Kreator rocken die MHP-Arena: Thrash-Metal in Ludwigsburg

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Die deutsche Metal-Legende Kreator präsentiert ihr neues Album in der MHP-Arena in Ludwigsburg und hat einige weitere Legenden für das Vorprogramm eingeladen.

Kreator-Frontmann Mille Petrozza in der MHP-Arena: Es muss stets etwas dämonisch sein.
Kreator-Frontmann Mille Petrozza in der MHP-Arena: Es muss stets etwas dämonisch sein.  Foto: Fritze, Heiko

Wenn Kreator auf Tour gehen, dann hat das seit einiger Zeit den Charakter eines kleinen, reisenden Festivals. Vor eineinhalb Jahren waren die US-Veteranen von Anthrax und von Testament die Begleiter. Zusammen lockten sie gut 5500 Fans in die Schleyerhalle. Diesmal sind die Metal-Ikonen Exodus und Carcass dabei, und auch die Ludwigsburger MHP-Arena ist gut gefüllt.

Kreator in Ludwigbsurg: Laut, schnell und ein wenig schrill

Bereits die Vorband Nails legt fest, wo es langgeht: Laut, schnell und ein wenig schrill kommen die Kalifornier rüber. Dass sie in den Gründungsjahren der drei nachfolgenden Bands wohl bestenfalls schon im Sandkasten spielten, scheint sie nicht zu stören. Das nötige Selbstbewusstsein haben sie. Und da ihre Songs meistens recht kurz sind, reicht es für zwölf Stücke in nicht einmal 45 Minuten.


Exodus greifen dann auf die volle Bandbreite ihres Repertoires zu: Vom Erstling „Bonded by Blood“ haben sie gleich drei Songs ausgewählt, vom gerade erst erschinenen Album „Goliath“ zwei, darunter das – im Vergleich zu den übrigen Songs – deutlich aus dem Rahmen fallende, schleppend-dröhnende Titelstück. Sänger Rob Dukes, erst voriges Jahr wieder eingestiegen, wirkt dabei äußerlich, mit Glatze und grauem Rauschebart, gar nicht mal wie der Frontmann einer Thrashmetal-Band. Die Menge in der Halle hat er aber rasch im Griff, der Saal tobt erschöpfende 45 Minuten lang. 

Die Horror-Deko darf beim Thrash-Metal-Konzert in Ludwigsburg nicht fehlen

Carcass legen dann auf ihre Weise noch einen drauf. Die Briten, deren Sänger Jeff Walker in weißem Hemd, Jeans und mit akkurat gestutztem Bart eher an einen Büroangestellten erinnert, röhren die Halle nieder. Hier ist Death Metal der harten Sorte angesagt, durchsetzt mit einigen melodischeren Stücken. Das Tempo ist zwar gegenüber Exodus etwas reduziert, treibt aber die Menge gleich nach vorne. Dass ausgerechnet eine Band, deren Mitglieder allesamt Vegetarier sind, blutrünstige Texte in die Halle brüllt – geschenkt. 

Hatten die Vorbands auf Effekte weitgehend verzichtet, so gehen Kreator schließlich in die Vollen: Die deutsche Metal-Legende, die voriges Jahr zum 40-jährigen ihres ersten Albums sogar mit einem Kinofilm geehrt wurde, setzt nach wie vor ganz auf Horror-Dekoration: Aufblasbare Dämonen rechts und links, von der Decke baumeln undefinierbare Wesen, die Mikrofonständer sind mit Zombie-Köpfen bestückt, ein Dämon ragt aus dem Bühnenbild. Der Sound ist deutlich besser abgemischt, es wird sogar nochmals lauter als bei den vorherigen Bands.

Mille gibt den Kumpeltyp

Dabei gibt Sänger, Bandleader und Gitarrist Miland „Mille“ Petrozza den Kumpeltyp. Den schwarzen Mantel legt er schon bald ab, um ganz arbeitermäßig mit den Bandkollegen gemeinsam die Songs zu bearbeiten. Das Thrash-Urgestein aus dem Ruhrgebiet, das auch international erfolgreich ist, liefert in 90 Minuten satte 19 Stücke von elf Alben ab – und ein Ständchen: Gitarrist Sami Yli-Sirniö feiert an diesem Tag seinen 54. Geburtstag. 

Reichlich Pyrotechnik, Rauch und Nebel prägen den Auftritt. Und zu „Loyal to the Grave“ vom aktuellen Album „Krushers of the World“ erscheint Mille mit Todesengel-Kostüm. Das wirkt dann doch etwas theatralisch. Aber eine Legende darf das.

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