Stimme+
Interview vor Auftritt in Heilbronn
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Mentalist Timon Krause: „Wir Menschen sind leicht zu durchschauen“

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Er ist Mentalist, Buchautor und bekommt bald seine eigene TV-Show bei ProSieben: Timon Krause. Am Samstag, 4. Oktober, kommt der 31-Jährige mit seinem aktuellen Bühnenprogramm „Messias“ in die Harmonie nach Heilbronn.

"Eine Mischung aus Körpersprache, Statistik und Beeinflussung“: Mentalist Timon Krause.
"Eine Mischung aus Körpersprache, Statistik und Beeinflussung“: Mentalist Timon Krause.  Foto: Picture Alliance/dpa/APA/Tobias Steinmaurer

Herr Krause, sind Sie der Messias?

Timon Krause: Auf jeden Fall (lacht). Nein, Quatsch. Ich habe meine neue Show so genannt, weil es ein wenig provokant ist, und ich es amüsant finde. Es geht darum, herauszufinden, wer heute die Messiasse sind, denen wir auf den Leim gehen, wenn die Kirche zumindest eine verringerte Rolle spielt. Wer sind die „Gottheitsfiguren“ denen wir heute folgen – ob Apple, Insta-gram, ChatGPT oder KI. Was macht es mit unserem Kopf, dass das vermeintlich Höhere durch etwas anderes ersetzt wurde? Es geht aber auch um Sekten, Massenpsychologie, um Gedankenlesen und Hypnose.

Wenn man Sie googelt, finden sich die Begriffe Zauberer, Mentalist und Gedankenleser. Wo verläuft die Grenze zur Scharlatanerie?

Krause: Die Grenze verläuft dort, wo ich offen mit dem, was ich mache, umgehe, wenn ich nicht behaupte, dass ich im Alltag davon große Vorteile habe oder Leuten irgendwelche Workshops verkaufe. Ich sage offen, dass ich Entertainment mache und das nichts übernatürlich ist. Ich kann nicht mit Toten sprechen, habe nichts mit Astrologie am Hut, ich verkaufe keine Heilkristalle, keine Energieheilungen. Ich zeige auf der Bühne, wie Phänomene psychologisch funktionieren.

Sie können am Telefon sicherlich nicht meine Gedanken lesen, oder?

Krause: Ach, das geht schon, wenn auch begrenzt. Über Email wird es schwierig (lacht). Im Idealfall sehe ich aber die Person mir gegenüber. Da habe ich dann die Körpersprache, die Stimme – und die Parasprache, also nicht, was sagt eine Person, sondern wie tut sie es.

Der Begriff Gedankenleser ist ja eigentlich auch nicht ganz richtig.

Krause: Ein Gedankenableser wäre vielleicht akkurater. Es ist keine Telepathie, sondern eine Mischung aus Körpersprache, Statistik und Beeinflussung.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Krause: Wenn ich jemandem sage, dass er an ein wildes Tier denken soll und statistisch weiß, dass die meisten den Löwen wählen, kann ich das Gegenüber noch näher dazu bringen, diese Aussage zu treffen. In dem ich beispielsweise sage: Stell’ dir vor, wir laufen als Kinder gemeinsam zum Gehege eines wilden Tiers im Zoo. Hinter diesem Kindheitsbild steckt die Statistik, dass die meisten Heranwachsenden Löwen und Tiger irgendwie gut finden.

Wir leben in einer Zeit der alternativen Fakten, von Fake News, geschickt eingesetzt sogar von diversen Staatsoberhäuptern. Können Sie sehen, ob beispielsweise ein Politiker lügt?

Krause: Wieder begrenzt. Wenn ich die Politikerin oder den Politiker gut kenne, kann ich Annahmen machen. Es gibt aber keine Schwarz-Weiß-Sicht, keine 100-prozentige Sicherheit. Die habe ich übrigens auch auf der Bühne nicht, obwohl ich dort mehr Kontrolle über die Situation habe. Ich kann Abweichungen im Verhalten eines Menschen erkennen. Politiker sind in der Regel aber gut trainiert, schwierig ist auch, dass man oft nur Ausschnitte davon sieht, was sie gesagt haben.

Ist der Mensch wirklich so leicht zu durchschauen?

Krause: Ja, und da nehme ich mich auch nicht raus. Wir sind leicht zu durchschauen, nicht, weil wir dumm sind oder durchsichtig, sondern weil wir uns alle sehr ähneln. Viel mehr als wir uns eingestehen. Unsere Entscheidungen und Reaktionen sind oft ähnlich und deshalb auch ähnlich interpretierbar.

Vor allem die Füße verraten sehr viel über einen Menschen.

Krause: Richtig. Es gibt eine Art Faustregel: Je weiter ein Körperteil weg vom Gehirn ist, desto weniger Kontrolle haben wir darüber. Füße sind ein guter Indikator, ob sich eine Person einer Situation entziehen will, oder ob sie bleiben möchte. Wenn bei einem Date die Fußspitzen weg vom Gegenüber zeigen, kann das ein schlechtes Signal sein. Das kann stimmen, der Kontext ist aber immer wichtig. Manchmal kann es auch sein, dass man sich einfach nur bequem hingesetzt hat.

Der Künstlichen Intelligenz gehört die Zukunft oder sogar schon die Gegenwart. Meinen Sie, dass die KI irgendwann unsere Gedankengänge lesen kann?

Krause: Es gibt bereits erste Studien in die Richtung. Da werden Gedanken und Träume über einen MRT-Apparat dechiffriert, in Realzeit von Hirnströmen in Bilder übersetzt. Ich glaube aber eher, dass die Künstliche Intelligenz unsere Gedanken lesen kann, weil wir sie mit eben diesen füttern. Ich habe mit einigen Menschen gesprochen, die ChatGPT auf ihrem Handy haben und verblüfft sind, was das Programm alles über sie weiß. Der Speicher merkt sich wirklich alles, und daraus wird relativ schnell ein akkurates Psychogramm erstellt.

Mit zwölf Jahren wussten Sie bereits, dass Sie in diese Richtung ein gewisses Talent haben, „Leidtragender“ war damals Ihr Bruder.

Krause: In einem Freizeitpark habe ich eine Hypnoseshow gesehen und wollte das dann direkt an meinem Bruder ausprobieren. Im Kinderzimmer habe ich es mit einer Rückfallinduktion versucht. Dabei muss der Hypnotisierte allerdings auch aufgefangen werden. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es wirklich funktioniert und konnte ihn gerade noch so auffangen. Das hätte auch schief gehen können.

Zur Person und Auftritt in Heilbronn

Timon Krause wurde am 20. Juni 1994 in Moers geboren, studierte in Amsterdam Philosophie und arbeitet als Autor, Moderator und Zauberkünstler im Bereich der Mentalmagie und der Hypnose. Regelmäßig ist er in TV-Formaten zu sehen. Am 4. Oktober, 20 Uhr, kommt er mit seinem Bühnenprogramm „Messias“ nach Heilbronn. Tickets ab 39,90 Euro unter www.eventim.de

Nach oben  Nach oben