Thomas Anders über Modern Talking: „Ein Comeback kann ich ausschließen“
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Am 24. März 2026 tritt Thomas Anders in der Liederhalle in Stuttgart auf. Im Interview spricht der ehemalige Modern-Talking-Sänger über die Beziehung zu Dieter Bohlen und Auftritte in Russland.
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Herr Anders, wer nennt Sie eigentlich noch mit Ihrem echten Namen, Bernd Weidung?
Thomas Anders: Wenige Menschen. Eigentlich nur die Familie, die ganz alten Freunde und das Finanzamt. Job und Privatleben haben sich vermischt, es kann sein, dass wenn wir Abends mit Freunden unterwegs sind, dass mich an einem Tisch manche Leute Bernd und manche Thomas nennen. Das ist ziemlich lustig.
Thomas Anders am 24. März 2026 in Stuttgarter Liederhalle: KI-Video und Nostalgie
In einem 2025 veröffentlichten Musikvideo zum Song „Cherokee Highway“ brausen Sie in einem offenen Auto mit Ihrem jüngeren Ich, natürlich mit der berühmten Nora-Goldkette, über den Highway. Ist das Nostalgie oder Reflektion?
Anders: Es ist erstmal eine wunderbare Umsetzung durch KI. Aber das Ganze ist mit Augenzwinkern zu sehen, ganz leicht. Es ist ein Spiel mit dem Damals.
Sie haben, ähnlich wie Popstar Taylor Swift mit einigen ihrer Alben, alle sechs Modern-Talking-Platten aus den 80ern neu aufgenommen. Was war Ihr Antrieb?
Anders: Die Idee kam vor über zwei Jahren. Mit meinem Produzenten habe ich ein wenig rumgesponnen, wie man 2025 das Jubiläum 40 Jahre Modern Talking begehen könnte. Wir wollten nicht das gefühlt hundertste Best-Of-Album machen nur mit einem anderen Foto als Cover. Die Songs sind neu eingesungen, neu produziert, und trotzdem mit den ikonischen Sounds. Ich war anfangs skeptisch, aber alle Alben sind tatsächlich in den Top-Ten gelandet.
„Einen Teebeutel ein drittes Mal in die Tasse zu halten, bringt ja nichts“: Thomas Anders schließt ein Comeback mit seinem ehemaligen Band-Kollegen Dieter Bohlen aus.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Modern Talking neu aufgenommen: Warum Thomas Anders alte Hits für 2025 neu produziert hat
War Dieter Bohlen in die Produktionen involviert?
Anders: Nein, wir hatten ihn angefragt, aber er hatte keine Lust.
Wir gern sprechen Sie über die Beziehung zu Ihrem ehemaligen Bandkollegen Bohlen?
Anders: Es ermüdet. Denn ich kann nur immer wieder sagen: Wir haben keinen Kontakt. Er hat sein Leben, macht sein Ding, und ich meins. Wir waren zusammen Modern Talking, aber bildhaft gesprochen: Wir sind wie ein Ehepaar, das sich scheiden lässt, aber Kinder hat. Die Kinder verbinden einen, aber trotzdem hat man kein gemeinsames Leben mehr. Ein Comeback kann ich auch ausschließen: Einen Teebeutel ein drittes Mal in die Tasse zu halten, bringt ja nichts.
Erfolg und Überforderung in den 80ern: Wie Thomas Anders mit Ruhm und Druck umging
Modern Talking war in den 80ern wahnsinnig erfolgreich. Zu Beginn waren Sie Anfang 20. Waren Sie bereit für das Musikbusiness?
Anders: Jein. Ich war nicht bereit für den Erfolg in dieser Größenordnung. Das war nicht einfach, denn man weiß nicht, was dahinter steckt: die Arbeit, die negativen Seiten, dass man kein Privatleben mehr hat, keine Freizeit. Wir haben permanent gearbeitet. Wir haben im Jahre teilweise zwei Alben und vier Singles mit Musikvideo veröffentlicht. Die zweite Phase von Modern Talking habe ich viel bewusster und mit viel mehr Genuss erlebt. Ich war in den 30ern und konnte anders damit umgehen.
