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Heilbronn

Wie zwei Wanderer zufällig ins Filmset stolperten

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Marc Bohnacker und Hans-Jörg Eberle wollten eigentlich nur wandern. Wie um alles in der Welt konnten sie dabei für eine Film-Doku engagiert werden? Über zwei Freunde, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

Von Michaela Adick
Hans-Jörg Eberle (rechts) und Marc Bohnacker mit Lene, der Protagonistin des Films von Regisseur Dieter Schumann. Foto: privat
Hans-Jörg Eberle (rechts) und Marc Bohnacker mit Lene, der Protagonistin des Films von Regisseur Dieter Schumann. Foto: privat  Foto: privat

Treffen sich zwei Männer im Wald. So fangen schlechte Witze an, oder? Oder man heißt Marc Bohnacker und ist mit seinem Kumpel Hans-Jörg Eberle per pedes im Nationalpark Bayerischer Wald unterwegs. Mit Gitarre und Wanderharfe. Das ist wohl so, wenn Musiklehrer wie Bohnacker und Eberle, die an verschiedenen Musikschulen im Weinsberger Tal Gitarre und Harfe unterrichten, nach wahrer Erholung suchen.

Und schon erhält der Witz beinahe unerwartet eine Pointe: Marc Bohnacker und Hans-Jörg Eberle stolpern nämlich mitten im Nirgendwo des Waldes in einen Filmset und sagen keck: "Wir sind die Musiker." Abends unterhalten die beiden die kleine Crew mit handgemachter Musik. Das gefällt, sie werden vom Fleck weg engagiert. Sie mögen doch bitte die Filmmusik zu "Lene und die Geister des Waldes" schreiben. Und da sie schon einmal vor Ort seien, vielleicht könnten sie auch vor der Kamera agieren? So wurden die beiden Wanderurlauber Teil der Film-Doku.

Immer noch perplex

"Wir hatten freie Hand", erklärt ein immer noch perplexer Marc Bohnacker, der in der Region als Kopf der Band Tonacker ein Begriff ist. "Und, was noch schöner ist, Regisseur Dieter Schumann wollte ausdrücklich kein Sounddesign von uns, sondern Stücke, die auch unabhängig vom Film wirken."

Besonders die Traumsequenzen haben es dem Gitarristen Bohnacker (1974) angetan. Dass die Filmdoku funktioniert, hat sich in den vergangenen Wochen bewiesen. Mit großem Erfolg ist sie beim Filmkunstfestival in Schwerin gelaufen, zuletzt auch beim Dok.Fest in München. Online. Der Kinostart ist Stand heute für den Spätherbst geplant.

"Es wäre schöner gewesen, wenn wir ein persönliches Feedback erhalten hätten", seufzt Regisseur Dieter Schumann (1953), der seit gut 30 Jahren im Geschäft ist und immer wieder einen guten Riecher bewiesen hat. In der dahinsiechenden DDR begleitete Schumann im Jahr vor der Wende Undergroundrockgrößen, die Doku "Flüstern und Schreien" wird stilprägend. Später beobachtete er Werftarbeiter, die um ihren Job kämpfen.

Doku mit Kindern für Kinder

"Lene und die Geister des Waldes" ist eine Doku mit Kindern für Kinder, gedreht in einem der letzten magischen, beinahe unberührten Wälder Europas. Foto: privat
"Lene und die Geister des Waldes" ist eine Doku mit Kindern für Kinder, gedreht in einem der letzten magischen, beinahe unberührten Wälder Europas. Foto: privat  Foto: privat

Filmdokus für den NDR entstehen. Jahre bevor die große Wald-Renaissance einsetzt, die manch einen Förster und Autor finanziell sanierte, dachte er: "Da müsste man doch etwas machen." Die Entkopplung der Kinder von der Natur bereitet ihm schlaflose Nächte. Dieses "müsste" hat dann etwas länger gedauert, die liebe Finanzierung. Rund 450.000 Euro hat er schließlich eingesammelt, Gelder unter anderem von der Landesförderung Mecklenburg-Vorpommern und vom NDR. "Der BR hat sich Peter Wohlleben geschnappt." Jetzt ist er doch gefallen, der Name. Schumann wählt einen anderen Weg.

Er entscheidet sich für eine Doku mit Kindern für Kinder, gedreht in einem der letzten magischen, beinahe unberührten Wälder Europas. Und Magie war tatsächlich im Spiel, nicht nur durch die ungeplante Begegnung mit den Musikern. Schumann und sein Team treffen bei ihrer Recherche auf Originale wie die Waldursel, eine Beinahe-Eremitin, die im Wald ihre wahre Heimat gefunden hat, und einen Mann, den Schumacher scherzhaft als den "Waldobelix" bezeichnet. "Halb Gespenst, halb Nationalparkwächter."

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