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Workaholic aus Leidenschaft: Hans A. Hey ist ein Christkind

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Hans A. Hey, Ehrenvorsitzender des Heilbronner Sinfonie Orchesters, wird 85 Jahre alt und mischt weitherin munter mit.

"Jedes Konzert muss ein Event für sich sein und etwas Besonderes bieten", erklärt Hans A. Hey seine Philosophie.
Foto: Doering
"Jedes Konzert muss ein Event für sich sein und etwas Besonderes bieten", erklärt Hans A. Hey seine Philosophie. Foto: Doering  Foto: Döring, Ranjo

Ob man ihn als "liebenswürdig hartnäckig" beschreiben könne? Hans A. Hey schmunzelt, zögert kurz und nickt dann: "Das könnte man so sagen. Zäh bin ich auf jeden Fall."

Der Name Hans A. Hey ist in Heilbronn eng mit dem Sinfonie Orchester verbunden. Von 1961 bis 2006 war er erster Vorsitzender des HSO, zudem ist er Mitbegründer und Ehrenpräsident der Gottlob-Frick-Gesellschaft, die 1995 ins Leben gerufen wurde. Am 25. Dezember wird Hey, inzwischen Ehrenvorsitzende des Heilbronner Sinfonie Orchesters, 85 Jahre alt. "Ich bin kein normaler Ehrenpräsident, ich arbeite weiterhin, unterstütze, wo ich kann, berate und sitze mit im Ausschuss", sagt der gebürtige Heilbronner. "Jedes Konzert muss heutzutage ein Event für sich sein und dem Publikum etwas Besonderes bieten", erklärt er seine Philosophie.

"Ich komme aus einer alten Theaterfamilie"

Hans A. Hey wächst bei seiner Großmutter auf und kommt schon in jungen Jahren mit Musik in Berührung. "Ich komme aus einer alten Theaterfamilie und wurde schon früh in Stücke und Konzerte mitgenommen. Als Kind habe ich am Heilbronner Theater gespielt."

Auch bei den ersten Konzerten des Heilbronner Sinfonie Orchesters, damals noch in der Knorr-Kantine, ist Hey dabei - als Zuhörer. "Man musste als Eintritt ein Brikett mitbringen, dass der Raum geheizt werden konnte", erinnert sich der Ehrenvorsitzende. Hey absolviert eine kaufmännische Lehre, ist anschließend ab 1969 selbstständig als Unternehmensberater und Trainer für Betriebs-Optimierung tätig. "Die Ausbildung hat mir auch bei meiner Aufgabe als Vorsitzender geholfen. Die Marketingdenke habe ich auch aufs Orchester übertragen."

Mit 26 Jahren übernimmt er den Vorsitz des HSO. "Ich war viel zu jung dafür, hatte aber die richtige Frau an meiner Seite, die das alles mitgemacht hat und die Musik liebt. Sie war immer mein Lottogewinn", sagt Hey über seine Frau Ingrid, mit der er seit 59 Jahren verheiratet ist. Gemeinsam haben sie eine Tochter.

Gute Kontakte zur Musikszene

Sich für einen Konzert-Höhepunkt in seiner langen Amtszeit zu entscheiden, fällt Hey schwer. Ob das Benefizkonzert für die Flutopfer in Hamburg 1962 mit Bassist Gottlob Frick, "10 000 D-Mark sind damals zusammen gekommen", oder die Auftritte von Pianist Gerhard Oppitz: "Das HSO hat schon immer eine ganz enge Beziehung zu seinen Solisten", sagt Hey, der viele Kontakte in der Szene hat und viele junge aufstrebende Künstler nach Heilbronn holte. "Ich bin fleißig, leidenschaftlich und eigentlich ein Workaholic", sagt Hey über sich selbst. "Meine Frau ist es, die mich ab und zu erden muss."

Schwierig sei vor allem die Zeit des "Orchesterkriegs" in Heilbronn gewesen, der fast der Tod des HSO gewesen wäre. "Es war die größte kommunalpolitische Auseinandersetzung, die es jemals in Heilbronn gab", sagt Hey. Die Stadt entschied 1963, das HSO finanziell nicht mehr zu unterstützen und sich auf das Württembergische Kammerorchester Heilbronn zu konzentrieren. Hey ließ das nicht auf sich sitzen, machte sich eigenständig daran Geld zu sammeln. So viel, dass das HSO schnell wieder konzertieren konnte.

Legendärer Orchesterkreig zwischen HSO und WKO

Die Stadt lenkte ein und schoss im Folgejahr wieder rund 40 000 Mark zu. "Man hat sich fast die Schädel eingeschlagen, da sind Fraktionen zerbrochen im Gemeinderat. Die Antipoden waren Jörg Faerber (damals künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des WKO, Anmerkung der Redaktion) und ich", erinnert sich Hey, stellt aber klar. "In der Sache waren wir auseinander, aber es ist immer alles fair abgelaufen", sagt Hey, der mit Faerber befreundet ist.

Wie er seinen Geburtstag feiern wird? "Nichts Offizielles. Gemütlich mit Freunden und Familien", sagt Hey. "Wer vorbeikommen möchte, der kommt vorbei." Und natürlich gibt es auch einen musikalischen Beitrag: Eine Blaskapelle aus Flein spielt ein Geburtstags-Konzert.

Liebesschlösser: Nicht nur das Heilbronner Sinfonie Orchester (HSO) ist für Hans A. Hey eine Herzensangelegenheit, auch für die Liebe machen sich der 85-Jährige und seine Ehefrau Ingrid stark. 2010 bekam das Ehepaar von seiner Tochter zur Goldenen Hochzeit ein Liebesschloss geschenkt. "Am Anfang haben wir überlegt: Wo können wir es aufhängen?", sagt Hey. An der Götzenturmbrücke fand sich ein geeigneter Ort, an dem Paare seither ein Vorhängeschloss als Symbol ihrer dauerhafter Liebe aufhängen können. "Ein Herzensprojekt", sagt Hans A. Hey und schmunzelt.

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