Stimme+
Preisverleihung im Oktober
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Studenten-Oscar: Ludwigsburger Filmstudent unter Gewinnern

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Für seinen animierten Kurzfilm „A Sparrow’s Song“ wird Tobias Eckerlin mit einem Studenten-Oscar ausgezeichnet. Worum es im Film geht, wie der Regisseur auf die Idee kam und wie es für ihn nun weitergeht, erzählt der gebürtige Schwetzinger im Gespräch. 

Im Film „A Sparrow’s Song“ von Tobias Eckerlin, der während des Zweiten Weltkriegs spielt, will eine verwitwete Luftschutzwartin einen verletzten Spatz retten.
Im Film „A Sparrow’s Song“ von Tobias Eckerlin, der während des Zweiten Weltkriegs spielt, will eine verwitwete Luftschutzwartin einen verletzten Spatz retten.  Foto: Filmakademie Baden-Württemberg

Der Oscar-Gewinn kam für Regisseur Tobias Eckerlin in vielerlei Hinsicht überraschend. „Es war ein Zoom-Call angekündigt für alle Nominierten, dann waren aber nur die Gewinner-Teams dabei. Es hat einen Moment gedauert, bis ich es realisiert hatte, die Verkündung sollte eigentlich viel später kommen“, sagt der Filmemacher, der für seinen knapp zehnminütigen Streifen „A Sparrow’s Song“, sein Diplomfilm an der Filmakademie in Ludwigsburg, bei den Studenten-Oscars in der Sparte „Animation“ ausgezeichnet wurde.

„Ziemlich unwirklich“ habe sich die Zeit nach der Bekanntgabe angefühlt, sagt Tobias Eckerlin am Telefon. „Es gab viele positive Resonanz, das ist überwältigend und ein echt tolles Erlebnis.“ Die Idee kam dem Filmakademie-Absolventen durch die Illustration eines toten Vogels. „Das klingt morbide, es ist aber ein sehr poetisches und melancholisches Bild. In der Kunstgeschichte ist der Vogel ein oft verwendetes Motiv, er repräsentiert die Seele.“

Oscar-Gewinner: Regisseur Tobias Eckerlin wurde in Schwetzingen geboren und lebt aktuell in Ludwigsburg.
Oscar-Gewinner: Regisseur Tobias Eckerlin wurde in Schwetzingen geboren und lebt aktuell in Ludwigsburg.  Foto: Filmakademie Baden-Württemberg

Film „A Sparrow’s Song“: Inspiriert durch ein Tagebuch

Bei seiner Recherche stößt Eckerlin auf das Tagebuch von Clare Kipps (1890-1976), einer britischen Musikerin, Hobbyornithologin und während des Zweiten Weltkriegs Angehörigen des Zivilschutzes. Eine Ausgabe davon bestellt er sich in einem Online-Antiquariat in London. Das Tagebuch wird Inspiration für den Animationsfilm, der auch während des Zweiten Weltkriegs in London spielt. Eine verwitwete Luftschutzwartin begegnet einem verletzten Spatzen, den sie retten möchte. Ihr Klavierspiel wird dabei zur gemeinsamen Sprache.

„Mich hat das Tagebuch emotional total mitgenommen. Dass eine Frau in so einer globalen Krise sich um so etwas Kleines wie einen Spatz kümmert, sie so viel Gutes für die Mitmenschen bringt“, sagt Eckerlin – ein Zeichen von Menschlichkeit in düsteren Zeiten.

Drei Jahre hat Tobias Eckerlin an seinem Film "A Sparrow's Song" gearbeitet.
Drei Jahre hat Tobias Eckerlin an seinem Film "A Sparrow's Song" gearbeitet.  Foto: Filmakademie Baden-Württemberg

Der Regisseur hat viel recherchiert, „man will diesem Thema ja gerecht werden“. Aber er betont, dass der Film nur inspiriert ist von den wahren Begebenheiten, nicht „eins zu eins“ wird etwas Biografisches abgeklopft. „Ich glaube, Clare Kipps war jemand, der nicht groß im Vordergrund stehen wollte. Das Tagebuch fokussiert sich fast vollends auf das Tier, es ist eine hobby-ornithologische Beschreibung. Ich wusste aber sofort, dass die Geschichte erzählenswert ist.“

Wie es weitergeht: Filmfestivals und Preisverleihung

Tobias Eckerlin, Jahrgang 1993, wurde in Schwetzingen geboren, studierte zunächst Kommunikationsdesign an der Technischen Hochschule Mannheim, bevor er sein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg fortsetzte. Dort entstand über drei Jahre mit einem über 50-köpfigen Team der Film. „A Sparrow’s Song“ soll jetzt auf einigen Festivals laufen.

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Und dann ist da ja noch die Verleihung des Studenten-Oscars in New York am 6. Oktober. Neben „A Sparrow’s Song“ gibt es in der Kurzfilm-Sparte „Animation“ noch zwei weitere Gewinnerfilme von Hochschulen in Frankreich und den USA. Die Reihenfolge Gold, Silber oder Bronze wird erst bei der Verleihung bekannt gegeben. Alle Preisträger können mit ihren Filmen auch in den Kurzfilm-Sparten beim „richtigen“ Oscar-Wettbewerb 2026 mitmachen.

Die Auszeichnungen

Mit den Studenten-Oscars ehrt die Akademie seit 1972 Auslands-Regisseure und junge Talente von US-Filmhochschulen. Der Studenten-Oscar hat sich als Sprungbrett für eine Hollywood-Karriere erwiesen. Regisseure wie Spike Lee („Malcolm X“), Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“) und Cary Fukunaga („Keine Zeit zu sterben“) zählen zu früheren Preisträgern. Es werden Preise in den Kategorien Experimentalfilm, Animation, Dokumentarfilm und Spielfilm vergeben. 

Nach oben  Nach oben