Wer kauft einen E-Porsche? Umweltschützer mit kleinem Genital
Warum nicht jeder Mensch das Endprodukt der Schöpfung ist: Comedian Frank Fischer nimmt uns im Kulturkeller Heilbronn mit ins „Gagaland“.

Dass der Begriff aus dem Englischen stammt und auch im Französischen verwendet wird? Dürfte weniger bekannt sein als der Werbeslogan „Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?“, der Mitte der 90er Jahre so erfolgreich war, dass er in den deutschen Sprachgebrauch einging. Gaga, also bekloppt, neben der Spur, verrückt, ist phonetisch nah dran an Dada, jener künstlerischen und literarischen Bewegung, die um 1920 die Kunst der Moderne beeinflusst. Auch Frank Fischer ist ein Wortkünstler zwischen Comedy und Kabarett. Und erfreut mit seinem aktuellen Programm „Gagaland“ im ausverkauften Kulturkeller.
Vom Weihnachtsmann zum Christkind dank Geschlechtsumwandlung
Dass Fischer, Jahrgang 1973, nicht ganz ohne die Schenkelklopfer gendern und transgender auskommt, schade, aber geschenkt. Ist eben eine sichere Bank, sich über Jägerinnenschnitzel und die vermeintliche Geschlechtsumwandlung vom Weihnachtsmann ins Christkind lustig zu machen. Davon abgesehen ist der Abend mit dem Mann aus Mainz, der in Rüsselsheim aufgewachsen ist und Jura studiert hat, ein Vergnügen.
Nach dem Warm Up, woher die Zuschauer kommen, geht Frank Fischer, der seit 2005 hauptberuflich auf der Bühne steht, in medias res und schlägt Volten zwischen den Absurditäten des Alltags und der großen Politik. Und sei es die der Bahn, was eigentlich kein Witz ist. Mit der Beiläufigkeit seiner Beobachtungen im Zug trifft Fischer in die Eiterbeulen nicht nur des maroden Unternehmens. Sondern skizziert die Absonderlichkeiten der Spezies Mensch.
Der andere ist immer bekloppter
Wir alle also sind Bewohner eines Gagalandes. Dass der andere immer bekloppter ist als wir selbst, versteht sich. Und weil Frank Fischer viel unterwegs ist quer durch die Republik und auch in der Schweiz und in Österreich auftritt, muss seine Menschenkenntnis geschult sein am Praxistest, schließlich fährt er viel mit der Bahn, wie er bekundet. Wenngleich er an diesem Samstag mit dem Auto gekommen ist. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auch in der Kunst auseinander.
Der Mann mit dem größten Sprung in der Schüssel, wie er kokettiert, kann wunderbar mit Dialekten spielen – um die Besonderheiten von Landsmannschaften aufs Korn zu nehmen. Während im Schwäbisch-Alemannischen ein s’schbrutal die anerkennende Bezeichnung ist, dass einem etwas sehr gut gefällt = es ist brutal, gilt im Norden bereits als Schwätzer, wer moin, moin sagt. Ein einfaches moin würde genügen. Dass ein Bekenntnis wie „ja ich baue gerade ein Bömbli“ auf Schwyzerdütsch weniger bedrohlich klingt, ist unbestritten. Was wäre gewesen, hätte der Oberösterreicher Hitler auf Wienerisch die Stimmung abgefragt, wie es denn so ist mit dem totalen Krieg – wollt ihr oder eher need?
3er-BMW als Witz geht immer
Von der Textilhölle Kick über den 3er-BMW – 3er-BMW geht immer, warum nur? – kommt Fischer zum Elektro-Porsche und der Krux, wer so einen Wagen kaufen soll? Umweltschützer mit kleinem Genital, sagt Fischer. Wie es klingt, wenn ein Spanier in der Apotheke Paracetamol verlangt? Björn Höcke auf Spanisch die Remigration anpreist? Und warum Skepsis ratsam ist, wenn ein Hotel sich brüstet, „glückliche Gäste sind unsere Leidenschaft“?
Frank Fischer ergründet die Fragen unserer Zeit und hat einen gewissen Trost. „Es gibt eine sympathische Art von Blödheit.“ Wenn er da mal Recht behält. Schließlich kann nicht jeder Mensch das Endprodukt der Schöpfung sein.

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