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Heilbronn

Wie aus einem Heilbronner Kino eine international erfolgreiche Firma wurde

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Kino, Verleih und Video on Demand: Geschäftsführer Michael Rösch erzählt, wie sich das Heilbronner Unternehmen Kinostar mit einer breit aufgestellten Geschäftsidee auf dem deutschen und dem internationalen Markt behauptet.

Die verschiedenen Geschäftsfelder Kino, Verleih und Video on Demand halten sich in etwa die Waage: "Das ist gut, balanciert es doch das Gesamtgeschäft aus in einem katastrophalen Jahr wie diesem", sagt Michael Rösch.
Foto: Archiv/Veigel
Die verschiedenen Geschäftsfelder Kino, Verleih und Video on Demand halten sich in etwa die Waage: "Das ist gut, balanciert es doch das Gesamtgeschäft aus in einem katastrophalen Jahr wie diesem", sagt Michael Rösch. Foto: Archiv/Veigel  Foto: Alternativer Fotograf

Mit seinem Bruder Matthias hat Michael Rösch vor 24 Jahren die Kinostar Theater GmbH in Heilbronn gegründet. Ein Jahr später folgte die Gründung des Filmverleihs, mit Video on Demand hat das Unternehmen seit einigen Jahren ein drittes Standbein. Wir haben uns mit Geschäftsführer Michael Rösch unterhalten.

 

Bei Kinostar denkt jeder erst einmal an die Arthaus Kinos und die Scala-Kinos in Neckarsulm, mit denen alles begann, Herr Rösch.

Michael Rösch: Als wir 1996 mit Kino in Neckarsulm anfingen, haben wir rasch entdeckt, dass viele interessante Filme gar nicht im Verleih nach Deutschland kommen. Und flink wie wir sind, haben wir diese Lücke geschlossen. Im Laufe der Jahre haben wir dann ein immer breiteres Programm aufgestellt.

 

2004 kamen die Kinos in Heilbronn dazu, damals noch in der Allee. Was ist Ihre Programmpolitik heute?

Rösch: Unser Programm steht auf mehreren Säulen. Da sind die Arthaus-Filme, aber auch kommerzielle Filme. Es gibt Live-Events wie die Ballettübertragungen aus dem Bolschoi. 2013 haben wir den Vertrieb von Tanz im Kino deutschlandweit übernommen und kümmern uns um Marketing und Disposition der Live-Übertragungen. Bei manchen Balletten zählen wir über 10.000 Zuschauer. Bei Tanzfans ist das Kult.

 

Und weitere Programmsäulen?

Rösch: Fremdsprachige Filme im Original. Wir haben mit türkischsprachigen Filmen in Neckarsulm begonnen und zeigen inzwischen auch russische und polnische Filme in über zehn Ländern Europas.

 

In welchen genau?

Rösch: In Österreich, der Schweiz, Belgien, Niederlande, Luxemburg, in Frankreich, Großbritannien und in Skandinavien, also Dänemark, Norwegen und Schweden. Überall, wo die entsprechende Community ihre Filme sehen möchte. Neu im Pool ist Mazedonien.

 

Als Verleih arbeiten Sie international mit verschiedenen Partnern.

Rösch: In den USA zum Beispiel mit MGM, der Metro-Goldwyn-Mayer Filmproduktions- und Filmverleihgesellschaft, die übrigens die Bond-Filme verleiht. Die allerdings vertreibt Universal weltweit, nicht wir (lacht). Von MGM haben wir Filme wie "Overboard" im Vertrieb, "Still here" oder "Stage Mother".

 

Kinostar hat mit Video on Demand, kurz VOD, ein drittes Standbein.

Rösch: Die verschiedenen Geschäftsfelder Kino, Verleih und VOD halten sich in etwa die Waage. Das ist gut, balanciert es doch das Gesamtgeschäft aus. In einem Jahr wie diesem - einem katastrophalen Jahr - können die VOD-Einnahmen die Verluste zwar nicht ausgleichen, helfen uns aber enorm.

 

Erklären Sie uns, was Video on Demand ist und kann.

Rösch: VOD ist alles, was nicht an einen Datenträger gebunden ist, wie früher eine Kassette oder eine DVD. Video on Demand bestellt man im Internet, die Filme kann man an jedem Computer, Notebook oder Smartphone abrufen. Auch an modernen TV-Geräten, an ältere Geräte müsste man eine sogenannte Set-Top-Box anschließen.

 

Welche Filme kann ich sehen?

Rösch: Alle, wie früher in der Videothek. Man kann die Filme ausleihen, kaufen oder ein Monatsabonnement abschließen. Ausleihen heißt, man wählt auf der Website einen Film und bucht ihn für 48 Stunden.

 

Was kostet der Spaß?

Rösch: Ältere Filme auszuleihen, ist günstiger, das kostet 2,99 Euro. Neuere und neue kosten bis zu 4,99 Euro. Oder man kauft einen Film und kann ihn dauerhaft runterladen, auch nach 20 Jahren - dann wohl auf einem anderen Computer.

 

Das ist günstiger als eine Kinokarte.

Rösch: Dafür fehlt die Atmosphäre eines Filmtheaters. Doch man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit auf jedem Platz der Welt einen Film sehen. Etwa auf der Almhütte, wenn das nächste Kino weit entfernt ist.

 

Was Netflix und Amazon Prime können, kann Kinostar auch und bietet ein Abo an zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Rechnet sich das?

Rösch: Im Regelfall rechnet sich das und bleiben die Abonnenten dabei. Ein Monatsabo kostet bei uns 3,99 Euro, das funktioniert wie eine Flatrate und ist derselbe Service, den die Großen anbieten. Für uns ist das eine kalkulierbare Einnahmequelle, ob bei 30 Grad im Sommer oder während einer Pandemie. Diesen Freitag geht unser Good! Movies VOD-Channel live, ein Kanal, der auf Arthaus spezialisiert ist.

 

Wie viele Abonnenten haben Sie?

Rösch: Wie Netflix und andere geben wir die Zahlen nicht preis, auch nicht die unserer Kinozuschauer. Das ist so in der Branche, das bringt die Konkurrenzsituation mit sich. Soviel steht fest, wir registrieren einen Zuwachs aufgrund Corona.

 

Ihren neuen Good! Movies VOD-Kanal betreiben Sie mit elf weiteren Arthaus-Verleihern als Partner.

Rösch: Als Alternative zu den vielen Mainstream-Angeboten. Das technische Know-How stellen wir zur Verfügung und die Erfahrung, die wir mit VOD gemacht haben. Wir waren ziemlich früh dabei vor über acht Jahren. Aus Sorge, abgehängt zu werden. Das hat sich als gute Entscheidung herausgestellt.

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