Sänger Götz Alsmann: "Wir müssen das Wort Schlager zurückerobern"
Am Samstag kommt Entertainer Götz Alsmann mit seinem Programm "L.I.E.B.E." ins Audi Forum nach Neckarsulm. Wir haben uns mit dem Musiker vorab über seine Vorliebe für Schlager und eine mögliche Rückkehr des bekannten TV-Formats "Zimmer frei!" unterhalten.

Am Samstag um 20 Uhr kommt Götz Alsmann für ein Konzert ins Audi Forum nach Neckarsulm. Für ein Interview erreichen wir den Musiker und Entertainer in seiner Geburtsstadt Münster, in der er bis heute lebt. Ein Gespräch über die aktuelle "L.I.E.B.E."-Tournee und Alsmanns Faible für Schlager.
Herr Alsmann, Sie kommen mit Ihrem aktuellen Album "L.I.E.B.E.", das Ende 2020 erschienen ist, nach Heilbronn. Ist zu diesem Thema nicht eigentlich schon alles gesagt?
Götz Alsmann: Das denkt man, bis man mich gehört hat (lacht). Aber klar, es ist natürlich das Thema Nummer eins in allen musikalischen Kulturen. Wir bündeln unsere musikalischen Erkenntnisse, aber ohne Rücksicht auf Verluste.
Sie haben für das Album deutsche Schlager aus den 1920ern bis zu den 1960ern ausgesucht, darunter Songs von Johannes Heesters oder Greetje Kauffeld. Was hat Sie daran fasziniert, den alten Liedern einen neuen Anstrich zu verpassen?
Alsmann: Ich bin der Meinung, dass die von den alten Meistern des Schlagers komponierten Lieder musikalisch in jeder Hinsicht auf dem Niveau von George Gershwin, Cole Porter oder Jerome Kern stehen. Komponisten wie Theo Mackeben, Michael Jary oder Werner Bochmann waren Meister, immer auf der Höhe der jeweiligen Zeit und allesamt perfekt ausgebildete Theaterkomponisten. Diese Lieder sind prädestiniert dafür, jazzhaft gespielt zu werden. Wir spielen zwar Schlager-Material, aber als Jazzband.
Warum bewahren viele Menschen eine gewisse Distanz zu Schlagern?
Alsmann: Das liegt am Niedergang des Schlagers in den 70er Jahren. Bis Ende der 60er Jahre war Schlager kein Schimpfwort in Deutschland. Das wurde es erst durch die "ZDF-Hitparade" und durch eine Komponisten- und Interpreten-Generation, die dem vorherigen Niveau nicht mehr entsprochen hat. Viele Menschen, die in den 70er Jahren für ein Gros der Schlager-Produktionen verantwortlich waren, waren frustrierte Beatmusiker, die mit ihrem kleinen musikalischen Haushalt entsprechendes Liedgut zu Wege gebracht haben. Ausnahmen gab es natürlich immer.
Und wann haben Sie Ihr Faible für Schlager entwickelt?
Alsmann: Das hat mich schon immer begeistert. Wir müssen das Wort Schlager zurückerobern und sollten das Wort wieder angstfrei verwenden. Schlager ist ja kein musikalischer Gattungsbegriff, das Wort sagt nur aus, dass es ein Lied in deutscher Sprache ist. Ich hatte übrigens kaum je ein Interesse an Rockmusik, in meiner Jugendzeit habe ich hauptsächlich Oldtime-Jazz gehört. Das galt in meinem Freundeskreis fast als eine Form von Rebellion.
Sie haben auch eine Leidenschaft für alte Filme. Geben Sie uns einen Tipp.
Alsmann: Ein wichtiger deutscher Film ist für mich "Die Stimme des Anderen" von 1951. Ein gut gemachter, durchaus humorvoller Kriminalfilm im Revuetheater-Milieu, aus dem wir übrigens auch zwei Stücke spielen. Mit Erich Engel wurde für die Produktion sogar ein DEFA-Regisseur eingekauft. Ein Film, der mich auch immer wieder beeindruckt, ist "Lost Horizon" von 1937. Für mich einer der besten amerikanischen Streifen aller Zeiten.
Sie waren und sind viel in der Welt unterwegs, leben aber immer noch in Ihrer Geburtsstadt Münster. Warum haben Sie Ihren Lebensmittelpunkt nie in eine Metropole verlegt?
Alsmann: Ich gastiere doch als Musiker regelmäßig in Städten wie Berlin und Hamburg. Zudem war ich schon in jungen Jahren sehr viel auf Tournee und hatte nie das Gefühl, dass da, wo ich bin, nichts los ist oder dass dort, wo ich nicht bin, eine Menge los ist. Münster hat übrigens jede Menge zu bieten, es ist eine Großstadt, die man nicht unterschätzen sollte.
Sie sind Honorarprofessor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und haben dort auch 1984 mit der Dissertation "Die unabhängigen Schallplattenfirmen und die Entwicklung der amerikanischen populären Musik" promoviert. Wie blicken Sie auf die Musik, die heute aus den USA nach Deutschland kommt?
Alsmann: Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, was derzeit in den Charts ist - weder in den USA, noch in Deutschland. Das ist alles sehr weit weg von meinem Leben und meiner Wahrnehmung.
Vor 25 Jahren lief die erste Ausgabe von "Zimmer frei!" im WDR. Das Kult-Format endete 2016. Kommt die Show noch einmal zurück?
Alsmann: Ich vermute mal, dass es die Sendung so nicht mehr geben wird. Im Zeitalter von Social Media, Dauerempörung und schnellem Beleidigtsein kleinster Partikular-Interessengruppen glaube ich nicht, dass dieses freisinnige Format noch eine Chance hat.
Sie sind nun wieder auf Tour. Ob 2G, 3G+ oder 3G - bei Veranstaltungen gelten während der Corona-Pandemie unterschiedliche Regeln.
Alsmann: Ich bin klar für das Impfen, aber ansonsten weiß ich auch nicht mehr als alle anderen. Ich bin generell kein Freund davon, sich nur weil man eine gewisse Popularität hat, zu allen Fragen des Lebens lautstark zu äußern. Das wird schnell peinlich. Keine Ahnung, warum man auf die Idee kommt, dass jemand, der vielleicht ganz schön Klavier spielen kann, gleichzeitig im Nebenberuf Virologe ist.
Konzert in Neckarsulm
Samstag, 20 Uhr, Audi Forum, Karten ab 21,45 Euro in den Geschäftsstellen unserer Zeitung und unter www.reservix.de.

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