Wie damals in Long Beach
Basel - Der Motor einer Spitfire läuft knatternd an, Churchills Stimme hallt durchs Dunkel, die Insel werde um jeden Preis verteidigt, Jubel erhebt sich, der so manchen Olympioniken erblassen ließe, und dann sind sie da. Die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden ist mit einer Show, die im Kern aus den 80er Jahren stammt, oben auf der Erfolgsleiter angekommen. 9500 Besucher in der Baseler St. Jakobshalle feiern die Band.

Im eigenen Flugzeug um die Welt – so manche Rockband hat diesen Gag schon gebracht und gezeigt, wo der Kontostand steht. Iron Maiden haben daraus eine ernste Sache gemacht, eine Boeing 757 umgebaut, das ganze Equipment eingeladen, die Band und alle wichtigen Leute reingesetzt und Sänger Bruce Dickinson hinters Steuerhorn. Konzerte in Indien, Australien, Amerika und Japan waren der reinste Triumphzug. Und jetzt also Europa, Pilgerstätte für den Süddeutschen Raum: Basel, Schweiz, lange ausverkauft.
Ohne Kosmetik
Die Tournee hat ihren Ursprung in den Jahren 1984/85, als die Band auf der World Slavery Tour ihr wegweisendes Live-Album „Live after Death“ in Long Beach (Kalifornien) aufnahm – in bestechendem Sound, ohne Overdub, also nachträgliche Kosmetik im Tonstudio. Immer wieder wollten die Fans in der jüngeren Bandgeschichte diese Stücke hören, jetzt ist das ägyptische Bühnenbild zurück, auf dem Repertoire stehen Stücke aus den Anfangsjahren der Band.
Glasklar wie auf dem Referenz-Album ist der Sound in Basel über weite Strecken, mit drei Gitarren entfesseln Iron Maiden einen einnehmenden Sound, der satt im Ohr ankommt. Nur zum Ende des Konzerts ist die Verstärkeranlage an ihrer lautstärkemäßigen Grenze angekommen. Getrieben wird die Band vom Duo an Bass und Schlagzeug.
Steve Harris spielt einen knackigen, oft harten und galoppierenden Bass. Hinter seinem monumentalen Schlagzeug ist Nicko McBrain kaum zu sehen. Während andere Trommler mit Minimal-Ausstattung auskommen, andere große Drumkits haben, aber nur die Hälfte davon bespielen, herrscht McBrain wie ein Oktopus über sein Instrument.
Krieg und Friede
Die größte Show zieht Sänger Bruce Dickinson ab. Inzwischen mit Piloten-tauglicher Kurzhaarfrisur und einer gereiften und kraftvollen Rockstimme versehen, hat er das Publikum vom ersten Ton an im Griff. Dickinson macht keine pathetischen Gesten, schaut den Fans in die Augen, spricht sie an, lenkt alle Aufmerksamkeit auf sich. Der Sänger rennt über die Bühne, durch die Kulisse. Zu „The Trooper“ schwenkt er den Union Jack.
Es geht um Krieg und Sterben, um die Attacke der Leichten Brigade (Charge of the Light Brigade), historischer Stoff aus dem Krim-Krieg. Und auch sonst singt Dickinson von Verdammnis und Tod. Alleine, der Mann hat den Schalk im Nacken, das Grinsen im Gesicht, transportiert ernste und hintergründige Botschaften mit harten Worten. Rockfans setzen sich zu diesem Mann ins Flugzeug und feiern den Piloten – als den Rockstar, der er ist.

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