Zu Besuch im Funkhaus
Blick hinter die Kulissen: Der Lesersommer führte eine Gruppe von Stimme-Lesern nach Stuttgart ins SWR-Funkhaus. Die Teilnehmer hatten viele Fragen mitgebracht.

Wer bestimmt, was bei Wunschsendungen in die Endauswahl kommt? Ein Musikredakteur trifft die Entscheidung und legt dem Moderator die Titel auf dessen Computer. Wofür steht die Abkürzung DOM? Für deutschorientiert und melodiös.
Wer ist IDA? Information, Dokumentation und Archiv nennt sich die SWR-Recherchebank, die von Tonbändern über Schallplatten und CDs, Katalogen zum Blättern bis zur digitalen Datenbank das Gedächtnis im Stuttgarter Funkhaus ist und dank modernster Technik für sekundenschnellen Zugriff sorgt.
Und was macht ein Redakteur im Studio, wenn er auf die Toilette muss? Er lässt derweil ein, zwei weitere Lieder spielen. Gabriele Jankowitsch, seit 15 Jahren führt sie durch den Südwestrundfunk in Stuttgart, bleibt beim Lesersommer unserer Zeitung keine Antwort schuldig und ermuntert 20 Leser und Leserinnen zum Blick hinter die Kulissen der − nach dem WDR − zweitgrößten ARD-Anstalt. Über drei Stunden lotst Jankowitsch mit ihrem dicken Schlüsselbund durch Hintertüren zu den einzelnen Studios von Hörfunk und Fernsehen. Seit der Fusion von SDR und SWF 1998 versorgt der Sender mit den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ein Sendegebiet, in dem rund 14 Millionen Menschen leben.
Neben Stuttgart stehen in Baden-Baden und Mainz die zwei weiteren SWR-Funkhäuser. "Willkommen im Südwesten", begrüßt Jankowitsch und will wissen, ob an diesem Nachmittag die SWR 1- oder SWR 4-Hörer überwiegen. Die Einser-Fans sind in leichter Überzahl, auch der Kultursender SWR 2 scheint beliebt.
Unabhängige Anstalten
Die Abkürzung ARD? Ist den wenigsten ein Begriff und bedeutet Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Das heißt, die neun in der ARD vereinten Landesrundfunkanstalten sind unabhängig. 90 Auslandskorrespondenten in 30 Ländern auf vier Kontinenten beschäftigt allein der SWR, der jede fünfte ARD-Sendung produziert.
Radio hört Christa Geßenauer aus Öhringen vor allem, wenn sie in der Küche steht. Die Reise ins Innerste des Stuttgarter Funkhauses finden sie und Ehemann Norbert "super interessant". Pia Roeder aus Heilbronn hat es Sohn Heiko zu verdanken und dem Losglück, dass sie nun SWR1-Moderatorin Barbara Scherrer bei der Arbeit zuschauen darf, die der Truppe auf der anderen Seite der Glaswand fröhlich winkt und ein "noch viel Spaß" zuruft.
Dass Moderatoren nicht bloß Sprecher sind, sondern Redakteure mit journalistischer Ausbildung, dürfte klar sein. Aber wie ist das mit den Klamotten vor der Kamera? Gedeckt sollen sie sein und nicht ablenken. "Was man trägt", erzählt Jana Kübel, "führt zu den häufigsten Zuschauerreaktionen." Gerade hat die promovierte Politologin die 18-Uhr-"Landesschau aktuell" abmoderiert und ist aus der "grünen Hölle", dem virtuellen Studio in Grün, gekommen, um aus dem Nähkästchen zu plaudern. Den Teleprompter bedient sie mit einem Fußpedal, auf einem Tablet hat Kübel den Ablauf im Blick, die Flasche Wasser daneben konnten nur die Stimme-Leser auf dem Studio-Bildschirm sehen, nicht aber die Zuschauer zu Hause.
Wie eigentlich kommt man an eine Karte für die Aufzeichnung von "Sport im Dritten", das interessiert Werner Eigenmann aus Sulzfeld, als die Gruppe weiterzieht. Frühzeitig online bestellen − am besten ein Dreivierteljahr im Voraus.
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