Konzert in Stuttgart
Samstag, 5. Oktober, 20 Uhr, Liederhalle. Eintrittskarten ab 36,50 Euro in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme und unter www.eventim.de.
Mit „Jungle Drum“ gelang Emilíana Torrini 2009 ein Welthit. Nun ist mit „Miss Flower“ ihr neues Album erschienen, am 5. Oktober spielt die Sängerin ein Konzert in Stuttgart. Im Interview spricht die 47-Jährige über Vergleiche mit Björk und frühe Erinnerungen an Deutschland.

Frau Torrini, glauben Sie an die wahre Liebe?
Emilíana Torrini: Ich glaube an viele Arten von Liebe. Und wenn man wirklich liebt, dann ist diese Liebe auch immer wahrhaftig.
Die Frage bezieht sich auf Ihr neues Album „Miss Flower“, auf dem Sie die Geschichte der bereits verstorbenen Mutter einer guten Freundin skizzieren – anhand von auf dem Dachboden gefundenen Liebesbriefen. Erzählen Sie uns mehr über Geraldine Flower.
Torrini: Sie war eine außergewöhnliche Person, und ich bin froh, dass ich ihr durch diese Briefe so nah sein konnte. Als Geraldine gestorben ist, habe ich ihre Tochter Zoe besucht. Wir saßen auf dem Boden und sind die Briefe durchgegangen. Dann kam die Idee auf, aus diesen Briefen Lieder zu entwickeln. Es ist wahnsinnig spannend, was wir durch die Korrespondenz erfahren haben: Geraldine bekam neun Heiratsanträge, hat aber nie geheiratet. Viele Männer waren verrückt nach ihr. Sie war eine unglaublich starke, unabhängige Frau, ein sehr sinnlicher Mensch, eine gute Geschichtenerzählerin, die sehr inspirierend war für die Menschen um sie herum. Für mich wurde sie zur Muse.
Hatten Sie keine Angst, zu sehr in ihre Privatssphäre einzudringen?
Torrini: Nein. Geraldine hätte das gefallen, und ich stand während des ganzen Prozesses immer in Kontakt mit ihrer Tochter. Ich habe Geraldine kennengelernt und eine Verbindung zu ihr gespürt. Sie hatte eine gewisse Punkattitüde, frech und intelligent, sie hätte sich gefreut, dass wir ihre Geschichte erzählen.
Sie kommen aus Island und haben sich immer ein wenig geärgert, wenn Vergleiche zur bekannten Pop-Avantgardistin Björk kamen. Heute gehen Sie entspannter damit um?
Torrini: Ja. Ich finde es gut, dass Island und die Musik aus Island inzwischen weltweit Beachtung finden. Als ich aufgewachsen bin, war das noch nicht der Fall. Björk ist die bekannteste Musikerin aus Island. Was mich damals geärgert hat, waren beispielsweise Fragen danach, warum ich wie sie spreche oder singe. Nun, es gibt ein ganzes Land voller Menschen, die diesen Akzent haben, wenn sie Englisch sprechen. Ich habe da schon eine gewisse feindselige Stimmung gespürt gegenüber neuen isländischen Künstlern. Klar, das hat auch ein wenig Druck aufgebaut. Ich habe deshalb nie mit den gleichen Leuten wie Björk zusammengearbeitet.
Als Teenager haben Sie oft Ihren Onkel im hessischen Mörfelden-Walldorf besucht. Welche frühen Erinnerungen haben Sie an Deutschland?
Torrini: Ich habe dort sogar ein Jahr lang gelebt und war dann jeden Sommer für drei Monate vor Ort. Ich war viel mit dem Fahrrad unterwegs, bin sehr oft ins Schwimmbad. Wir haben Apfelwein getrunken und Spaghetti-Eis gegessen. Es war spannend, ein Land zu entdecken, das so anders ist als Island.
Apropos anders. Ihr Vater ist Italiener, Ihre Mutter Isländerin.
Torrini: Die Mischung ist sehr komplex (lacht). Ich schätze mich aber glücklich, mit zwei Kulturen aufgewachsen zu sein. Man lernt dadurch sehr schnell Toleranz, dass Menschen unterschiedlich sind, und dass das etwas Gutes ist. Als mein Vater aus Italien nach Island kam, musste er sich in vielen Dingen umstellen. In Island grüßen sich Männer mit Handschlag, in Italien gibt man sich ein Küsschen auf die Wange. In Italien trinkt man unter der Woche schon mal Wein, in Island eher nicht. Es gibt einen Mentalitätsunterschied, ohne Frage.
Zurück nach Deutschland. Ihr erster Hit „Jungle Drum“ belegte 2009 Platz eins der Charts in der Bundesrepublik und lief in Dauerschleife im Radio. Wie blicken Sie heute auf das Lied?
Torrini: Ich gebe zu, dass ich manchmal denke: Oh Mann, jetzt muss ich dieses Lied schon wieder singen. Aber wenn ich es dann singe, dann durchströmt mich ein Gefühl von Freude und Spaß. „Jungle Drum“ hat mir sehr viele Türen geöffnet, es hat mir finanziell erlaubt, mich nach der Geburt entspannt um meine Kinder zu kümmern.
Jetzt leben Sie schon eine ganze Weile in Brighton in Großbritannien. Hat Sie der Hype um die Oasis-Reunion auch angesteckt?
Torrini: Waren die jemals getrennt (lacht)? Ich kenne mich mit der Bandgeschichte von Oasis überhaupt nicht aus, aber ich freue mich für sie. Meine Kinder bestimmen ein wenig, welche Musik ich höre. Mit meinem Sohn plane ich gerade eine Art Musikraum, in dem wir Schallplatten hören können. Besonders angetan haben es uns Live-Konzert-Platten, beispielsweise von Bill Withers in der Carnegie Hall.
Samstag, 5. Oktober, 20 Uhr, Liederhalle. Eintrittskarten ab 36,50 Euro in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme und unter www.eventim.de.
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