Schweißtreibendes Clubkonzert: Auftritt von Ignite in Heilbronn
Am Mittwoch spielen die Melodic-Hardcore-Urgesteine Ignite in der ausverkauften Maschinenfabrik Heilbronn. Ein Abend mit hohen Temperaturen und deutlichen Worten.

Wie ersetzt man einen Sänger, der eine Band über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt hat, dessen melodiöse Stimme eine wirklich große Bandbreite abdeckt? Als Zoli Téglás sich im Jahr 2020 entscheidet, die Band Ignite zu verlassen, befinden sich die restlichen Mitglieder in einer prekären Lage. Findet man jemand mit ähnlicher Stimmfarbe, der in die großen Fußstapfen der US-amerikanischen Melodic-Hardcoreband treten kann? Die Wahl fiel auf Eli Santana, der zwar in einer vergleichbaren Tonlage unterwegs ist, aber trotzdem eigene Akzente setzt. Am Mittwochabend spielen Ignite mit Santana am Mikrofon ein ausverkauftes Konzert im Club der Maschinenfabrik Heilbronn.
Ignite sind Urgesteine der Hardcoreszene, gegründet 1993 in Orange County, Kalifornien. Passend dazu und wohl auch, um den kürzlich verstorbenen Beach Boy Brian Wilson zu ehren, wabert zum Einstieg der Song „California Girls“ aus den Lautsprechern. Viel Anlauf braucht das Quartett nicht, hier hat eine Band mehr als 30 Jahre Erfahrung auf dem Buckel. Die Lieder von Ignite dauern zwischen zwei und drei Minuten, sind schnell, dynamisch, melodiös. Treibende Gitarrenriffs treffen bei den US-Amerikanern auf galoppierendes Schlagzeugspiel, die druckvollen Strophen entladen sich in harmonischen Refrains mit Mitsingcharakter.
Ignite spricht sich gegen Rassismus und Faschismus aus
Bei Temperaturen von noch über 30 Grad wird der intime Abend schnell zu einer schwitzigen, kleinen Clubshow, die die Band bewusst zwischen Festivalauftritte auf größeren Bühnen gelegt hat. „Diese Shows sind der Grund, warum wir weiter machen. Sie sind unsere Batterie“, erklärt Gitarrist Nik Hill. Diese Worte der Dankbarkeit und Verbundenheit wirken nicht aufgesetzt.
Ignite war von Beginn an eine politische Band, die sich für Umweltschutz und wohltätige Organisationen einsetzt. Auch in Heilbronn spricht man sich mit deutlichen Worten gegen Rassismus, Faschismus und Bigotterie aus. Predigt Zusammenhalt. Die Texte von Ignite sind weit weg von Plattitüden-Drescherei, soziale Themen werden auf den Punkt gebracht: „Run“ dreht sich um Gewalt in der Familie, „Veteran“ um Armut und das schwierige Krankenversicherungsprogramm der USA. Der Song „This Day“ spuckt wütend Gift und Galle, „On The Ropes“ ist ein persönlicher Song über frustrierende Zeiten und tägliche Kämpfe.
Bei den irischen Rockgiganten von U2 bedient man sich für ein Cover, aus dem Protestsong „Sunday Bloody Sunday“ stricken Ignite einen kratzbürstigen Ableger. Inspiriert ist der Song vom Vorfall, als an einem Sonntag im Januar 1972 das Militär in der irischen Stadt Derry das Feuer auf unbewaffnete Menschen bei einem Bürgerrechtsmarsch eröffnete. Mit dem ruhigen „Live For Better Days“ entlassen Ignite die glücklichen Fans nach 60 intensiven Minuten in die Nacht. Dazu ein Lob und eine gute Nachricht: „Wir werden weiter Songs schreiben und Shows spielen, solange ihr zu den Konzerten kommt.“

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