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Märchen trifft Manga
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Mangaka Mareike Noske alias Blackii aus Bönnigheim hat den ersten Band ihrer Reihe „Children of Grimm“ veröffentlicht

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„Children of Grimm“ ist Manga made in Germany. „Wir haben sehr lange an unserer Idee gefeilt“, sagt Comiczeichnerin Mareike Noske alias Blackii über ihr Gemeinschaftsprojekt mit Autor Aljoscha Jelinek. Im Dezember soll Band zwei erscheinen.

Klassische Coming-of-Age-Story: In "Children of Grimm" trifft Märchen auf Manga.
Klassische Coming-of-Age-Story: In "Children of Grimm" trifft Märchen auf Manga.  Foto: Berger, Mario

Märchen sollen eine Moral vermitteln, weiß Mareike Noske alias Blackii. „Die Charaktere in Märchen dienen nur dazu, diese zu transportieren, sie sind sehr stereotypisch. Es hat uns gereizt diese Figuren zu nehmen und ihnen eine Geschichte zu geben“, erklärt die Zeichnerin die Idee hinter „Children of Grimm“. Mag die Reihe zwar im Stil eines Mangas – also eines japanischen Comics – daherkommen, ist sie doch „Made in Germany“, nämlich auch in Bönnigheim, wo Noske mit ihrer Familie lebt.

Im Dezember ist der erste Teil von „Children of Grimm“ beim Verlag Altraverse erschienen. Boy, die Hauptfigur der Coming-of-Age-Geschichte? „Ist ein bisschen naiv, sehr optimistisch und motiviert“, beschreibt Mareike Noske den Jungen mit der Strubbelfrisur. Boys Traum ist es, ein Märchenheld zu werden. Doch stattdessen backt er in der Bäckerei seines Onkels Kaspar Brötchen. Als eines Tages jedoch zwei böse Wölfe das Dorf angreifen, nimmt Boys Leben eine abenteuerliche Wendung.

Warum Mareike Noske nicht auf Papier, sondern dem Tablet zeichnet

Fünf Bände sind geplant. In Nordrhein-Westfalen schreibt Autor Aljoscha Jelinek das Script. „Das kann man sich wie ein Drehbuch vorstellen, da wird beschrieben, was passiert und was die Personen sagen“, erklärt Mareike Noske. Dann macht sich die Mangaka – wie Comic-Künstler im Japanischen genannt werden – ans Zeichnen. Immer wieder gibt es gegenseitiges Feedback. „Wir haben sehr lange an unserer Idee gefeilt.“

Ohne Tuschefass: Mit dem Tabletcomputer arbeitet Mareike Noske alias Blackii effektiver.
Ohne Tuschefass: Mit dem Tabletcomputer arbeitet Mareike Noske alias Blackii effektiver.  Foto: Berger, Mario

Shonen, Shojio und Co.: Klassifizierung nach Zielgruppe

„In Japan werden Mangas nicht als Einzelbände veröffentlicht, sondern in der Regel in einem Magazin, wo immer mehrere Kapitel von unterschiedlichen Serien drin sind“, sagt Mareike Noske. Die Klassifizierung richtet sich nach Zielgruppen. Shonen werden Mangas für Jungs genannt, Seinen solche für Männer. Shojo richten sich an Mädchen und Josei an Frauen. Wobei die Grenzen mitunter fließend sind. Bei „Children of Grimm“ handelt es sich um einen Shonen-Manga. „Das ist immer die große Heldenreise“, so Noske.

Noske, die von der Schwäbischen Alb stammt, zeichnet und tuscht komplett digital mit dem Tabletcomputer. „Für mich ist das deutlich effektiver“, benennt sie die Gründe: Zum einen kann die zweifache Mutter damit auch unterwegs arbeiten. Zum anderen bezeichnet sie sich selbst als „unglaublich tollpatschig“. „Das bedeutet, wenn ich mit Tusche arbeite, schmeiße ich immer das Tuschefass um.“

Die 35-Jährige ist Autodidaktin. Zwar hat sie eine Zeit lang Kommunikationsdesign in Hamburg studiert und infolgedessen auch Zeichenunterricht gehabt. „Aber das war nicht so viel, das meiste habe ich mir selber beigebracht.“ Über ihre Mutter, eine ehemalige Kunsterzieherin, kam Mareike Noske immerhin schon früh in Berührung mit Gemälden und Zeichnungen. „Es war immer sehr viel Kunst im Haus.“

Mareike Noske: „Manga ist einfach eine eigene Erzählweise.“

Als in den Neunzigern die erste Manga- und Anime-Welle nach Deutschland schwappte, war die Jugendliche schnell angefixt. „Ich kannte Asterix und Obelix, als mir dann ‚Dragonball‘ in die Hände gefallen ist, war ich total verliebt und wollte Mangaka werden“, erinnert sich Noske. „Manga ist einfach eine eigene Erzählweise.“ Beispielsweise ist die dynamische Bilderfolge umgekehrt: Die Leserichtung geht von rechts nach links. „Das war damals auch cool, dass man das falsch herum gelesen hat. Da haben die Eltern gesagt: Was machst Du denn da?“ Nach langem Üben hat Noske vor fünf Jahren „so richtig“ mit dem Mangazeichnen angefangen.

Hierzulande erleben die Comics aus Fernost vor allem seit der Corona-Zeit einen Boom und ihre Bedeutung für den Buchmarkt wächst. „Es ist immer noch ein bisschen selten, aber es gibt jetzt schon einige deutsche Serien“, hat die Zeichnerin beobachtet. Eine Besonderheit ist Noske bei der hiesigen Geschlechterverteilung unter den Mangaka aufgefallen: „In anderen Ländern sind es gerade im Action- und Fantasy-Bereich eher Männer, in Deutschland erstaunlicherweise sehr viele Frauen.“

Was im zweiten Band von „Children of Grimm“ passieren wird

Aktuell arbeiten Noske und Jelinek am zweiten Teil der Reihe. Erscheinen soll er im Dezember. Einen Band pro Jahr zu veröffentlichen, diesen Rhythmus strebt das Duo an. Gerne kämen sie schneller voran, weswegen sie momentan auf der Suche nach einer Assistenz sind, die etwa bei Hintergründen oder Effekten aushilft. „In Band zwei wird die Welt auf jeden Fall größer. Wir gehen raus aus Käppchendorf und kommen nach Kesselstadt, da wird es ein großes Turnier geben“, gibt Mareike Noske einen Ausblick.

Mit ihren schärfsten Kritikern wohnt sie übrigens unter einem Dach. „Meine beiden Söhne freuen sich immer, wenn sie die neuen Kapitel lesen können. Wenn sie das Okay geben, dann darf es raus.“

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