Drei Tage Teddy Show in Stuttgart: So war’s beim ersten Auftritt in der MHP-Arena
Comedian Teddy spielt am Wochenende drei Mal im Stuttgarter Stadion. Die Fans erleben eine bombastische Unterhaltungsshow, viel Musik, Teddys berühmte Figuren – und Auftritte von prominenten Gästen. So lief der erste Abend.
Da fehlen sogar Tedros Teclebrhan kurz die Worte, und er unterbricht sein Programm. Spontan hat sich das Publikum in der MHP-Arena dazu entschieden, eine La-Ola-Welle zu starten, die minutenlang durch das ausverkaufte Stadion schwappt. „Macht nur, seid glücklich“, kommentiert der Comedian lapidar und schaut dem Treiben lächelnd einfach mal zu.
Teddy Comedy in Stuttgart: Show mit vollem Körpereinsatz
Tedros Teclebrhan, genannt Teddy, ist einer der erfolgreichsten Comedians in Deutschland, locker kann er inzwischen die ganz großen Locations füllen. Drei Mal tut das der im schwäbischen Mössingen aufgewachsene Komiker am Wochenende in Stuttgart mit seinem Programm „Halb Mensch, halb Disco“. „Hier in Stuttgart hat alles 2012 angefangen“, erklärt der 41-Jährige den 40.000 Fans und blickt damit auf seine Bühnenpremiere zurück. Seinen Durchbruch hatte er eigentlich schon ein Jahr davor, mit einem gespielten Integrationstest, der im Internet viral ging.

Die Show in Stuttgart beginnt schlicht als Stand-Up-Programm vor einem schwarzen Vorhang, entwickelt sich dann aber zusehends zur bombastischen Unterhaltungsshow, zum Popkonzert mit vielköpfiger Band, Background-Sängerinnen und -Tänzern, mit Feuerfontänen und goldenen Funken. Wie man den Humor von Teddy erklären kann? Tiefsinniges Kabarett ist das nicht. Manchmal wartet man auch umsonst auf eine Pointe. Teclebrhan mischt Schwäbisch und Migrantendeutsch, Sätze wie „Was labersch du?“ oder Satzenden mit „weisch“ sind Standard.
Der gebürtige Eritreer verbindet nonchalant Kulturen, hat ein gutes Gespür für Timing, ist mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, blödelt, singt, schauspielert. Vieles wirkt, manches ist improvisiert, manchmal denkt man bei den Gaga-Ausflügen an Helge Schneider. Etwa bei „Flieg, klein Wellensittich“, einem abstrus-sinnfreien Lied, währenddessen tatsächlich eine große grüne Vogel-Drohne über das Publikum fliegt.
Teddy-Show in Stuttgart: Berühmte Figuren wie Percy und Antoine sind mit dabei
Logisch aufgebaut ist das Ganze nicht, showtechnisch durchgetaktet schon. Und trotzdem hat der Abend spontanen Charakter. Auch, weil Teddy immer mal wieder selbst lachen muss, über das, was er gerade wieder von sich gegeben hat. Vor allem funktioniert dieser Humor-Kosmos, weil Teddy ein Figurenkabinett entwickelt hat, das das Publikum ins Herz geschlossen hat. Charaktere, die allein schon frenetisch bejubelt werden, wenn sie nur als Videoeinspieler auftauchen.
Wie Ernst Riedler. Ein alter Mann mit Schnauzer und Schiebermütze, ein Vorzeigespießer und Ausländerfeind, den man trotzdem irgendwie mag. Auch wenn er Ausländer durch die Bank als „Batschaken“ bezeichnet und nach dem Motto lebt: „Kontrolle ist gut, Verachtung ist besser“. Oder Model Percy, mit liebevollem Sprachfehler ausgestattet, der sich ein Wortgefecht mit einem sprechenden Spielzeughamster liefert oder über die Trennung von seiner Freundin Zementa räsoniert. Und eben Antoine Burtz, ein locker-lässiger Vorzeige-Vollprolet, der durch den Rest des Abends führt.
Prominente Gastauftritte bei Teddy in Stuttgart
Mit dabei sind auch einige prominente Gäste: Die Musiker Clueso und Patrice dürfen einen Song performen, dazu kommt Comedian Kaya Yanar. Dessen Auftritt ist die einzige Schwachstelle des Abends, nimmt er doch viel zu viel Raum ein und schwankt unkoordiniert zwischen eigenem Solo-Programm und überschwänglichem Lob für Teclebrhan. Nach drei Stunden inklusive Pause endet die Show mit einem großen Feuerwerk. Muss ja auch gigantisch enden, weisch?

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