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Kultur 

Vom Zuschauen zum Mitmachen: Heilbronner Museen im Wandel 

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Am Donnerstag stellen die Städtischen Museen ihr Konzept eines Museums im Wandel vor. Zu Gast ist auch Bürgermeisterin Agnes Christner. 

Von Clara Eilish Hurley 
Komplett neu sind die interaktiven Räume von „(D)ein Museum“ im Deutschhof. Hier können Besucher sogar ihre eigenen Bilder aufhängen und persönliche Fragen beantworten.
Fotos: Nico Kurth
Komplett neu sind die interaktiven Räume von „(D)ein Museum“ im Deutschhof. Hier können Besucher sogar ihre eigenen Bilder aufhängen und persönliche Fragen beantworten. Fotos: Nico Kurth  Foto: Nico Kurth

Wie stellen sich Heilbronns städtische Museen für die Zukunft auf? Auf einer Pressekonferenz im Museum im Deutschhof wurden Konzepte vorgestellt. Das Ziel ist, „für möglichst viele aus unserer Bevölkerung Angebote zu schaffen“, sagt Birgit Hummler, stellvertretende Leiterin der städtischen Museen.

Es geht darum, bestehende Zielgruppen zu erhalten und neue zu erschließen, so Hummler. Dabei wollen die Museen auf einen niederschwelligen Zugang für alle setzten. „Das Ziel ist es, Teilhabe und Diversität zu fördern“, betont Pia Emmrich, Ausstellungskoordinatorin der Schau „(D)ein Museum“.

(D)EIN MUSEUM als partizipatives Mitmachangebot 

Aufgabe der Museen sei es, einen Ort zu schaffen, der die Besucher willkommen heißt. „D(ein) Museum“ hat sich dieser Herausforderung gestellt: Im Fokus der Ausstellung steht der Besucher selbst. Durch verschiedene Stationen, an denen Interessierte Fragen zu sich selbst beantworten oder eigene Bilder in die Ausstellung hängen können, wird ein Raum für Partizipation und Kreativität geschaffen. Die Menschen miteinander zu vernetzen, einen Raum zum Kennenlernen zu schaffen, ist der Ausstellungskoordinatorin dabei wichtig.

Die wieder eröffneten Dauerausstellungen „Die Region in erdgeschichtlichen Zeiträumen“ und „Stadtgeschichte(n) aus Heilbronn am Neckar“ sowie die Städtische Kunstsammlung und das Studio Vogelmann haben teils Angebote zum Anfassen, Riechen und Hören, so dass auch hörgeschädigte Menschen und Sehbehinderte an den Stationen mitmachen können. „Jeder möchte Wissen selbst erfahren“, hebt Birgit Hummler hervor. Auch das sei das Ziel hinter den Mitmachstationen und Stationen zum Anfassen.

Die Museen setzten auf Diversität und Inklusion 

Alle Communities, unabhängig von Alter, Sexualität oder Herkunft, sollen an den Ausstellungen und Stationen der Museen teilhaben können. Eine wichtige Zielgruppe heute und in der Zukunft sind Bürger und Bürgerinnen mit Zuwanderungsgeschichte. „Die Gesellschaft ändert sich“, sagt Bürgermeisterin Agnes Christner. Von Bedeutung sei es, sich Themen, die gesellschaftlich diskutiert werden, zu stellen. Eines davon ist der Klimawandel in Folge der Erderwärmung, den die Eiszeitausstellung behandelt. Auch hier gibt es jede Menge zum Anfassen und Mitmachen. Gerade die kleinen Besucher dürften sich hier besonders wohl fühlen. 

Die Frage, wie Themen kulturübergreifend vermittelt werden können, stellt sich auch die Neupräsentation „Silber für die Welt“. Hier habe der Fokus lange auf dem Silber selbst gelegen, erklärt Birgit Hummler. Nun setzt das Museum den Fokus auf die Herkunft des Silbers und stellt das Edelmetall aus verschiedenen Ländern aus. Was die Länder miteinander verbindet: Tisch- und Tafelsilber stehen in vielen Ländern für Luxus und Gastfreundschaft. „Silber ist mit emotionalen, familiären Gefühlen verbunden“, betont Hummler. Nicht zu vergessen, dass sich im 19. und 20. Jahrhundert Heilbronn einen Namen machte als Zentrum der deutschen Silberwarenindustrie.

Museen wohlen einen Wohlfühlort und Mitmachangebote für alle Altergruppen schaffen 

Was insgesamt auffällt im Lauf der Jahre: Eltern gehen nicht mehr selbstverständlich mit ihren Kindern ins Museum, sagt Bürgermeisterin Christner. Die Frage ist also auch, wie Museen kind- und familiengerechter werden können. Hier spielen wieder Kreativ- und Mitmachangebote eine zentrale Rolle. Im Naturbereich gibt es die Möglichkeit, sich auszutoben, indem Tierfiguren verschiedenen Wärmezonen zugeordnet werden. Auch können Kinder Tierfälle anfassen oder eigene Bilder malen. Birgit Hummler schmunzelt und unterstreicht, wie viele Erwachsene diesem Spiel nicht widerstehen können. Für alle Alters- und Herkunftsgruppen sowie Vorlieben ist etwas dabei. Den Blick erweitern, das ist das Ziel der Museumsmacher.

Die Neupräsentation „Silber für die Welt“ zeigt Silber aus Japan, Marokko, Italien und natürlich Kostbarkeiten der Firma „P.Bruckmann & Söhne“.
Die Neupräsentation „Silber für die Welt“ zeigt Silber aus Japan, Marokko, Italien und natürlich Kostbarkeiten der Firma „P.Bruckmann & Söhne“.  Foto: Nico Kurth

Das wird geboten

Das Museum im Deutschhof bietet verschiedene Dauerausstellungen. Hier finden Besucher unter anderem Exponate aus der Städtischen Kunstsammlung, der Natur- und Stadtgeschichte. Der Eintritt für Besucher ist frei. In den verschiedenen Ausstellungen gibt es zahlreiche Mitmachangebote: Die Möglichkeit, eigene Kunst auszustellen, Hörangebote zu nutzen oder Kunst zum Anfassen. Aktuell gibt es zwei Sonderausstellungen, die zeitlich begrenzt sind: Gewalt Krieg Zerstörung, (D)ein Museum - ein partizipatives Mitmachangebot. Das Museum bietet zudem Führungen für Schüler und Schülerinnen an und schafft durch ein bilinguales Angebot einen Raum für möglichst viele Besucher. 

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