Die Plattenfirma hat ja anfangs gar nicht an Modern Talking geglaubt.
Anders: Richtig, auch nicht an Songs wie „You’re My Heart, You’re My Soul“. Das Lied wurde beiläufig veröffentlicht, nach dem Motto: Wir probieren das mal. In der Plattenfirma hieß es damals: Genießt es, es wird die erste und letzte Nummer Eins eures Lebens sein. Wir waren für die Plattenfirmen ein One-Hit-Wonder. Später haben wir knapp eine viertel Milliarde Umsatz gemacht für den Konzern.
Auftritte in Russland und politischer Wertekompass: Klare Haltung von Thomas Anders
Also blicken Sie gar nicht so nostalgisch auf die 80er zurück?
Anders: Der Mensch tendiert ja immer dazu, die Vergangenheit zu glorifizieren. Und das Heute immer ein wenig zu kritisch zu sehen. Ich lebe immer gerne im Hier und Jetzt. Kommerziell gesehen war die zweite Epoche von Morden Talking sogar noch erfolgreicher.
Zur Person und Karten für das Konzert
Thomas Anders wurde am 1. März 1963 als Bernd Weidung in Mörz in Rheinland-Pfalz geboren. Mit 125 Millionen verkauften Tonträgern als Teil des mit Dieter Bohlen gebildeten Duos Modern Talking gehört er zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Sängern. Die Band hatte Hits wie „You’re My Heart, You’re My Soul“, „Brother Louie“ und „Cheri Cheri Lady“. Am 24. März, 20 Uhr, tritt Anders in der Liederhalle Stuttgart auf. Tickets gibt es unter www.eventim.de.
In der Sowjetunion und in Russland waren und sind Modern Talking schon immer unfassbar beliebt gewesen, regelmäßig waren sie dort auf Tour. Könnten Sie das mit Blick auf die Aktualität noch?
Anders: Ich werde nicht mehr in Russland auftreten, das habe ich direkt nach Kriegsbeginn schon gesagt. Man hat einen Werte-Kompass. Mir tut es leid für die Bevölkerung, die nichts für diesen schrecklichen Angriffskrieg kann, das geht von der politischen Herrschaft aus. Ich würde mich nicht gut fühlen dort aufzutreten. Ich weiß nicht, ob ich das jemals wieder machen kann.
Kritik und Feuilleton: Wie Thomas Anders heute gelassen auf Verrisse reagiert
Modern Talking war für Fans hui – für Kritiker aber oft pfui. Haben Sie sich jemals daran gestört, was das Feuilleton geschrieben hat? Wie „Die Zeit“, die 1998 von „musikalischem Rinderwahnsinn“ schrieb.
Anders: Ich wurde über die Jahre sehr altersmilde. Ich finde, dass sich einige im Feuilleton nicht ganz so wichtig nehmen sollten. Einige wollen intellektuell was ganz besonderes machen. Es kann nicht jeder Modern Talking lieben, und das ist auch völlig in Ordnung.
Was macht die Songs von Modern Talking so erfolgreich?
Anders: Es sind einfach Kinderlieder, die mit dem jeweiligen Zeitgeist hervorragend produziert waren. Sie haben Texte und Refrains, die man leicht mitsingen kann, egal aus welchem Kulturkreis man kommt. Eine komplizierte Melodie zu schreiben, ist tausendmal einfacher, als einen kommerziellen Hit. Als mein Sohn klein war, holte ich ihn einmal aus dem Kindergarten ab. Zwei Kinder sangen vergnügt „Cheri Cheri Lady“. Das war ein Erlebnis, das mir nicht mehr aus dem Kopf ging.
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