Schöpfer der Käthchen-Skulptur
Bildhauer und Kunsterzieher Dieter Läpple wird heute 70 Jahre alt

Heilbronn - Ach, was regten sich die Heilbronner im Juli 1965 über das „Käthchen“ von Dieter Läpple auf. „Ein viel zu langer Oberkörper“, schrieb ein erboster Leser der Heilbronner Stimme damals, „mit Hühnerbrust und viel zu stark ausgeprägtem Hinterteil. Ich glaube, das Käthchen war viel hübscher.“
Die Emotionen mögen hochgekocht sein: Für den damals erst 27-jährigen Bildhauer und Kunsterzieher Dieter Läpple (Foto: Dirks) jedoch bedeutete der Ankauf des bezopften Bronzemädchens, das heute ganz in der Nähe des Fleischhauses steht, nichts weniger als seinen persönlichen Durchbruch als Künstler. In der ganzen Republik, von Hannover bis Bad Urach, wurde er später angefragt. Zwanzig Skulpturen und Brunnen stehen inzwischen im öffentlichen Raum.
Privatmuseum
Heute feiert er seinen 70. Geburtstag. In Oberheimbach in der Nähe von Öhringen wird er 1938 geboren. An der Kunstakademie Stuttgart studiert er Bildhauerei, später wirkt er an der Technischen Hochschule Braunschweig. 1971 kehrt Läpple nach Heilbronn zurück. Bereits 1975 entsteht der Seeräuber-Brunnen in Böckingen, 1988 der Linsafamer-Brunnen in Neckargartach. 1979 lässt er in der Jägerhausstraße ein damals gewagt anmutendes Wohnhaus mit integriertem Atelier bauen, das er im letztem Jahr als Privatmuseum der Öffentlichkeit zugängig gemacht hat. „Jetzt kann man mich schließlich noch löchern“, so Dieter Läpple. Dass ihn sein „Käthchen“ sein ganzes Leben nicht loslassen würde, hätte er das je vermutet? Mehr denn je wird er heute auf sein Käthchen angesprochen, immer wieder wird er aufgefordert die Ideengeschichte zu erläutern. „Mein Käthchen gleitet schwerelos dahin, ist doch klar, schließlich waren wir 1965 im Weltraumzeitalter. Mein Käthchen, das ist die kosmische Macht der Liebe.“
Käthchen-Parade
Wenn Läpple heute einen Stadtbummel macht, wird er von einer ganzen Käthchen-Parade begrüßt. Die 78 kunstvoll gestalteten Glasfaserfiguren wurden seiner „bezopften Windsbraut aus Bronze“ – so schrieb „Die Zeit“ 1965 – nachempfunden.
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