Wenn sich Theater dem Film verschreibt
Eppingen - Die Badische Landesbühne zeigt "Wir sagen Du! Schatz". Als Uraufführung präsentiert die Landesbühne die Tragikomödie des gleichnamigen Kinofilms (2007) von Marc Meyer, der auch für den Text der Bühnenfassung verantwortlich zeichnet.

Eppingen - "Das Essen ist fertig!" ruft Oliver, der allein am gedeckten Tisch sitzt. "Und keiner kommt", hallt es reflexartig aus dem Mund einer Zuschauerin. Für alle gekocht, aber keiner will essen? Offensichtlich eine allzu bekannte Situation (nicht nur für Hausfrauen respektive Hausmänner), und ein kurzer Moment der Identifikation mit der Hauptfigur des Theaterstücks "Wir sagen Du! Schatz".
Als Uraufführung präsentiert die Badische Landesbühne die Tragikomödie des gleichnamigen Kinofilms (2007) von Marc Meyer, der auch für den Text der Bühnenfassung verantwortlich zeichnet. Das Publikum in der Stadthalle ist von der Adaption, die mit dem Zitat "Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen" von Albert Camus endet, nicht sonderlich beeindruckt oder gar beglückt. Kurzer, höflicher Applaus für die Darsteller, die wie gewohnt ihr Bestes geben.
Familienbastler Oliver alias Markus Hennes ist die Einsamkeit des Single-Daseins leid. Legitimiert durch das Motto "Allein, da kannst du viel werden, aber nicht glücklich" entführt er um die Weihnachtszeit Menschen, um sich eine Familie zusammenzubasteln. "Mama" Sofia (Evelyn Nagel), "Oma" Edna (Ursula Schucht), drei "Kinder", Maya, das rebellische Punkmädchen (Andrea Nistor), Ennio, der Hausstaub-Allergiker (Hoang Ahn Tung) und aus der Babyklappe Mätzchen (eine schreiende Säuglingspuppe) alle ohne verwandtschaftliche Beziehungen, alle selbst einsam, ziehen zwangsweise zu "Papa" Oliver in eine Wohnung in einem leerstehenden Hochhaus.
Im Bühnendekor (Ines Unser) aus kleinbürgerlichem Mobiliar (französisches Bett, Tisch mit vier Stühlen, Sofa mit Glotze), umgeben von unzähligen Umzugskisten, die sich zu einem Berg türmen, treffen die unterschiedlichen Charaktere aufeinander und interagieren so glaubwürdig wie gute Schauspieler es können. Auch wenn sich Nachbar "Opa" Horst, ein Altkommunist (Hannes Höchsmann) dazugesellt und ihm die "Oma" flirtend näher kommt, will aus dieser eigenartigen Konstellation kein Stück werden. Trotz musikalischer Einlagen, die den Stücken der BLB sonst Tempo und Rhythmus geben, bleibt diese sogenannte Dramödie eine völlig sterile Laborsituation. Der Autor scheint sich irgendwo auf der Suche nach einer plausiblen Schnittmenge von Glücksuche, Patchwork-Familie und der gar nicht lustigen Kampusch-Entführung verlaufen zu haben. Warum nur verschreibt sich das Theater Filmen, und dazu noch schlechten?
Nächstes BLB-Gastspiel
"Wir sagen Du! Schatz", 22. Mai, 19.30 Uhr, Kursaal Bad Wimpfen.
Stimme.de
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