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Premiere in der Boxx

Von der Lust, Abenteuer zu erleben: „Siri und die Eismeerpiraten“ am Theater Heilbronn

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Für ihre vierte Inszenierung am Theater Heilbronn hat sich Sarah Speiser ein Kinderbuch von Frida Nilsson vorgenommen. Was die Schweizer Regisseurin an der Geschichte des Mädchens Siri fasziniert und warum sie jedes Stück als Partitur begreift.

„Jungen Menschen darf man zumuten, dass sie genauer hingucken und hinhören“: Die Schweizer Regisseurin Sarah Speiser bringt eine Kinderbuchgeschichte von Frida Nilsson auf die Bühne. Am Sonntag ist Premiere.
„Jungen Menschen darf man zumuten, dass sie genauer hingucken und hinhören“: Die Schweizer Regisseurin Sarah Speiser bringt eine Kinderbuchgeschichte von Frida Nilsson auf die Bühne. Am Sonntag ist Premiere.  Foto: Ralf Seidel

Wer Kinderbücher liest oder vorliest, dem begegnen sie wohl zwangsläufig irgendwann: Neben Rittern und Dinosauriern zählen Piraten zu den beliebtesten Figuren. Woran das liegt?

Sarah Speiser verbindet mit ihnen die Lust, aufs offene Meer zu fahren, die Welt zu entdecken und aufregende Abenteuer zu erleben. Als Schweizerin fasziniert sie auch das Auf-dem-Schiff-leben. Und spannend findet die Regisseurin, dass die Seeräuber einerseits romantisiert werden, andererseits böse sein können. Wie der gefährliche Weißhaupt, gegen den die junge Titelheldin kämpft in „Siri und die Eismeerpiraten“, einem Kinderbuch der schwedischen Autorin Frida Nilsson, das Sarah Speiser in der Fassung von Karin Drechsel nun auf die Bühne bringt als Abenteuerstück für Zuschauer ab neun Jahren. Am Sonntag ist Premiere in der Boxx des Heilbronner Theaters.

Worum es in „Siri und die Eismeerpiraten“ geht

Frida Nilsson, Jahrgang 1979, die gerne als Nachfolgerin von Astrid Lindgren gehandelt wird, erzählt die Geschichte von Siri, die mit ihrem Vater und ihrer Schwester Miki auf einer Insel im Eismeer lebt. Als Miki eines Tages beim Beerensammeln von Weißhaupts Mannschaft entführt wird, ist Siri die einzige, die sich auf die Suche nach ihr macht.

Zu gefürchtet ist der Pirat, weswegen ihm alle Erwachsenen aus dem Weg gehen, obwohl allgemein bekannt ist, dass er Kinder in einem Bergwerk für sich schuften lässt, um immer reicher zu werden. Siri heuert auf der „Sturmvogel“ an, schließt Freundschaft mit Schiffskoch Frederik und gibt nicht auf, auch wenn sich Hindernisse auftun. Sie begegnet einer Jägerin, dubiosen Seemännern und anderen Gestalten.

„Ich bin jedes Mal wieder fasziniert von Siri und denke, wie viel sie doch auf dieser Reise lernt und wie mutig sie sein muss“, schwärmt Sarah Speiser von der inspirierenden Kraft der Hauptfigur, die für sie trotz Vergleich von Nilsson mit Lindgren keine Wiedergängerin von Pippi Langstrumpf ist. Mit einer gehörigen Portion Kapitalismuskritik verhandelt „Siri und die Eismeerpiraten“ den Überlebenskampf in einer düsteren, kalten Welt. „Jungen Menschen darf man zumuten, dass sie genauer hingucken und hinhören“, findet die Theatermacherin eine simple Einteilung in Gut und Böse zu eindimensional. „Dafür sind wir viel zu komplex, dafür sind Beziehungen zu vielschichtig.“ Dass Frida Nilsson auch Platz für Humor lässt, Realität mit Fantasie kombiniert, beiläufig die kindliche Spiellust und -freude verteidigt, sind für die Regisseurin weitere Qualitäten des Stücks.

Über die Regisseurin Sarah Speiser

Geboren 1987 in Basel, kommt Sarah Speiser über ihre Mutter, eine Theaterpädagogin, relativ früh mit Theater in Berührung. An der Folkwang Universität der Künste in Essen studiert sie Schauspiel und Physical Theatre und ist seit 2013 freiberuflich tätig. „Siri und die Eismeerpiraten“ ist Speisers vierte Inszenierung am Theater Heilbronn nach „Von Maus und Mond“, „Nach vorn, nach Süden“ sowie „Geschichte eines Nein“.

In Kostümen und Kulisse steckt jede Menge Handarbeit

Sarah Speiser, die an der Folkwang Universität der Künste in Essen Physical Theatre studiert hat und auf der Bühne gerne erkundet, wie man ohne viel Sprache mit dem Körper arbeiten kann, begreift ein Stück, wie sie sagt, immer als Partitur. „Um über das Ganze eine Choreografie zu machen, um immer mit dem Rhythmus zu spielen.“ Bei dieser Geschichte nutzt sie den körperbetonten Ansatz, um mit den Schauspielern angesichts vieler Rollenwechsel unterscheidbare Figuren herauszuarbeiten, aber auch um Tiere und Naturphänomene wie eine stürmische See oder zusammenkrachende Felsen darzustellen.

„Siri und die Eismeerpiraten“, so das Theater Heilbronn, ist die bislang größte Produktion in der Boxx. Sowohl was die Besetzung betrifft mit dem kompletten vierköpfigen Boxx-Ensemble sowie den Gästen Alexander Redwitz und das ehemalige Ensemblemitglied Romy Klötzel in der Rolle der Siri. Auch die Ausstattung ist opulent mit einer „fast schon weihnachtsmärchengroßen Bühne“, erzählt Sarah Speiser. Denn jede Insel einschließlich ihrer Bewohner hat ihren eigenen, handgemachten Style und Look, wofür ein Team um Ausstatterin Eva Butzkies während der Proben beispielsweise Pullis häkelte. „Das war eine superschöne Atmosphäre.“

„Siri und die Eismeerpiraten“

Von Frida Nilsson in einer Bühnenfassung von Karin Drechsel. Premiere: Sonntag, 12. April, 15 Uhr, in der Boxx des Theaters Heilbronn. Regie: Sarah Speiser. Mit: Romy Klötzel, Sonia Glade, Alexander Redwitz, Max Lamperti und anderen.

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