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Veranstaltung der Reihe „Debüt am See“
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Von der Kraft der Solidarität: Mirrianne Mahn liest im Literaturhaus Heilbronn aus „Issa“

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In „Issa“ reist die schwangere Titelfigur von Deutschland ins zentralafrikanische Land ihrer Kindheit und stellt sich ihrer Familiengeschichte. Autorin Mirrianne Mahn erklärt im Heilbronner Literaturhaus, warum ihr Debüt kein Frauenroman ist, beklagt die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Thema Kolonialismus und beantwortet die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Mirrianne Mahn packt in ihrem Romandebüt „Issa“ die Themen Kolonialismus, Rassismus und Feminismus an.
Mirrianne Mahn packt in ihrem Romandebüt „Issa“ die Themen Kolonialismus, Rassismus und Feminismus an.  Foto: Seidel, Ralf

„Meine Frauen sind komplex“, begründet Mirrianne Mahn knapp, warum sie mit dem Etikett Frauenroman für ihr Buch „Issa“ nichts anfangen kann. Und die Autorin legt mit einer Antwort auf Goethes „Faust“ nach, wenn sie sagt: „Frauen, die ihren Alltag bewältigen, halten die Welt im Innersten zusammen.“ Sätze, die beim Publikum im ausverkauften Literaturhaus bei der jüngsten Veranstaltung der Reihe „Debüt am See“ gut ankommen. Mehrfach erntet die so energiegeladene wie humorvolle 35-Jährige Applaus.

In der Stadt Buea in Kamerun geboren und in einem Dorf im Hunsrück aufgewachsen, engagiert sich Mirrianne Mahn als Stadtverordnete in Frankfurt am Main, Theatermacherin und Referentin für Diversitätsentwicklung. Ihr literarischer Erstling „Issa“ ist im März 2024 bei Rowohlt erschienen. Mittlerweile liegt die fünfte Auflage vor dieser Geschichte über eine junge, schwangere Frau, die von Deutschland ins zentralafrikanische Land ihrer Kindheit reist, um sich dort auf Wunsch ihrer Mutter traditionellen Ritualen zu unterziehen.

Was Mirrianne Mahn zu „Issa“ motiviert hat

„Ich finde es spannend, wie sie mit Dingen umgeht, die sie nicht versteht“, beschreibt die Autorin im Gespräch mit Literaturhausleiter Anton Knittel ihre Titelfigur. Der Aufenthalt in der Millionenmetropole Douala wird für Issa auch zur Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte und Reise zu sich selbst. Denn die werdende Mutter sucht ihren Platz zwischen den Kulturen. Wobei Mirrianne Mahn mit Blick auf Deutschland anmerkt, „wie aktuell es gerade ist, wenn darüber geredet wird, wer hier sein darf und wer nicht“.

Wie können wir lernen, die Generationen vor uns zu akzeptieren? Was übernehmen wir? Was lehnen wir ab? „Ich wollte generationelle Traumata thematisieren, über die wir viel zu selten reden“, nennt Mahn einen Beweggrund, der sie zum Schreiben gebracht hat. Ein weiteres Anliegen ist es der Autorin, die Aufmerksamkeit auf die deutsche Kolonialgeschichte zu lenken. „Wir schieben das räumlich und zeitlich von uns weg“, sagt Mahn und beklagt eine ungenügende Auseinandersetzung mit diesem historischen Kapitel in Schulbüchern für den Geschichtsunterricht. Findet die Rahmenhandlung von „Issa“ 2006 statt, beginnt eine andere Erzählebene im Jahr 1903, als eine von Issas Vorfahrinnen im Mädchenalter von einem weißen Besatzer vergewaltigt wird.

„Issa“ greift immer wieder den Zusammenhalt der Frauen auf

„Es muss nicht immer der Kampf sein“, spricht Mirrianne Mahn im Trappenseeschlösschen auch über Solidarität als passives Mittel. Der Zusammenhalt der Frauen zieht sich wie ein roter Faden durch den Text. Dass die Autorin aber den Vergewaltiger – so viel sei verraten – an Malaria sterben lässt, bereitet ihr sichtlich Freude. „Ich liebe das Buch dafür, dass eine kleine Mücke kommt und die Sache erledigt.“

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