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Renommierte Wissenschaftler und Autoren Unter der Pyramide in Heilbronn

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Claus Leggewie, Ingo Schulze, Herfried Münkler, Anders Levermann: Hochkarätige Referenten diskutieren in Heilbronn im Rahmen der Europa-Reihe von Literaturhaus und Kreissparkasse.

Politologe Claus Leggewie
Politologe Claus Leggewie  Foto: Georg Lukas

Mit vier renommierten Wissenschaftlern und Autoren setzt das Literaturhaus Heilbronn in Kooperation mit der Kreissparkasse ab Herbst seine Vortrags- und Diskussionsreihe zu Europa fort.

Waren 2021 und 2022 mit der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, dem Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht, dem Publizisten Navid Kermani sowie dem Osteuropahistoriker Karl Schlögel international anerkannte Vertreter ihres Fachs zu Gast Unter der Pyramide der KSK – Schlögel erhält im Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels – kommen im November und Anfang 2026 Claus Leggewie, Herfried Münkler, Ingo Schulze und Anders Levermann nach Heilbronn.

„Wendezeiten – Europäische Perspektiven im Lichte neuer globaler Herausforderungen“

„Wendezeiten – Europäische Perspektiven im Lichte neuer globaler Herausforderungen“ lautet der Titel der Reihe, die uns thematisch alle angeht. Womit Thomas Braun, Geschäftsführer der Kulturstiftung der Kreissparkasse Heilbronn, auch das Engagement seines Hauses begründet. Mit einer fünfstelligen Summe im unteren Bereich finanziert die KSK die Veranstaltungen: bei freiem Eintritt für die Besucher.

Die gute Resonanz vor vier Jahren bestätigt Braun in seinem Urteil: „Hier in Heilbronn, wenn wir ein bisschen kitzeln, kommt mehr.“ Und: „Wenn wir solche ausgewiesene Namen gewinnen, zeigt das, wie attraktiv Heilbronn sein kann. Es gibt hier eine  intellektuelle Klientel, viel größer, als wir unterstellen. Und es werden mehr. Wir sehen das bei den Veranstaltungen, die wir unterstützen“, äußert sich Braun zur sozialen Veränderung der Stadt – mit Blick auf Experimenta, Ipai und „den Strauß an Hochschulen“.

Ob diese Klientel in Heilbronn wohnen wird, sei dahingestellt.

„Vielfalt ist kein Gut an sich“

Wie schwer ist es, Referenten dieser (Preis)Klasse zu gewinnen? Nicht einfach, weiß Literaturhauschef Anton Knittel und nennt die dicht getaktete Agenda der Angefragten. Aber auch, dass die Location Unter der Pyramide mit 180 Veranstaltungen im Jahr nicht immer zu haben ist. Keine einzige Frau dabei? „Es hat sich nicht ergeben“, bedauert Knittel. Claus Leggewie, Politikwissenschaftler, Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale  Politik, Autor und Publizist, macht am 28. November den Anfang und spricht unter dem Schlagwort „Vielfalt ist kein Gut an sich“ über die Herausforderungen Europas und den Spaltpilz des Nationalismus. Und darüber, dass sich die Europäische Union in geopolitisch turbulenten Zeiten nicht auf der vielbeschworenen kulturellen Vielfalt ausruhen kann und darf.

„Es gibt hier in Heilbronn eine intellektuelle Klientel.“  Thomas Braun, KSK

Herfried Münkler hat sich neben seiner Arbeit über Niccolò Machiavelli mit den Studien „Die neuen Kriege“ und „Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten“ einen Namen gemacht. Der mit Iring Fetscher herausgegebene Sammelband „Pipers Handbuch der politischen Ideen“ gilt als Standardwerk zur Ideengeschichte. Allein die Titel seiner jüngsten Bücher – „Welt in Aufruhr. Die Ordnung der Mächte im 21. Jahrhundert“  und „Macht im Umbruch. Deutschlands Rolle in Europa und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“ treffen ein Kernproblem unser Zeit und Demokratie. Am 6. Februar 2026 spricht er Unter der Pyramide zu „Der Wettstreit der Systeme. Europa, die USA und die Autokratien des Ostens“.

Ohne Nachwendeweinerlichkeit

Ingo Schulze, Schriftsteller, gebürtiger Dresdner und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung,  wurde 1998 mit „Simple Storys“ bekannt, einer Sammlung Wende-Geschichten aus dem thüringischen Altenburg ohne Nachwendeweinerlichkeit. Sein Roman „Adam und Evelyn“ über die Beziehungskrise eines Paars im Spätherbst 1989 verbindet das Private mit dem Politischen und dem sich anbahnenden Untergang der DDR und wurde 2018 verfilmt. 2020 erscheint der Roman „Die rechtschaffenen Mörder“. Unter der Pyramide ist er am 6. März zu Gast.

Die Reihe „Wendezeiten – Europäische Perspektiven im Lichte neuer globaler Herausforderungen“ diskutiert die Zukunft Europas in turbulenten geopolitischen Zeiten, Machtverschiebungen und klimapolitische Einschnitte . Anmeldung für den ersten Vortrag, Eintritt frei, ab 10. Oktober: www.pyramide.hn

Am 27. März spricht Anders Levermann in Anlehnung an seinen jüngsten Buchtitel über „Die Faltung der Welt. Wie die Wissenschaft helfen kann, dem Wachstumsdilemma und der Klimakrise zu entkommen“. Levermann, Jahrgang 1973 und somit der Jüngste im Bunde, Physiker und Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und dem Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York, ist Professor für die Dynamik des Klimasystems und seit 2004 Koautor des UN-Weltklimarats (IPCC), der 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Ob die Reihe fortgesetzt wird? Die KSK-Kulturstiftung, signalisiert Thomas Braun, ist an der Kontinuität dieser Art gesellschaftlich relevanten Diskurses interessiert. Anton Knittel dürften die Ideen dazu nicht ausgehen.

Politikwissenschaftler Herfried Münkler
Politikwissenschaftler Herfried Münkler  Foto: Rolf Vennenbernd
Klimaforscher Anders Levermann
Klimaforscher Anders Levermann  Foto: Mathias Bothor
Schriftsteller Ingo Schulze
Schriftsteller Ingo Schulze  Foto: Gaby Gerster
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