Mehr als 100 Beiträge an 47 Orten: So war die Lange Nacht der Kultur in Heilbronn
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Am Samstag hatten Besucher der Langen Nacht der Kultur in Heilbronn die Qual der Wahl. Ein Spaziergang zu Tangotänzern, persischen Naschereien, einer Eisernen Lunge und einer makabren Katzen-Geschichte.
Open-Air wie hier bei den Feetwarmers auf dem Kiliansplatz oder drinnen: Von 17 Uhr bis Mitternacht waren Nachtschwärmer und Kulturinteressierte am Samstag in Heilbronn unterwegs.
Foto: Lina Bihr
Die Füße sind wie Pinsel, mit denen auf den Boden gemalt wird, erklärt Daniel Canuti in der Musikschule Heilbronn einem knappen Dutzend Interessierter, wie man ihn tanzt, den Tango. Und unter der Anleitung des Argentiniers sowie seiner Partnerin Michela Piviero vollführen die Pärchen begleitet von Musik vom Band eine Schrittkombination, Ocho genannt, und Ganchos, das sind hakenförmige Fußbewegungen. „Vielleicht weil sie ihn nicht gelernt haben“, ist der Körperkontakt für seine Schülerinnen und Schüler hierzulande eine Herausforderung, beobachtet Canuti, der seit 1999 in Deutschland lebt, immer wieder.
Sich einfach mal selbst ausprobieren – nicht nur in der eleganten, leidenschaftlichen, herausfordernden Ausdrucksform Tango – auch das ist möglich bei der Langen Nacht der Kultur, zu der Heilbronn am Samstag geladen hat. Mehr als 80 Akteure, Gruppen und Institutionen haben mitgemacht bei freiem Eintritt: städtische Einrichtungen wie die freie Szene. Wobei der Begriff Kultur weit gefasst ist, wenn darunter beispielsweise eine Modenschau oder eine Verkostung von Schokolade und Wein fällt.
Elegant, leidenschaftlich, herausfordernd: Einen Schnupperkurs im Tangotanzen gab es in der Städtischen Musikschule.
Foto: Lina Bihr
Programmheft der Langen Nacht der Kultur: Digital oder doch lieber gedruckt?
Wo anfangen bei mehr als 100 Programmpunkten? Die einen lassen sich einfach treiben, andere haben sich vorbereitet und sind mit Programmheften unterwegs, in denen sie markiert haben, was sie gerne besuchen möchten – durch Eselsohren, Post-its oder handschriftlich. Erst am Mittwoch in gedruckter Form fertig, lagen die Hefte im praktischen Hosentaschenformat recht kurzfristig aus. Heike Denscheilmann, Leiterin der Kulturabteilung der Stadt und Projektverantwortliche, verweist dagegen auf die digitale Fassung, die früher online war.
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Von A wie der Abraham-Gumbel-Saal der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall bis Z wie das Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre: 47 Orte können zwischen 17 Uhr bis Mitternacht erkundet werden. „Andere Frauen haben auch schöne Männer“, gibt sich etwa Sängerin Anke Blohmann frivol-frech im kleinen Saal der Harmonie, wo sie zusammen mit Pianistin Dorothee Hermanni als Duo Die Vintage Sisters auftritt mit Schlagern und Chansons im Gepäck aus den 20ern bis 60ern. Frei nach dem Motto: „Lass mich Dein Badewasser schlürfen“.
„Lass mich Dein Badewasser schlürfen“: Sängerin Anke Blohmann und Pianistin Dorothee Hermanni sind Die Vintage Sisters. In der Harmonie präsentierte das Duo Schlager und Chansons aus den 20er bis 60er Jahren.
Foto: Lina Bihr
Kosten und Verteilungskämpfe
Bis auf die Flamenconacht im Stadttheater, ein Konzert in der Nikolaikirche und die Party im Mobilat war der Eintritt zur Langen Nacht der Kultur frei. Das lässt sich die Stadt 60 000 Euro kosten, 40.000 Euro steuern die Kulturstiftung der KSK Heilbronn bei und das RegioNet der Popakademie Baden-Württemberg. Kulturförderung sei eine Pflichtaufgabe für die Kommune, betonte Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel bei der Eröffnung in der Stadtbibliothek und wies darauf hin, dass sich auch die Kultur auf Verteilungskämpfe einstellen müsse.
Tee und Naschereien werden gereicht bei der Persischen Nacht der Freien evangelischen Gemeinde in „Der Raum“ im Shoppinghaus, wo zu Klängen des Saiteninstruments Santor Verse des Dichters Hafis rezitiert werden. Und einem Foroogh Nazeri gerne mehr erzählt über die iranische Kultur, ihrem Kunsthandwerk und ihren Festen – sowie die Community in der Region, die zersplittert sei wegen der „kaputten Politik“ in der Heimat.
Lange Nacht der Kultur in Heilbronn: Das Heitere trifft auf das Ernste
Apropos Heimat: Die wollen auch die Macher von Hnywood in die Welt hinaustragen. In den USA, Kanada, Südamerika und der Mongolei auf der großen Leinwand sowie in Polen als Stream wird die neue Produktion „Raub ihren Atem“ des Heilbronner Film- und Synchronstudios zu sehen sein, erklärt Autor, Regisseur und Produzent Andreas Kröneck stolz. Am 26. Dezember startet bundesweit der schwäbisch-sächsische Erotik-Thriller, der unter anderem im Parkhotel und Aquatoll gedreht wurde. Um was genau es darin geht und wie es am Set zuging, erfahren Besucher im Cinemaxx.
Am 26. Dezember startet „Raub ihren Atem“, die neue Produktion des Film- und Synchronstudios Hnywood bundesweit in den Kinos. Im Cinemaxx gewährten die Macher bei der Langen Nacht der Kultur einen kleinen Einblick in den Streifen.
Foto: Lina Bihr
Derweil informiert im Stadtarchiv der Mediziner und Novalung-Gründer Georg Matheis über die Geschichte der künstlichen Beatmung und kann dafür eine Eiserne Lunge präsentieren. Das Ernste steht neben dem Heiteren oder geht eine Allianz ein in dieser Nacht – wie in der Ausstellung „Sie hat mir der Himmel geschickt“ in der Volkshochschule mit Karikaturen rund um Sterben, Tod und Trauer.
Morbide-schaurig ist dort auch die Lesung von Schauspieler Peter Singer mit einer Geschichte des US-Autors Edgar Allan Poe, jenes Meisters des Unheimlichen, Grauenhaften, Grotesken. „Der schwarze Kater“ ist wahrlich keine Gutenachtgeschichte. Und doch nickt ein Nachtschwärmer im Publikum ein. Nach so viel Programm und erlaufenen Kilometern ist der Kopf wohl einfach schwer und sind auch die Beine keine Pinsel mehr.
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