1979 in Neapel geboren, studiert Vito Priante neben seiner Gesangsausbildung französische und deutsche Literatur an der Universität seiner Heimatstadt. 2002 debütiert er in Pergolesis „La serva padrona“ am Teatro Goldoni in Florenz. Priante gilt als Referenzinterpret der Mozart-da-Ponte-Trilogie und vertritt auch weltweit Rossinis Repertoire. Im Konzertbereich singt Vito Priante Beethoven, Bach, Fauré und Orff.
Ohrwürmer aus italienischen Opern und mehr
Wie der kurzfristig eingesprungene Bassbariton Vito Priante mit den Würth Philharmonikern beim Neujahrskonzert im Carmen-Würth-Forum Künzelsau das Publikum um den Finger wickelt.

Flexibel müssen Künstler sein, auch mal an Feiertagen einspringen. Wir wissen nicht, wie das Neujahrskonzert der Würth Philharmoniker mit Nicola Alaimo geklungen hätte. Mit dem für den Erkrankten kurzfristig angereisten Bassbariton Vito Priante aber wird der Dreikönigstag im Carmen-Würth-Forum zum Genuss.
Priante singt an den renommierten Opern- und Konzerthäusern in Europa und Nordamerika sowie bei bedeutenden Festivals. Für seine Interpretation des Leporello in Mozarts „Don Giovanni“ unter Theodor Currentzis wurde er mit dem Opera Award des BBC Music Magazine ausgezeichnet. Dabei ist dem versierten Interpreten der Mozart–da- Ponte-Trilogie das Rossini-Repertoire ein weiterer Schwerpunkt. Sein Figaro aus „Il barbiere di Siviglia“ hat ihn um die ganze Welt geführt – und nun nach Künzelsau.
Eine launige „Fledermaus“
Mit Ohrwürmern aus italienischen Opern, aber nicht nur, spielen sich die Würth Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Andriy Yurkevych ins junge Jahr und starten fast schon mit einem Klischee. Mit der Ouvertüre zu „Die Fledermaus“ von Johann Strauss. Feinsinnig mitreißend gestaltet das Orchester das launige Stück, in dem der Walzerkönig die Höhepunkte des gesamten Werkes bündelt.
Nachgerade ein Welthit ist die so hinreißende, fordernde Arie „Madamina, il catalogo è questo“ des Leporello aus „Don Giovanni“, eben jener Part, mit dem Vito Priante unter anderem bei den Salzburger Festspielen brillierte. Die Register-Arie des treuen Dieners Don Giovannis über dessen unzählige Liebesaffären nimmt Priante mit forscher Leichtigkeit und einem Tempo, dem die Musiker kaum hinterherkommen. Wie sehr Priante Mozarts Da-Ponte- Opern liegen, spürt man bei der folgenden Arie „Non più andrai“ des Figaro aus „Le Nozze“, Orchester und Solist harmonieren immer stärker.
Ein Schlitzohr im besten Sinne
Sehr dynamisch im Sinne des italienischen Komponisten und mit einem Trommelwirbel zu Beginn geht es weiter mit Gioachino Rossini. Die Ouvertüre „La gazza ladra“ gelingt als Musterbeispiel für sich steigernde Dynamik. „La calunnia è un venticello“, die Verleumdung ist ein Lüftchen, bringt Priante in der Arie des Basilo aus „Il barbiere di Siviglia“ nonchalant auf den Punkt, was den Zauber Rossinis ausmacht. Mit „Largo al factotum“, der Cavatina des Figaro, dieser besonderen Auftrittsarie aus besagter Oper, hat der gebürtige Neapolitaner das Publikum schließlich gewonnen. Darstellerisch ein Schlitzohr im besten Sinne und mit routiniert souveränem Bariton, lässt er den Saal jubeln.
Nach der Pause dann noch einmal Rossini. Mit ruhiger Hand, bestimmt und konzentriert angespannt, führt Andriy Yurkevych – Musikdirektor der Polnischen Nationaloper in Warschau und Opernfreunden aus der Region als Gast an der Staatsoper Stuttgart bekannt – die temperamentvollen Würth Philharmoniker. Treibt sie an, bremst.
Knifflige Arien und spannungsreiche Wechsel
Auf die Ouvertüre zu „Guglielmo Tell“ folgt die knifflig arrangierte Arie „Resta immobile“ des Titelhelden, in der Priante als anrührender Vater den Sohn zum Stillehalten auffordert. Anrührend die spannungsreichen Wechsel zwischen Cellisten und Kontrabassisten, Streichern und Bläsern – und immer wieder zum Kontrast ein Tutti.
Gaetano Donizettis „Bella siccome un angelo“ aus „Don Pasquale“ darf bei Höhepunkten aus italienischen Opern nicht fehlen. Und vor allem nicht Giuseppe Verdi. Beeindruckend gestaltet das Orchester die greifbar ansteigende Dramatik der Ouvertüre zu „I vespri siciliani“, die Rhythmuswechsel hin zum markanten Auftrumpfen der Schlaginstrumente. Der anschließenden, raumfüllenden Arie des Giorgio Germont aus „La Traviata“ folgt die Arie „Credo in un Dio crudel“ des Jago aus „Otello“. „Eine ganz andere Stimmung jetzt“, kokettiert Vito Priante, eben „Jago, der Böse“.
Einen wogenden Klangteppich webt das Orchester aus Giacomo Puccinis Intermezzo aus der romantisch-veristischen Oper „Manon Lescaut“. Bevor der Gastsolist sich mit „My Way“ voll Hingabe verabschiedet, noch einmal zu einer Zugabe hereingeklatscht wird. Und die Würth Philharmoniker dem beseelten Publikum Strauss’ Radetzky-Marsch mit auf den Weg geben.

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