Psychologe Windscheid über den Wahnsinn des Perfektionismus
In der Harmonie spricht Leon Windscheid humorvoll und kritisch über Perfektionismus und Selbstbilder unserer Zeit. Wie er es schafft, für zauberhafte Momente zu sorgen.

Als Autor und Psychologe Leon Windscheid am Mittwochabend auf die Bühne der Harmonie in Heilbronn tritt, sind die Reihen gefüllt und das Klatschen nicht zu überhören. Das Motto des Abends: „Lehnt euch zurück, entspannt euch.“ Es wird gepfiffen und die Show mit bunter Beleuchtung, stimmungsmachender Musik und Pyrotechnik eröffnet.
Sofort bringt der 36-Jährige die Menge mit politischer Satire und verschiedenen Sketchen zum Grölen und Lachen. Gesellschaftskritisch und selbstironisch, mit einer großen Portion Humor greift Windscheid das Thema Perfektionismus und Idealvorstellungen unserer Gesellschaft auf. Windscheid möchte dabei deutlich machen, worum es geht: Dass wir nie gut genug sind, dass wir immer schneller, besser, höher sein sollen. „Eine Welt, die zu oft zu viel will.“ Eine Welt, in der „aus dem Wunsch heraus, perfekt sein zu wollen, Druck entsteht“, ist die Erfahrung des Psychologen.
Wie Psychologe Leon Windscheid das Publikum einfängt
Mit Mitmachaufgaben fängt Windscheid das Publikum ein. Die Halle wird hell erleuchtet, und seine Fans sollen zu persönlichen Fragen, die auf sie zutreffen, aufstehen. Auch hier ist das Lachen nicht zu überhören. Während Windscheid spricht, schauen sich Einzelne im Publikum gespannt um, tauschen Blicke aus, machen Bewegungen mit ihren Armen.
Die Bewegung ist zuvor mit einem Teil des Publikums abgesprochen: Wenn Leon Windscheid aus dem Wasserglas trinkt, sollen sie mit den Armen winken. Und: Es funktioniert. Die anderen passen sich an. Da wird deutlich, welche Wirkung das Handeln der Masse auf das Individuum hat. Stichwort Gruppendynamik, Anpassung und das Gefühl von sozialer Zugehörigkeit gehen.
Wie Leon Windscheid den Zuhörern Mut macht
Windscheid geht auf die „Angst vor der Angst“ ein. Er spricht davon, wie schwer es ist, neue Perspektiven und Wege für das eigene Leben einzuschlagen. Zudem möchte er aufzeigen, dass es Überwindung kostet, aus herrschenden Strukturen der Gesellschaft auszusteigen und Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen. Doch Windscheid macht den Zuhörerinnen und Zuhörern des Abends auch Mut: Hinter jeder Veränderung stecke ein Prozess. Veränderungen entstehen nicht über Nacht, das sei okay, betont er.
Weitere Themen des Abends? Coping-Strategien und verinnerlichte Glaubenssätze. Psychologieinteressierte dürften ihre helle Freude haben. In der Pause gibt es die Möglichkeit, Bücher und Fankleidung zu kaufen oder die Inhalte erst einmal sacken zu lassen.
Am Ende gibt es einen intimen Gänsehautmoment
Highlight der Show: Der Handy-Taschenlampen-Moment, als eine Frau aus dem Publikum tritt und die Möglichkeit erhält, an diesem Abend jemanden vor große Menge kennenzulernen. Als die beiden vermeintlich Fremden sich dann auch noch küssen, ist die Freude im Publikum und das Mitfiebern nicht zu übersehen.
Ob der Kuss geplant oder echt war, bleibt ein Geheimnis.
Stimme.de