Vorpremieren, Kunstfälscher und Baden-Württemberg auf der Berlinale
Warum Künstler ihr neues Programm ausgerechnet im Heilbronner Kulturkeller testen und wo es im Supermarkt drei Kilo Leonardo da Vinci gibt.

Kulturkeller
Je oller, desto doller oder: Der Kulturkeller in der Gartenstraße, Heilbronns älteste Kleinkunstbühne – seit 1983 – spielt mitunter mehrfach die Woche und das bei ungebrochener Nachfrage. „Ich hatte mich jünger in Erinnerung“, klärte Hans Gerzlich vergangenen Samstag im ausverkauften Keller auf. Diesen Samstag stellt Rainer Bielfeldt sein brandneues Programm vor. Als Vorpremiere. Also eine Art Testballon vor überschaubarem Publikum, wie es der Kulturkeller immer wieder exklusiv bietet. Wie ausgerechnet der Kulturkeller dazu kommt? Es hat sich wohl unter Künstlern herumgesprochen, dass sich die intime Atmosphäre in dieser auf den ersten Blick unspektakulären Location in Heilbronn bestens eignet für Vorpremieren. Es sind die Künstler selbst, die anrufen. Wie jüngst Komiker Johannes Schröder, der, unter Ausschluss der Presse, im Kulturkeller seine Vorpremiere hatte. Bevor er dann durch die Republik tourte und auch in der Harmonie Station gemacht hat. Wo sich einst Garderoben und Technikräume des Heilbronner Theaters befanden, bis es an den Berliner Platz zog, ist Platz für 55 Zuschauer. Vier Meter auf drei Meter groß ist die Bühne, die integrierte Kneipe macht den Wohnzimmer-Charme perfekt. Träger ist nach wie vor der gemeinnützige Verein Kulturkeller, während ein ehrenamtliches Team die Organisation des Theaters stemmt. Einige aus diesem Orga-Team treten als Kabaretttruppe Heilbronner Leibgerücht auf. „Morgen ist heute schon gestern“ heißt ihre Show, Premiere war Ende November. Noch bis März ist die siebenköpfe Truppe damit zu erleben. Wie es sich beim Kabarett gehört, reagiert es tagesaktuell. Unverblümt politisch dreht das Heilbronner Leibgerücht Heilbronner Lokalpolitik durch den Fleischwolf der Zeitmaschine. Die nächste Vorstellung ist diesen Freitag.
Zehn Millionen Fälschungen jährlich für Amerika und Europa
Original oder Fälschung? Interessiert das noch im Zeitalter der Reproduzierbarkeit von Kunst mittels KI? Und wie ist es mit Fälschern, die selbst Hand anlegen und Bilder im Stile berühmter Meister anfertigen? Die vermeintlich simple Frage „Was ist ein Original?“ habe am Anfang seiner Doku „Manche mögen’s falsch“ gestanden, so der polnische Filmemacher Stanislaw Mucha. Mucha hat die Stadt Dafen nahe der Metropole Shenzhen in China besucht, die weltweit größte Produktionsstätte für Kunstkopien. Hier entstehen auf engstem Raum mit größter Präzision Millionen Kopien von Gemälden von Rembrandt, Claude Monet, Vincent van Gogh oder Dalí. Auch gibt es einen Supermarkt, der Ölbilder nach Gewicht verkauft. Drei Kilo da Vinci für den schmalen Geldbeutel. Zehn Millionen Bilder gehen jährlich als Großbestellungen nach Europa und Amerika. Der Maler Huang Jiang, er gilt als der Pate von Dafens Kunstkopie-Industrie, ist einer der Menschen, die hinter den kunstvollen Kopien stehen und die Mucha vor Ort begleitet hat. Am Samstag kommt der Filmemacher ins Arthaus-Kino nach Heilbronn und erzählt von seinem Film. „Manche mögen’s falsch“ läuft um 17.30 Uhr.
Mystery-Serie aus dem Schwarzwald
Dass Baden-Württemberg ein kreatives Pflaster für den Film ist, ist bekannt. Gleich drei von der MFG geförderte Filme laufen auf der Berlinale im Februar. Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg ist also wieder mit Weltpremieren auf den Filmfestspielen vertreten: mit dem neuen Film von Adrian Goinger „Vier minus drei“ und dem Liebesdrama „Allegro Pastell“ von Anna Rollers, beide in der Reihe „Panorama“. Und mit der Miniserie „House of Yang“, die im Hauptprogramm als Berlinale Special läuft. Das auf sechs Teile angelegte Mystery spielt in einem abgelegenen Haus im Schwarzwald, Stefanie Ren hat das Drehbuch geschrieben, Mia Spengler hat es verfilmt.

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