerkenswert.

Tauschen sich auch nach all den Jahren leidenschaftlich über ihren Schauspielberuf und über Texte aus: Ariela und Thomas Sarbacher vor der Götzenburg.
Tauschen sich auch nach all den Jahren leidenschaftlich über ihren Schauspielberuf und über Texte aus: Ariela und Thomas Sarbacher vor der Götzenburg.  Foto: Ralf Seidel

„Ein Auto ist nicht die Alternative“, sagt Thomas Sarbacher. Das Schauspielerpaar hat auch keines und ist wieder mit dem Zug aus Zürich angereist. Abfahrt 10 Uhr, Ankunft Möckmühl 15 Uhr, weiter mit dem Bus nach Jagsthausen. „So gut wie heute läuft es nicht immer“, gibt Ariela Sarbacher die Hoffnung auf die Deutsche Bahn nicht auf.

Mit leichtem Gepäck sind sie angereist, Reisetasche zum Umhängen und Rucksack für zwei Übernachtungen. Diesen Sommer gibt Thomas Sarbacher den Götz und Ariela Sarbacher Elisabeth, die Frau des Titelhelden im Traditionsstück der Burgfestspiele. Und auch sonst sind sie viel unterwegs. Am Tag nach der Premiere Anfang Juni ist er nach Hamburg zu einem Dreh gefahren. Ariela Sarbacher schreibt an ihrem dritten Buch, ihr Mann spricht Hörspiele und Hörbücher ein, beide sind mit Lesungen und Moderationen ausgebucht. 

Leidenschaftlicher Austausch über Texte und den Beruf

Auch wenn das Ehepaar beruflich oft zusammenarbeitet, gemeinsam auf der Bühne gestanden haben sie lang nicht mehr. Die Probenzeit zum „Götz von Berlichingen“ also war eine gemeinsame Zeit, die Ariela genutzt hat, um an ihrem Buch zu arbeiten, und Thomas, um sich auf eine Thomas-Mann-Lesung in Kilchberg bei Zürich, wo Mann lebte, vorzubereiten. Kennengelernt haben sich der gebürtige Hamburger und die Schweizerin mit italienischer Mutter in Bremen während ihrer Engagements bei der Shakespeare Company.  Nicht nur die Liebe zum Schauspiel verbindet sie, auch das Interesse an und Engagement für Literatur. Beide sind Sprecher für die Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte in Zürich. Dass sie sich nach über 30 Jahren noch leidenschaftlich austauschen über Texte und ihren Beruf, in der Küche und im Zug, hat auch damit zu tun, dass sie als Freischaffende selbst gewählte Projekte realisieren.

Der Nachteil, meint Ariela Sarbacher, ist, dass sie „ständig dran“ sind an ihrer Arbeit. Dieses Dransein wirkt entspannt und selbstbestimmt. „Wenn wir hier sind, wohnen wir privat in Schöntal und sind so herzlich aufgenommen, das ist ein Geschenk.“ In der „Post“ sitzen sie gern oder am stillgelegten Bahnhof, wo es einen „vorzüglichen Riesling“ gibt. „Man ist sofort in der Natur in den Wäldern. So schön hätte man sich das nicht ausdenken können.“ Oft sind sie zu Fuß von Schöntal zu den Proben in die Burg gelaufen, eine Stunde. Und zurück? Da war es zu dunkel. Überhaupt: „Ich finde die Dunkelheit hier beeindruckend“, sagt Ariela Sarbacher. „Zumal für Städter“, ergänzt ihr Mann. 

Warten bis er kommt - und wieder geht

Ohne Frage hat die Götzenburg als Originalschauplatz ihren Reiz. Nun gilt es ja, strikt zwischen Person und Rolle zu trennen, zwischen dem Ehepaar Sarbacher und ihren Figuren Götz und Elisabeth. Kann die Elisabeth dem widersprüchlichen Götz folgen? Teilt sie seine politische Haltung? „Ich denke nicht immer. Aber sie liebt ihn und folgt ihm durchs Leben“, findet Ariela Sarbacher. Welche Möglichkeiten hätte Elisabeth denn? „Sie hat die Möglichkeit, in der Burg zu warten, bis er kommt und wieder geht“, sagt Thomas Sarbacher lapidar. „Aber es könnte auch sein, dass sie von etwas anderem träumt.“

Wie es sich anfühlt, als Paar auf der Bühne ein Paar zu spielen? „Es macht immensen Spaß. Wir spielen Figuren.“ Natürlich ist da auch die private Vertrautheit neben der kollegialen. Wird man denn noch überrascht auf der Bühne? „Ja natürlich“, sagen beide, „immer wieder“.

Sich zentrieren mit Tai-Chi-Übungen

Auch wenn die ausgebildete Tai Chi-, Qigong- sowie Pilates-Lehrerin Sarbacher im Moment nicht dazu kommt, zu unterrichten: Vor Auftritten zentrieren sich die Sarbachers mit Tai-Chi-Übungen. Wäre das kein Foto? „Zu privat“, winkt Thomas Sarbacher ab. Dafür gibt es persönliche Lektüretipps für den Sommer. „Die dünnen Götter“ von Aris Fioretos empfiehlt Ariela Sarbacher, ein Roman über Draufgängertum und Verletzlichkeit, Sehnsucht und Kompromisslosigkeit und die Musikszene im New York der 70er Jahre. Als „unbedingt empfehlenswert in diesen Zeiten, in denen sich die Menschheit rückwärts entwickelt“ empfiehlt Thomas Sarbacher „Das kalte Krematorium“ des ungarischen Journalisten, Autors und Auschwitzüberlebenden József Debreczeni, eine Reportage, die jetzt neu aufgelegt worden ist. „Keine Strandlektüre.“  

Am Morgen nach der „Götz“-Vorstellung geht es zurück nach Zürich ab Bushaltestelle „Kloster Schöntal“. In sechs Stunden sind sie zu Hause. Wenn es läuft. Um kommende Woche wiederzukehren.

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