Metal-Nostalgie im Doppelpack: Bullet for my Valentine und Trivium in der Stuttgarter Schleyer-Halle
Auf ihrer besonderen Co-Headliner-Tour spielen die beiden Metalbands ihre Alben „The Poison“ und „Ascendancy“ in voller Länge. Für die Fans ist der Abend eine Zeitmaschine ins Jahr 2005. Eindrücke vom Konzert in der Schleyer-Halle.

Ist das wirklich schon 20 Jahre her? Diese Frage geistert sicherlich einigen Fans am Dienstagabend durch die Köpfe. Der Blick geht zurück nach 2005, und damit in eine Zeit, in der im TV auf Musiksendern wirklich noch Musik lief, sie für junge Menschen dadurch einen großen Stellenwert hatten und Musikgeschmäcker definierten. Eine Zeit, in der Konzertgänger mehr im Moment lebten, und nicht wie heute hunderte von Smartphones in die Höhe gereckt werden, um jede Sekunde in Bild und Video festzuhalten. Und eben in das Jahr, in dem die Metal-Bands Bullet for my Valentine (mit dem Album „The Poison“) und Trivium (mit „Ascendancy“) ihren großen Durchbruch schafften.
„Diese Alben haben unser Leben verändert“, sagt Matthew Tuck, Sänger von Bullet for my Valentine in Richtung der 5500 Fans, die zum Konzert in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle gekommen sind. Bei der Co-Headliner-Tour sollen die Platten gefeiert und in voller Länge gespielt werden. Beide Bands fanden ab 2005 ihren Platz in der Metal(core)-Szene mit einer Mischung aus Modern Metal, Thrash und einer gewissen Pop-Affinität – sie konnten das Genre damit zwar nicht revolutionieren, aber mit prägen.
Trivium in Stuttgart: Ein wütender Zombie-Dämon im Bühnenhintergrund
Den Anfang machen die US-Amerikaner von Trivium und damit die Band, die musikalisch ein Stück weit innovativer ist. Von Sekunde eins an steht das Quartett um Sänger Matthew Heafy auf dem Gaspedal, steigt mit dem halsbrecherisch schnellen „Rain“ und dem nicht minder brachialen „Pull Harder on the Strings of Your Martyr“ ein. Heafy ist viel unterwegs, wechselt zwischen drei Mikrofonen auf der Bühne, feuert das Publikum an, testet dabei gleichzeitig seine Deutschkenntnisse: mit Aufforderungen wie „Springt!“ und „Bewegt euch!“.
Nach einem Schlagzeug-Solo steigt bedrohlich ein riesiger aufblasbarer Zombie-Dämon im Bühnenhintergrund auf. Der zierte mit Stachelhaaren und wütender Fratze nicht nur das Cover von „Ascendancy“, sondern steht auch stellvertretend für die inneren Dämonen, die Sänger Matthew Heafy damals plagten. „Ich war unzufrieden mit mir und meiner Umwelt“, beschreibt Heafy das Album auch als eine Form der Selbsttherapie.
Bullet for my Valentine spielen in Stuttgart Hits und rare Songs
„Deutschland war immer gut zu uns“, sagt Matthew Tuck von Bullet, wie viele Fans die Band liebevoll abkürzen. Wohlwissend, dass man hier schnell bekannt wurde, in den Charts landete und auf großen Festivals wie Rock am Ring spielte. Schon früh am Abend bringen die Waliser die Hits von „The Poison“ unter: „Tears Don’t Fall“, die Halbballade „All These Things I Hate“ und das galoppierende „Hands Of Blood“. Da wird die Nostalgie-Klaviatur gespielt, wenn zu den Songs Ausschnitte aus damaligen TV-Auftritten und Musikvideos über die Videoleinwände flackern.

Geändert hat sich in 20 Jahren die Frisur von Matthew Tuck, der die Haare inzwischen kürzer trägt, der Kinn- ist einem Vollbart gewichen. Bullet-Songs sind gekennzeichnet durch relativ einfache Riffs und Breaks, durch melodische, gedoppelte Gitarren-Leads, wütende Schrei-Ausbrüche gefolgt von mitsingfreundlichen Refrains – das erinnert mal an Iron Maiden, mal an Machine Head.
Die Band steuert souverän durch ihre 70 Minuten, spielt auch Lieder wie „Hit the Floor“, das, so Tuck, noch gar nicht in Deutschland live zu hören war, oder das sphärische, sechsminütige „The End“. Die Fans sind auch nach zwei Dekaden textsicher, werden nach der Zugabe glücklich in die kalte Nacht entlassen und mischen dort mit ebenso zufriedenen VfB-Fans aus der MHP Arena nebenan.


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