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„Eurydike Deep Down“ und „Novecento“ als Gastspiele
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Von Schwäbisch Hall über Düsseldorf nach Heilbronn: Schauspieler Yascha Finn Nolting auf dem Theaterschiff

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Schauspieler Yascha Finn Nolting schätzt das Theater als Ort für Außenseiter. Ein Gespräch mit dem gebürtigen Schwäbisch Haller über seine Anfänge bei den Freilichtspielen, den antiken Orpheus-Mythos und der „Legende vom Ozeanpianisten“.

Yascha Finn Nolting erinnert sich noch gut an seine Zeit bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall, wo er erstmals mit Profis auf der Bühne stand. Heute arbeitet er selbst als freiberuflicher Schauspieler.
Foto: Mario Berger
Yascha Finn Nolting erinnert sich noch gut an seine Zeit bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall, wo er erstmals mit Profis auf der Bühne stand. Heute arbeitet er selbst als freiberuflicher Schauspieler. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Auftritte auf dem Theaterschiff Heilbronn sind für Yascha Finn Nolting fast ein Heimspiel. Zwar lebt der Schauspieler inzwischen in Düsseldorf, aufgewachsen ist er aber bei Schwäbisch Hall, wo er mehrere Jahre lang bei den Freilichtspielen mitgewirkt hat. Dort ist nun auch sein Bruder im Jugendclub aktiv und hatte am Ostermontag eine Premiere. Nolting, der gerade zu Besuch ist, saß im Neuen Globe im Publikum und erinnerte sich dabei an seine Anfänge: „Wir haben unsere Stücke früher oft in einem alten, leerstehenden Schwimmbad gespielt, das war auch ganz schön.“

Zur Person: Yascha Finn Nolting

Yascha Finn Nolting wird 1994 in Schwäbisch Hall geboren und wächst im Umland auf. Über die Schultheater-AG und den Jugendclub der Freilichtspiele findet er Gefallen an der Schauspielerei. Im zweiten Anlauf klappt es dann mit dem entsprechenden Studium: am Thomas-Bernhard-Institut der Universität Mozarteum in Salzburg. Von 2018 bis 2023 ist Nolting Ensemblemitglied des Staatstheater Nürnberg, seither arbeitet er freiberuflich und lebt in Düsseldorf. 

Nolting selbst steht diesen Freitag und Samstag in Heilbronn auf der Bühne in einem Gastspiel des Schauspielhauses Düsseldorf. „Eurydike Deep Down“ heißt die Produktion des Dramatikers Michele De Vita Conti und der Regisseurin Alessandra Giuriola nach dem antiken Mythos von Orpheus und Eurydike. „Die Geschichte ist die gleiche, sie ist nur neu geschrieben“, erzählt der Schauspieler von Interviews über das Thema Liebe, die Giuriola und De Vita Conti mit verschiedenen Menschen geführt und in den Text haben einfließen lassen.

Eine antike Geschichte mit einem modernen Twist?

In Impro-Sessions sind zudem Musikstücke entstanden, „die ich dann live auf der Bühne singe“, erklärt der Darsteller, der den Orpheus gibt. Aus einem musikalischen Elternhaus stammend, ist Yascha Finn Nolting früh mit dem Klavier und anderen Instrumenten wie Querflöte in Berührung gekommen. Zum Gesang fand er später übers Schauspielstudium am Thomas Bernhard Institut der Universität-Mozarteum-Salzburg. In den letzten Jahren hat Nolting viel Musical gemacht und sich ein Liedermacher-Programm erarbeitet.

Die ideale Voraussetzung, sollte man meinen, für die Rolle des Orpheus. Jenem größten Sänger des alten Griechenlands, der mit seiner Kunst sogar Unterweltgott Hades dazu bewegen kann, ihm seine geliebte Eurydike zurückzugeben, nachdem diese durch einen Schlangenbiss getötet wurde. Einzige Bedingung: Orpheus darf sich beim Aufstieg in die Oberwelt nicht nach der Nymphe umdrehen. Anders als der Titel vermuten lässt, legt „Eurydike Deep Down“ den Fokus nicht komplett auf die Titelheldin, ihrer Geschichte wird aber mehr Raum gegeben und ihr am Ende ein Twist gegönnt, wie Nolting verrät. Über seine Figur sagt er: „Orpheus hat einen sehr großen narzisstischen Anteil, er dreht sich schon sehr viel um sich und seine eigene Liebe.“

Ob sich Autor Alessandro Baricco hat inspirieren lassen von Orpheus’ Fähigkeiten für seinen Roman „Novecento oder Die Legende vom Ozeanpianisten“, der in einer Bühnenfassung von Regisseur Anton Schreiber ab 2. Mai erneut als Gastspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses auf dem Theaterschiff zu sehen ist mit Yascha Finn Nolting in einer Hauptrolle? „Da gibt es Parallelen“, hat der Schauspieler festgestellt und verweist auf den Titelhelden Novecento, der in den 1920ern auf der „Virginia“ so Klavier zu spielen vermag, dass der Dampfer im Sturm auf den Wellen mittanzt. „Das ist schon ein magisches Element, dass er durch seine Musik so eine Kontrolle über die Elemente hat.“

Yascha Finn Nolting arbeitet freiberuflich und ist viel beschäftigt

Als seinen sicheren Hafen bezeichnet Nolting übrigens die Institution Theater. „Ich glaube, Theater ist – wie für mich – ein bisschen ein Ort für Außenseiter, für Leute, die es vielleicht woanders nicht so leicht hätten, die oft schwierige Geschichten haben und dadurch aber auch anders über sich, über Kunst und die Gesellschaft nachdenken.“

Das Festengagement am Staatstheater Nürnberg hat der Schauspieler 2023 zugunsten der Freiberuflichkeit aufgegeben. Schnell war die anfängliche Angst überwunden und war der Terminkalender voll. „Seit zwei Jahren bin ich eigentlich durchgängig am Arbeiten und habe ein Projekt nach dem nächsten“,freut sich Nolting schon auf den Probenbeginn in drei Wochen in Bad Hersfeld und „das erste Mal wieder Freilichttheater zu machen“. Neun Jahre nachdem er in Schwäbisch Hall auf der Großen Treppe stand in Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“ und Schillers „Räuber“.

„Eurydike Deep Down“

Schauspiel von Autor Michele De Vita Conti und Regisseurin Alessandra Giuriola, Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr, Theaterschiff Heilbronn.

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