Romantik kennt keine Grenzen
Heilbronn - Zum dritten Mal eröffnet das Enigma-Trio die Kammermusik-Saison in der Kreissparkasse. Konstanze Felber (Violine) und Gabriel Faur (Violoncello) vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn möchten mit Pianist Maciej Szyrner jedes Werk als Rätsel erfahren. Da ist liebevolles Dechiffrieren gefragt.

Heilbronn - Zum dritten Mal eröffnet das Enigma-Trio die Kammermusik-Saison in der Kreissparkasse. Konstanze Felber (Violine) und Gabriel Faur (Violoncello) vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn möchten mit Pianist Maciej Szyrner jedes Werk als Rätsel erfahren. Da ist liebevolles Dechiffrieren gefragt.
Gerade unbekannte Schätze wollen sorgsam beleuchtet werden, denn man hat nicht alle Tage Kammermusik von Niels Wilhelm Gade und Ermanno Wolf-Ferrari auf dem Pult. Gade brachte es vom Schreinerlehrling zum vielbeachteten Komponisten, kleinliche Scharmützel in Zeiten deutscher Nationalstaaterei zwangen den Leipziger Gewandhausdirigenten zurück in die dänische Heimat. Aber Romantik kennt keine Grenzen, in Gades Klaviertrio F-Dur op. 42 (1863) klingt das Vorbild Mendelssohns kräftig nach. Eingangs verteilt das Enigma-Trio seine gestalterischen Kräfte auf zwei melodienselige Allegro-Sätze. Klangschön schwingt luftig durchbrochene Thematik zwischen Streichern und Klavier, es regiert maßvolle Emphase, im Andantino naturhaftes Ausspinnen der Linie. Konstanze Felber artikuliert im Detail, während sich Gabriel Faur durch einen flächig-überlegenen Cello-Ton in allen Lagen auszeichnet. Maciej Szyrner blickt manchmal etwas angestrengt in die Noten, pendelt aber mühelos zwischen geschmeidigem Anschlag und pointierter Geste.
Die Zeitläufte nagten stets an der Schaffenskraft von Ermanno Wolf-Ferrari, der als Hermann Friedrich Wolf in Venedig zur Welt kam. Wer nur den konservativen Komponisten kennt, ist vom waghalsigen Esprit des frühen Klaviertrio Nr. 1 D-Dur op. 5 (1897) überrascht.
Selbstbewusst wird Italiens Belcanto-Wahn aufs Korn genommen, mit Spielwitz stürzen sich Konstanze Felber und Gabriel Faur auf opernhafte Phrasen und rezitativische Einwürfe. Man duettiert, streitet, wirft sich seltsame rhythmische Gebilde an den Kopf, scheinbar überzählige Noten bilden den Spagat zwischen buffonesker Maske und artifiziellem Anspruch. Unverblümt karikiert Wolf-Ferrari seinen Lehrer Rheinberger, entlarvt das hohle Pathos aus dessen Klavier-konzert im Schlusssatz.
Entflechten Nach der Pause erklingt Theodor Kirchners Triobearbeitung des Streichsextetts B-Dur op. 18 von Johannes Brahms. Hier hat Maciej Szyrner nun buchstäblich alle Hände voll zu tun, während Konstanze Felber und Gabriel Faur den dichten ersten Satz motivisch entflechten. Genug Raum bleibt für kecke Ländler-Spielereien, eng am pulsierenden Leben steigert sich die Durchführung.
Archaisch düster werden die Variationen des Andante eingefärbt, entspannter bringt das Scherzo romantische Klang-Chiffren. Bravorufe sind unter der Glaspyramide eher selten, aber berechtigt nach dem spannenden Finale-Schlusssatz.
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