Weltschmerz und Intrige

  
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Bad Wimpfen "Ihr Mittelmäßigen überall in der Welt, ich erteile ich euch meine Absolution", ruft ein verzweifelter Antonio Salieri alias Hannes Höchsmann mit ausgebreiteten Armen in die Sommernacht des Kurparks.

Von Leonore Welzin

Bad Wimpfen "Ihr Mittelmäßigen überall in der Welt, ich erteile ich euch meine Absolution", ruft ein verzweifelter Antonio Salieri alias Hannes Höchsmann mit ausgebreiteten Armen in die Sommernacht des Kurparks. Nach seiner Giftmord-Beichte und einem Selbstmordversuch kapituliert der Repräsentant des Mittelmaßes und Kontrahent des Musikgenies Mozart. Seine windigen Zuträger blasen die Kerzen aus. Ein Lacher aus dem Off, quasi als letzter Gruß aus der Gruft, lässt eine Techno-Variante eines von Mozarts Stücken anspringen.

Geprellt Mit dieser Metapher für die Unsterblichkeit des Frühvollendeten, mit Bravorufen und Riesenbeifall endet Peter Shaffers "Amadeus" in der ausgezeichneten Inszenierung (Wolf E. Rahlfs) der Badischen Landesbühne Bruchsal. Salieri fühlt sich um den Ruhm geprellt, als 1781 der von Gott geliebte, 25-jährige Amadé in Wien auftaucht. Ole Xylander gibt Mozart als anarchisches Kind und schillernden Paradiesvogel. Seine Obszönität schockiert, sein Talent raubt den Atem.

Von Arien aus dem "Serail" bis zum tränentreibenden "Lacrimosa" glaubt der neiderfüllte Italiener darin die Stimme Gottes zu hören. Das Netz seiner Intrigen ist ein Kampf gegen den Allmächtigen, Mozart dient ihm nur als Waffe.

Karikaturen Erzählt werden die letzten Lebensjahre Mozarts. Trefflich ausgestattet (Bühne: Ines Unser; Kostüme: Franziska Smolarek) karikieren die Schauspieler die höfische Gesellschaft, allen voran Cornelia Heilmann in der Hosenrolle eines alternden Kaisers Joseph II. Markus Hennes (Graf Orsini-Rosenberg), Stefan Holm (Baron van Swieten), Manfred Rieger (Graf von Strack) und Andrea Nistor (Cavalieri) parodieren was die Rollen hergeben. Absolut erlebenswert.

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