Theaterschiff Heilbronn präsentiert sein Programm für den Sommer
Wiederaufnahmen und Entdeckungen: Das Programm aus Theater, Musical, Lesung, Strip und Tanz steht bis Juli. Nach Auseinandersetzungen hinter den Kulissen und mit einem neuen Vorstand will das Theaterschiff als Ort der Begegnung wieder Präsenz zeigen.

Ambitioniert und divers sollte die erste Spielzeit sein. Inzwischen haben Philipp Wolpert und Tobias Frühauf Erfahrungen gesammelt als künstlerische Leiter einer eigenen Spielstätte - und stellen jetzt ihr zweites Programm vor für das Heilbronner Theaterschiff.
Elf Produktionen in 32 Vorstellungen sind bis Ende Juli geplant. "Begegnung" lautet das Spielzeitmotto, versteht sich doch die schwimmende Bühne am Neckar als eben solchen Begegnungsort für ein möglichst breites Publikum. Dass die Fokussierung auf ein sogenanntes junges Publikum nicht zwangsläufig den gewünschten Zulauf bringt, hat das Theaterschiff in den vergangenen Monaten erlebt.
Es gibt einen Interessenten für die Gastronomie
Das Theaterschiff gehört dem gleichnamigen achtköpfigen Verein, Ende vergangenen Jahres kam es zu heftigen Auseinandersetzungen hinter den Kulissen über den Kurs des Schiffes, auch stand der Verkauf des ehemaligen Lastkahns im Raum. Seit Ende Januar gibt es einen neuen Vorstand, Heinz Kipfer, einst Mitbegründer von Süddeutschlands erstem Theaterschiff, ist derzeit noch Mitglied des Vereins.
Den neuen Vorstand bilden Stefan Belz, Florian Staiger und André Müller. Vorstandsmitglied und Gastronom Jochen Wieland ging bereits im Februar von Bord. Inzwischen hat man einen Interessenten für den Thekenbetrieb auf dem Schiff, noch muss ein Vertrag unterschrieben werden.
Freie Hand bei der Programmgestaltung
Belz, Prokurist bei Boyn Bürokommunikationssysteme, Staiger, Prokurist bei hms Designsolutions, und Müller, Geschäftsführer bei 21dynamic und somit für das Open-Air-Kino Heilbronn verantwortlich, haben eine GmbH gegründet. Bei der Programmgestaltung lassen die Jungunternehmer Wolpert und Frühauf freie Hand.
Der geplante Start in die zweite Spielzeit am 23. März mit einer 24-Stunden-Lesung mit Ilija Trojanow fällt krankheitsbedingt aus. Ein Ersatztermin wird gesucht. Richtig los geht es dann am 5. April mit einer Wiederaufnahme unter neuem Namen. "Boulevard Berlin" titelt nun das 20er-Jahre-Musical von und mit Fabian Egli, das als "Heut gehn" wir morgen erst ins Bett" zu sehen war. In "Merry Stripmas" waren die Sexarbeiterinnen und Performerinnen Alice La Douce, Disco Bitch, Icy Ivy, Mia Onacid und River Roux aus Berlin im Dezember auf dem Theaterschiff zu erleben, im April, Juni und Juli erzählen und inszenieren sie ihre eigenen Geschichten in der Show "A Stripper"s Closet".
Schein und Sein
Der Schauspieler und langjährige Intendant vom Theater Ulm, Andreas von Studnitz, ist ab 19. April sieben Mal in "Event", einem Stück von John Clancy zu sehen, eine Reflexion über das Theater, das Publikum, Schein und Sein. Unter dem neuen Titel "60 Min. Of Marilyn" steht der Monroe-Abend "I"ll finally get to see Marilyn" ab Ende April wieder auf dem Spielplan, eine Hommage von und mit Nicole Widera.
"Muinda" heißt das Solo-Musical von Belendjwa Peter und Marco Girardin, das mit West End- und Broadway-Traditionen spielt und vom Leben einer neurodiversen, nicht-binären, schwarzen Person erzählt. 2021 am Schauspiel Dortmund entstanden, ist "Muinda" an vier Abenden im Juli in Heilbronn zu sehen. Weiterhin kooperiert das Theaterschiff mit dem Literaturhaus. Am 20. April lesen mit Alexander Estis, Slata Roschal und Alexander Graeff junge, deutsch-jüdische Autoren, unterstützt von der Schauspielerin Leni Karrer. Das Trio Die Verwandlung aus Hamburg verdichtet Frank Kafkas Werk mit Mitteln der Musik und der darstellenden Künste und ist am 20. Juni zu Gast.
Die künftige Königin des Rap
Wiederaufgenommen wird die CSD-Warm-Up-Party-Performance "Aqueerium" am 28. Juni, einen Abend vor dem CSD-Umzug in Heilbronn. Das Tanzstück "Cho-Cho San" von und mit Nene Okada und Marco Girardin nach der Erzählung "Madame Butterfly" als Produktion des Düsseldorfer Schauspielhauses wird am 10. und 11. Mai aufgeführt.
Ebenfalls im Mai liest Seyda Kurt aus "Hass" von der Macht eines widerständigen Gefühls. Ist Antifuchs die künftige Königin des Rap? Beim Konzert am 31. Mai kann man sich das mal anhören und ansehen.
Info und Karten: www.theaterschiff-heilbronn.de
Theaterduo: Bekannt als Theaterduo Tacheles und Tarantismus, schreiben und inszenieren Philipp Wolpert (27) und Tobias Frühauf (30) auch selbst Texte und waren gemeinsam mit dem Autor und Architekten Friedrich von Borries Initiatoren des Projekts "Heilbronn - Hauptstadt der Folgenlosigkeit". Für die neue Spielzeit des Theaterschiffs haben die ambitionierten Cousins aus Heilbronn kein eigenes Stück geplant. Ende September startet die Spielzeit mit einer Theaterschiff-Produktion von Lena Brasch aus Berlin.
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