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Musik verbindet, Özdemir guckt Kunst, Engler liest

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Was am Wochenende ansteht und warum man zu Hause in Ruhe ein wirklich fantastisches Buch lesen sollte.

Musizieren schafft Gemeinschaft: Der Heinrich-Schütz-Chor Heilbronn in der Kilianskirche, kommenden Sonntag ist er dort wieder zu erleben.
Musizieren schafft Gemeinschaft: Der Heinrich-Schütz-Chor Heilbronn in der Kilianskirche, kommenden Sonntag ist er dort wieder zu erleben.  Foto: Archiv/Seidel

Es soll nicht wenige Menschen geben, die, ohne selbst religiös zu sein, sich emotional tief berühren lassen, wenn Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion erklingt. Die Johannes-Passion, die früheste der heute bekannten Passionsmusiken Bachs, gehört zu den beliebten Werken der – wie der Name sagt – Passionszeit der christlichen Kirchen. Den Wochen zwischen Aschermittwoch und Karfreitag beziehungsweise Karsamstag. Ein monumentales Werk, das vor Ostern auch in der Region aufgeführt wird.

Von der Kraft des Musizierens in der Gemeinschaft

Gestalteten im vergangenen Jahr der Bach-Chor der Kilianskirche gemeinsam mit dem Karlsruher Barockorchester die Johannes-Passion, bringen in diesem Frühjahr der Heinrich-Schütz-Chor Heilbronn und das Orchester Camerata Viva Tübingen die Musikdichtung mit Chorälen und Arien zur Aufführung: kommenden Sonntag um 17 Uhr in der Kilianskirche. Als Solisten sind Jihui Yun(Sopran), Chiara Bäuml (Alt), Jean Philipp Chey (Tenor), DaKai Wei (Tenor), Florian Conze (Bass) und Jakob Krupp (Bass) zu hören. Die musikalische Leitung hat Michael Böttcher. Karten gibt es online auf tickets-hsc-hn.ditix.shop, über www.hsc-hn.de, bei der Tourist-Information Heilbronn und an der Abendkasse. Nicht nur Zuhörende lassen sich gern entführen von Bachs Zauber. Es sind immer wieder die Ausführenden, ob Laien oder Profis, die von der sinnstiftenden Kraft des Musizierens in der Gemeinschaft schwärmen.

Mal abwarten, inwiefern sich Özdemirs Sinn für Kultur in den Koalitionsverhandlungen niederschlägt

Ob auch Cem Özdemir bei den Sondierungsverhandlungen über eine grün-schwarze Koalition im baden-württembergischen Landtag ins Schwärmen gerät, wissen wir nicht. Das Ringen um eine neue Regierung wird weniger kontemplativ ausfallen als Bachs Musik, wenngleich der Begriff Passion ja beides bedeutet: Leidenschaft, aber auch Leidensweg. So dürfte der Besuch des designierten Ministerpräsidenten mit seiner Frau Flavia Zaka in den Museen Würth in Künzelsau vergangene Woche eine kurzweilige Abwechslung gewesen sein. Ein Politiker, der sich für Kunst interessiert, ist nie verkehrt. Mal abwarten, inwiefern sich Özdemirs Sinn für Kultur in den Koalitionsverhandlungen niederschlägt.

Ein junger Mann leidet unter panischer Angst, verrückt zu werden

„Wir sind übervoll“, bekommt zu hören, wer sich noch anmelden möchte im Literaturhaus Heilbronn zur Lesung mit Leon Engler an diesem Sonntag. Kurzum: Die Veranstaltung mit dem Autor von Theaterstücken, Hörspielen und Kurzgeschichten ist ausverkauft, sein bei DuMont erschienener Debütroman „Botanik des Wahnsinns“ indes liest sich nicht minder fantastisch zu Hause und in Ruhe. Ein junger Mann leidet unter panischer Angst, verrückt zu werden. Als bei der Zwangsräumung der Wohnung der alkoholkranken Mutter das Wenige von Bedeutung in der Müllverbrennung landet, bleibt dem Erzähler nur noch der Blick auf einen Familien-Stammbaum des Wahnsinns. Am 26. Juni übrigens wird im Science Dome – dafür gibt es Karten – Englers „Wo die Götter kauern wie Hunde“ uraufgeführt in der Regie von Janis Knorr: Es ist das Gewinnerstück des Internationalen Dramenwettbewerbs „Science & Theatre“ 2025. 

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