Lesen Sie auch das Kleingedruckte: „Re/lations. Mirror Machines 3“ im Kunstverein Heilbronn
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Einen niederschwelligen Zugang zum Thema Künstliche Intelligenz schaffen, das sollen die zehn Exponate, die Studierende aus Heilbronn und Pforzheim entwickelt haben. Wer die Ausstellung sehen will, hat allerdings nicht viel Zeit.
Intuition trifft auf Algorithmen bei der Arbeit „[CO]CREAITION". Spielerisch können Besucher der Ausstellung aktiv werden.
Foto: Berger, Mario
Wohl die wenigsten von uns lesen das Kleingedruckte und ist es Strategie, dass Nutzungsbedingungen, AGBs und Co. oft ellenlang sind. Fix ist der Haken gesetzt, die Zustimmung erteilt. „You agreed to this“, konfrontiert „Terms & Condition“ Nutzer mit ihrer Leichtfertigkeit in Sachen Klicks. Konzipiert wie eine Gameshow und mit Buzzer ist „Terms & Conditions“ Teil der Ausstellung „Mirror Machines 3“ von den Hochschulen Heilbronn (HHN) und Pforzheim, die aktuell im Kunstverein Heilbronn gastiert. Und für die Öffentlichkeit von Freitag bis Sonntag zu sehen ist.
„Re/lations“, das Motto der Kooperations-Schau, macht deutlich, worum es geht: Um die Beziehung zwischen Mensch und KI. Wie reagiert die eine Seite auf die andere? Wer ahmt wen nach? Was geht dabei vielleicht verloren? Bewusst haben die Verantwortlichen die Aufgabe weit gefasst. „Damit die Studierenden eigene Konzepte entwickeln können“, sagt Dagmar Korintenberg, Designerin und Dozentin für kommunikative Räume und interaktive Strukturen der Hochschule Pforzheim, „wenn das Thema zu eng gefasst ist, kommen auch ähnliche Exponate raus.“
Ausstellung alle zwei Jahre
Der Zwei-Jahres-Rhythmus der Ausstellungskooperation „Mirror Machines“ – zu Deutsch: Spiegelmaschinen – hat sich bewährt. „Für Studierende bleibt es etwas Besonderes“, sagt Dozentin Dagmar Korintenberg aus Pforzheim, die sich überdies freut, dass aus der Auflage 2024 die Arbeit „to all the fairy tales which were told, and will be told“ für die KI trainiert wurde, Märchen weiterzuerzählen, auch auf der Ars Electronica in Linz gezeigt wurde.
Nur drei Tage lang ist die Ausstellung im Kunstverein in der Kunsthalle Vogelmann zu sehen. Zu den zehn Exponaten gehören auch die Arbeiten „Übersetzte Gesichter“.
Foto: Berger, Mario
Matthia Löbke: „Sie tun nicht so, als sei das Kunst.“
Insgesamt zehn Arbeiten werden gezeigt, die von 22 Studierenden entwickelt wurden seit Oktober bei gemeinsamen Treffen sowie online. Eine internationale und interdisziplinäre Gruppe fand so zusammen aus den Bereichen Software Engineering, Visuelle Kommunikation, Mode, Industrial Design, Creative Direction sowie Design and Future Making – und Berührungspunkten mit dem Heilbronner KI-Salon und Ipai.
Das gemeinsame Anliegen: einen niederschwelligen Zugang zum Thema Künstliche Intelligenz schaffen. Wie rasant die Fortschritte auf dem Gebiet sind, zeigt sich für Veronica Quandt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Informatik der HHN, nicht zuletzt daran, dass die Studierenden ganz andere technologische Werkzeuge verwendet haben als noch vor zwei Jahren.
„Sie tun nicht so, als sei das Kunst, machen sich aber Gedanken über Gestaltung“, sagt Matthia Löbke vom Kunstverein. Dieser stellt seine Räume bereits zum zweiten Mal zur Verfügung nach 2024. Und freut sich, wenn so auch ein anderes Publikum vorbeischaut. QR-Codes auf ausliegenden Flyern führen zu weiteren Materialien für Besucher, die sich über die meist spielerische Herangehensweise vor Ort weiter mit Projekten befassen möchten, die multiperspektivisch das Zusammenspiel von KI mit Datenschutz, Kreativität, Nachhaltigkeit oder Erinnerung verhandeln.
Reverenz an Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“
Wie man beispielsweise am Strand mit den Händen in den Sand zeichnet, lädt „[CO]CREAITION“ dazu ein, in eine Fläche mit Grasgranulat Muster zu ziehen. Eine Kamera filmt in Echtzeit, ein Algorithmus greift die Muster auf und kreiert daran angelehnte Figuren, die an die Wand projiziert werden. „Symbiotic Machine“ visualisiert den im Alltag größtenteils unsichtbaren hohen Energieverbrauch von Künstlicher Intelligenz und fragt, ob die dabei entstehende Abwärme nicht für Pflanzen genutzt werden könnte. Beim Projekt „Übersetzte Gesichter“ sind Besucher aufgerufen, sich in ein Bett zu legen, während eine KI mittels Kamera ihre Gesichtsausdrücke beobachtet und daraus Animationen generiert.
Dagmar Korintenberg, Matthia Löbke und Veronica Quandt (von links) vor der Arbeit „Layers of Memory“.
Foto: Berger, Mario
Mit Begriffen, Gedanken und Erinnerungsfetzen lässt sich ein interaktives Exponat füttern, das daraus täuschend authentische Retro-Fotos erzeugt. Diese „Layers of Memory“ werden auf mehreren hintereinanderliegenden, halbtransparenten Stoffschichten abgebildet. An den ikonischen schwarzen Monolithen aus Stanley Kubricks Sci-Fi-Epos „2001: Odyssee im Weltraum“ erinnert das Projekt „Embodied Gaze“: Ein aus Ferrofluid geformtes Auge verfolgt dabei die Bewegungen des Betrachters im Raum. Auf Basis von ChatGPT verwickelt „Egotrip“ den Nutzer in ein Gespräch über die Frage „Wovon hast du genug?“ und regt dazu an, über das eigene Klimahandeln nachzudenken.
Ausstellungsdauer
„Re/lations. Mirror Machines 3“, Kunstverein Heilbronn, Freitag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei.
Kann die Abwärme von Künstlicher Intelligenz für Pflanzen genutzt werden? "Symbiotic Machine" erkundet Möglichkeiten.
Foto: Berger, Mario
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