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Viel Beifall bei Premiere

Umgeben von Angst und Gier: „Siri und die Eismeerpiraten“ in der Heilbronner Boxx

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Die Inszenierung von Sarah Speiser erzählt rasant und einfallsreich von der Abenteuerreise eines mutigen Mädchens. Die Vorlage stammt von der schwedischen Erfolgsautorin Frida Nilsson.

Romy Klötzel (vorn) ist Siri und auf der Suche nach Schwester Miki, die von gefährlichen Piraten entführt worden ist.
Romy Klötzel (vorn) ist Siri und auf der Suche nach Schwester Miki, die von gefährlichen Piraten entführt worden ist.  Foto: Jochen Klenk

Man muss seinen Namen nur aussprechen, und den Menschen läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Weißhaupt ist der Schrecken der nördlichen Hemisphäre. Erwachsene, die in die Fänge des Piratenkapitäns geraten, haben die Wahl zwischen der Kugel oder sich ihm anzuschließen. Kinder versklavt er und lässt sie in einem Bergwerk für sich schuften. Seine Tochter, so ziehen sich Siri und ihre jüngere Schwester Miki zu Beginn in der Boxx gegenseitig mit Gruselgeschichten auf, soll Diamanten statt Zähne im Mund haben. Denn auch dieser Ruf eilt Weißhaupt und seiner Mannschaft voraus: Sie sind die Reichsten im ganzen Eismeer, in dem das Leben auf den Inseln hart und Armut verbreitet ist.

Als die beiden Mädchen dann Beerenpflücken, geschieht es: Siri muss mit ansehen, wie Weißhaupts Schiff, die Schneerabe, mit Miki verschwindet. „Sie ist fort, finde dich damit ab“, bekommt Siri im Dorf zu hören. Ihr Vater will Miki retten, ist dafür aber zu alt und gebrechlich, weswegen das Vorhaben sein sicherer Tod wäre. Also nimmt die Zehnjährige ihren ganzen Mut zusammen und das Abenteuer seinen Lauf in „Siri und die Eismeerpiraten“, der Inszenierung von Sarah Speiser nach dem Kinderbuch der schwedischen Erfolgsautorin Frida Nilsson.

Ex-Ensemblemitglied Romy Klötzel überzeugt in der Hauptrolle

Nach „Von Maus und Mond“, „Nach vorn, nach Süden“ sowie „Geschichte eines Nein“ erweist sich Speiser mit dieser Regiearbeit für das Theater Heilbronn erneut als unterhaltsame Geschichtenerzählerin. Rasant und einfallsreich führt die Schweizer Regisseurin, Jahrgang 1987, durch diese Reise, auf der Siri unterschiedliche Begegnungen macht: mit Fredrik, dem Schiffskoch, dessen Schwester ebenfalls entführt wurde, mit einer Jägerin von Eiswölfen sowie dem jungen Einar, der seinen Vater verloren hat und nun davon träumt, durch Fischfang zu Wohlstand zu gelangen. Sowie natürlich mit Weißhaupt und seiner Entourage.

Romy Klötzel, ehemals Ensemblemitglied der Boxx, dann im Großen Haus, überzeugt als Gast in der Hauptrolle dieser Produktion. Ihre Siri ist eine ernste Heldin, unbeirrbar und von Schuldgefühlen geplagt. Sie macht sich auf den Weg ohne einen Plan, dafür ausgestattet mit einem klaren moralischen Kompass, wenn es um die Ausbeutung von Mensch und Natur geht. „Die Dinge, die man tut, hinterlassen Spuren. Die guten Dinge hinterlassen gute Spuren, und die schlimmen Dinge hinterlassen schlimme Spuren“, hat sie das Credo ihres Vater verinnerlicht. Mit seiner Haltung hebt sich das Mädchen umso mehr ab von der Angst und Gier, die es umgibt. Wenngleich das Stück immer wieder aufzeigt, dass jede Figur durchaus ihre Gründe hat, so zu handeln, wie sie handelt.

Düstere Szenen und Schreckmomente: Ein Stück für Zuschauer ab neun Jahren

Trotz einer slapstickartigen Episode überwiegen düstere Szenen, auch gibt es den einen und anderen Schreckmoment, weswegen die Macher einen Besuch ab einem Alter von neun Jahren empfehlen. Auch mithilfe atmosphärischer Licht- und Musikeinsätze zeichnen Regie und Ausstattung (Eva Butzkies) eine raue Welt, fein herausgearbeitet werden durch Kulisse, Requisiten und Kostüme die verschiedenen Lebenswelten. Neben Elementen aus dem Figurentheater (Lukas Schneider), die in „Siri und die Eismeerpiraten“ eingeflossen sind, setzt Speiser, die Physical Theatre studiert hat, auf ein körperbetonte Darstellungen, vor allem als auf der Bühne ein Sturm aufkommt.

Gut durchchoreografiert sind auch die flinken Rollenwechsel, die das spielfreudige Ensemble – bestehend aus dem kompletten Boxx-Team mit Sonia Glade, Max Lamperti, Magdalena Lehnen, Chris Carsten Rohmann sowie als weiteren Gast Alexander Rednitz – zu bewältigen hat. Viel Jubel und Beifall bei der Premiere am Sonntagnachmittag nach rund 90 spannenden Minuten.

Weitere Vorstellungen

www.theater-heilbronn.de

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