Powerwolf in Stuttgart – Wenn die Werwölfe die Bühne entern
Powerwolf spielen ein Konzert in der fast ausverkauften Schleyerhalle in Stuttgart. Die Pyroshow kommt dabei fast an jene von Rammstein heran.

Eigentlich sind sie ja gar nicht so. Weder ist Attila Dorn Rumäne noch trägt er überhaupt diesen Namen. Und auch der Rest der Truppe stammt nicht aus Transsylvanien, sondern aus einem der katholischsten Bundesländer überhaupt, dem Saarland, und hat einst als deutsche Grunge-Hoffnung begonnen.
Seit 2003 aber mischen Powerwolf die Massen mit melodischem Powermetal, einem gewissen mystisch-klerikalem Touch und einem Sänger mit erstaunlicher stimmlicher Bandbreite auf. Mit Erfolg: Die Stuttgarter Schleyerhalle ist mit knapp 11.000 Besuchern nahezu ausverkauft. Zum Vergleich: 2022 zogen Powerwolf an gleicher Stelle erst 6000 Leute an.
Powerwolf-Konzert in Stuttgarter Schleyerhalle: Als Gesamtpaket einzigartig
Der Erfolg des Quintetts wird rasch nachvollziehbar: eine opulente Bühnenshow, in der es ständig lodert, finstere Bischöfe um die Ecke blicken und Werwölfe die Zähne fletschen. Ausgefeilte Melodien, die sich trotz ihrer Wurzeln im traditionellen Metal nie in ewig langen Gitarrensoli verlieren. Und Sänger Attila Dorn, bürgerlich Karsten Brill und aus dem 7000-Einwohner-Örtchen Bous an der Saar stammend, deutet mehrfach an, dass er eine klassische Gesangsausbildung genossen hat. Als Gesamtpaket sind Powerwolf einzigartig, meilenweit den Mystik- und Wikinger-Combos wie Sabaton enteilt.
Powerwolf in Stuttgart: Eine Pyroshow, die jener von Rammstein nahekommt
Die Massen fordern indes immer mehr. 19 Songs in gut zwei Stunden, ein bestens aufgelegter Sänger, der regelmäßig die Fans einbindet und zu den üblichen Gesangs- und Jubelspielchen animiert – das ist der Standard. Mittlerweile haben Powerwolf Leinwände angeschafft, um bei solchen Besuchermassen auch den hinteren Rängen mehr als nur stecknadelkopfgroße Umrisse zu bieten.
Die Pyroshow ist so sehr erweitert worden, dass sie bereits jene von Rammstein aus ihrer soeben beendeten Stadiontour übertrifft, jedenfalls was die Zahl der Songs mit Feuer-Effekten angeht. Dorn kommt einmal sogar, Lindemann-like, mit zwei Flammenwerfern auf die Bühne. Und immer wieder werden Showelemente für nur einen Song aufgebaut – die Flammenorgel, der Scheiterhaufen, brennende Ölfässer. Es darf eben auch mal nicht so ganz mittelalterlich sein.
Powerwolf haben den vorläufigen Höhepunkt erreicht. Ihr Metal ist familientauglich, wirkt trotz rasender Gitarren und Drums ebenso wenig abstoßend wie die Show. Die Werwölfe begeistern sichtlich viele Jugendliche. Nach 21 Jahren auf Tour haben die Saarländer einen Weg gefunden, den Nachwuchs zum Metal zu bekehren.


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