Was die neue Ausstellung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall bietet
In der Ausstellung "Die dritte Dimension im Bild" sind ab Montag, 3. Juni, 140 Werke von insgesamt 50 Künstlern zu sehen. Im Mittelpunkt stehen Hologrammkunst und optische Illusionen, die die Besucher herausfordern und überraschen sollen. Ein Rundgang.

Schon seit der Antike spielen Künstler mit der Wahrnehmung des Menschen, beweisen ein ums andere Mal, wie einfach wir doch zu täuschen sind. Der Betrachtende wird herausgefordert mit Werken, die sich - je nach Blickwinkel oder Lichteinfall - in Sekundenschnelle verändern können. "Wer sich bewegt, sieht mehr", sagt C. Sylvia Weber, Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur bei Würth, am Freitag vor dem Presserundgang in der Kunsthalle Würth mit Blick auf die 140 Werke von insgesamt 50 Künstlern, die in der Ausstellung "Die dritte Dimension im Bild. Hologramme und optische Illusionen in der Sammlung Würth" ab Montag, 3. Juni, zu sehen sind. Die Schau läuft anschließend bis Herbst kommenden Jahres.
Neue Technologien eröffnen für Künstler bisher nicht vorhandene Möglichkeiten. Die Ausstellung in Schwäbisch Hall, die trotz der aktuellen Umbaumaßnahmen im Zuge der Erweiterung der Kunsthalle stattfindet, ist deshalb auch ein Streifzug durch die Jahrzehnte und die sich immer erneuernde Verbindung von Kunst, Technologie und Wissenschaft.

Gezeigt wird kinetische Kunst, Lichtinstallationen und Schnittbilder
Da ist die kinetische Kunst, die sich Mitte der 1950er Jahre nicht nur durch prägnante, optische Effekte auszeichnet, sondern auch durch eine Abwendung vom statischen hin zum bewegten Bild. Ein partizipatorischer Gedanke, der auch für die optische Kunst (Op Art) in den 60ern gilt, die sich aus der experimentellen Tradition des Bauhauses entwickelt. Der Betrachtende kann durch seine eigene Bewegung im Raum das Seherlebnis verändern und mitbestimmen.
In Schwäbisch Hall sind unter anderem Werke von Ugo Dossi (*1943), Isolde Maria Joham (1932-2022) Andy Warhol (1928-1987) und Victor Vasarely (1906-1997) zu sehen, die den Blick bannen oder irritieren, Arbeiten, die durch flirrende Oberflächen, Linien und Muster scheinbar in Schwingung versetzt werden. Da ist zum Beispiel François Morellets (1926-2016) Siebdruck "Zufällige Verteilung von 40 000 Quadraten, den geraden und ungeraden Ziffern eines Telefonbuchs folgend, 50 % Rot, 50 % Grün" (1961), der pixelartig an einen QR-Code erinnert.

Da sind Werke von Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker, die sich ab 1958 in der Düsseldorfer Künstlergruppe Zero zusammenfanden. Die Arbeiten von Patrick Hughes (*1939) konfrontieren den Betrachter mit dem Spiel sich ständig verändernder Perspektiven und fordern ihn heraus, sein eigenes Verständnis von Blickwinkel und Vision zu hinterfragen. Denn: In den Werken des Briten ist der am weitesten entfernte Punkt des dargestellten Raumes dem Betrachter am nächsten.
Dazu kommen Lichtinstallationen, Schnittbilder von Lucio Fontana (1899-1968) - Eingriffe mittels scharfer Messerschnitte in meist monochrom bemalte Flächen - oder Videokunst wie Fabrizio Plessis (*1940) hypnotisierend-fließender "Golden Waterfall".
Hologrammkunst zu verschiedenen Themen
Einen großen Raum in der anregenden Ausstellung nimmt Hologrammkunst ein: 50 Werke, darunter die von Würth neu erworbene Sammlung von Matthias Lauk, dem 2009 verstorbenen Gründer des Pulheimer Holografie-Museums. Dazu gehören Arbeiten von Stephen A. Benton, Rudi Berkhout, Edwina Orr und Mike Mielke. Um bei den changierenden Lichtgebilden den gewünschten Effekt zu erzielen, sind in der Kunsthalle hier und da Hilfestellungen auf dem Boden markiert. Thematisch reichen die Hologramme von pazifistischen und feministischen Aspekten - wie Carl Fredrik Reuterswärds (1934-2016) holografische Version seiner berühmten "Non-violence"-Skulptur, einer Pistole mit verknotetem Lauf, die vor der Zentrale der Vereinten Nationen in New York steht - bis zu Porträts von Boy George und Ex-Fußballer Pierre Littbarski oder einem Hai, der mit einem kleinen Schritt nach rechts oder links sichtbar wird. Eine Ausstellung, die Auge und Geist gleichermaßen fordert.
Öffnungszeiten und Infos: Die Ausstellung "Die dritte Dimension. Hologramme und optische Illusionen in der Sammlung Würth" ist ab Montag, 3. Juni, bis Herbst 2025 zu sehen. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr. Eintritt frei, ein Ausstellungskatalog ist in Planung. Mehr Infos zu Schau und zum Begleitprogramm unter www.kunst.wuerth.com.
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