Viel Beifall für Revolutionsdrama "Dantons Tod" im Theater Heilbronn
Heilbronn - Alle Macht dem Volk. Die res publica, die Sache des Volkes, ist das Ziel. Und für diese Republik müssen Köpfe rollen. Oder eher nicht? Die Frage ist gestellt, um die Antwort wird gerungen in Georg Büchners Revolutionsdrama "Dantons Tod".

Nun muss endlich Schluss sein, meint Danton, während Robespierre und St. Just das Ziel noch lange nicht als erreicht betrachten. Das ist der Kern der Auseinandersetzung, den Heilbronns Intendant Axel Vornam in seiner Inszenierung des Klassikers aus dem Jahr 1835 herausarbeitet. Vom Premierenpublikum gab es am Samstagabend im Großen Haus viel Applaus für seine Deutung dieses blutigen Stoffs.
Utopiefreie Zone
Die Aktualität steht außer Frage. Vielleicht nicht unbedingt in der utopiefreien Zone Deutschland, in der gesellschaftlicher Fortschritt in Euro und Cent gemessen wird. In Tunesien, Ägypten, Libyen oder auch Syrien ist das Thema durchaus relevant. Und wer weiß, ob nicht auch in Griechenland, Spanien oder bald schon Frankreich, wo sich der Kreis zu Büchner schließen würde, solche Diskussionen geführt werden. Rollende Köpfe in den Regierungen wünscht man sich dort im übertragenen Sinn durchaus.
Durchgangsraum
Das mag mit ein Grund sein, warum Vornam seine Inszenierung in einem zeitlosen Durchgangsraum (Ausstattung: Tom Musch) ansiedelt: Unten der schlammige Untergrund, in dem das Volk auch nach fünf Jahren Revolution noch immer lebt. Nach oben führen Treppen, doch was erwartet einen dort? Auf den Stufen lässt Vornam die Revolutionäre ihre Wortgefechte austragen. Büchners Text − darunter flammende Reden und verzweifelte Appelle − ist philosophisch höchst anspruchsvoll, mitunter auch sperrig. Zweieinhalb Stunden diskutieren die Kontrahenten, streiten um den richtigen Weg: ein intellektueller Kampf um existenzielle Fragen. "Die Waffe der Republik ist der Schrecken", tönt Robespierre, und sein Kontrahent Danton befürchtet: "Die Ehrlichkeit verliert den Atem." Er wird am Ende seinen Kopf verlieren.
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