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Heilbronn

Rammstein, Gummibaum und ein Ritterschlag

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Maybebop-Bassist Sebastian Schröder über ihre Fanbasis in Heilbronn − Konzert im Stadttheater

Gilt als Deutschlands A-Cappella-Band Nummer eins: Maybebop aus Hannover. Kommenden Donnerstag tritt die Gruppe um Bassist Sebastian Schröder (dritter von links) im Theater Heilbronn auf. Foto: privat
Gilt als Deutschlands A-Cappella-Band Nummer eins: Maybebop aus Hannover. Kommenden Donnerstag tritt die Gruppe um Bassist Sebastian Schröder (dritter von links) im Theater Heilbronn auf. Foto: privat

Die A-cappella-Wellen kommen und gehen, doch nur wenige Formationen gelingt es, sich auf dem Musikmarkt zu behaupten. Zu den großen Ausnahmen gehört das Quartett um den Bariton Oliver Gies, der 1992 in Hannover Maybebop begründet hat: Ein Quartett, das sich ursprünglich auf die Jazz-Tradition des Bebop berief. Nach allerlei Umbesetzungen ist das Quartett längst in Pop-Gefilden angekommen. Heute werden ihr Songs nicht nur von Rammstein gecovert. Michaela Adick hat sich mitMaybebop-Bassist Sebastian Schröder unterhalten.

Nach all Ihren Erfolgen, auch in den Charts, ist man beinahe erstaunt zu erfahren, dass Sie immer noch Mitglied im Chorverband sind. Was bedeutet der Verband für Sie?

Sebastian Schröder: Natürlich klingt das ein wenig angestaubt, nach Kleinbürgertum, nach Vereinsmeierei und so weiter. Aber der Chorverband ist und bleibt für uns ein Stück Heimat, eine Heimat, die in Gefahr ist. Viele Männergesangsvereine werden die nächsten Jahre nicht überleben. Aber es tut sich auch etwas in der Szene. Da muss ich nur an Leute wie etwa Susie Frech denken. Dann bin ich ganz zuversichtlich (tippt in seinem Computer). Genau, das war im November 2009. Zusammen mit der Leiterin der Chorvision (Jugendverband des Chorverbandes Heilbronn, Anm. d. Red.) haben wir in der Harmonie einen prima Workshop abgehalten.

Mit Ihrem Song "Engel", der später von Rammstein gecovert wurde, haben Sie aber nicht immer offene Türen eingerannt. Wieso wurden Sie angegriffen?

Schröder: Ich glaube, das war damals ein Missverständnis. Rammstein hatte zu jener Zeit einfach noch einen denkbar schlechten Ruf, obwohl sie ja ursprünglich aus der linken Punk-Szene kommen. Wahrscheinlich stieß bei unseren Kollegen ihr rechter, martialischer Habitus auf. Aber das ist eine alte Geschichte. Unser "Engel" war schon Pflichtstück im Chorwettbewerb, und bedauernswerte Abiturienten mit Leistungskurs Musik mussten letztens gar eine Musikanalyse vornehmen. Das war schon ein Ritterschlag für uns.

Aufmerksamkeit haben sie auch bekommen, als Ihr Song "Gummibaum", in dem Sie unser laizistisch gefärbtes Weihnachtsfest aufs Korn nehmen, in der Türkei verboten wurde. Waer das noch so ein Missverständnis?

Schröder: Unser lamettageschmückter "Gummibaum", den wir mit türkischen Pop-Rhythmen untermalt hatten, war tatsächlich eine Weile im türkischen Netz nicht erreichbar, eine komische Geschichte. Dabei war doch unsere Botschaft klar und verständlich.

Schon eine gute Tradition sind Ihre Weihnachtsplatten. Auf Ihrer jüngsten Scheibe feiern Sie "Geburtstag bei Gotts". Was für eine Geschichte erzählen Sie?

Schröder: In diesem Song verhandeln wir so allerlei. Etwa, warum Jesus immer noch beim lieben Gott wohnt und was es mit den Selbstmordattentätern in der arabischen Welt auf sich hat.

Das müssen Sie genauer erklären.

Schröder: Nun gut, bei unserem "Geburtstag bei Gotts" treffen sich halt allerlei Götter, darunter Thor, Odin, Allah und so weiter. Allah entschuldigt sich in dieser Runde für die Selbstmordattentate. Der christliche Gott darauf: "Reg" Dich nicht auf, hatten wir auch". Aber keine Angst, neben unseren etwas zynischen Liedern gibt es auch allerhand traditionelles Liedgut.

Das muss Ihnen, der ursprünglich aus der Klassik kommt, doch sehr entgegenkommen, oder?

Schröder: Unter uns: Ich würde schrecklich gerne mal wieder eine Bach-Kantate singen. Ich hab"s auch fest vor. Doch bei unseren rund 110 Auftritten im Jahr: Wie soll das funktionieren?

 

Konzert in Heilbronn

Am Donnerstag, 3. Dezember, 20 Uhr, tritt Maybebop mit ihrem Weihnachtskonzert "Schenken − Achtung Weihnachtslieder" in der Reihe Theater spezial im Großen Haus des Stadttheaters Heilbronn auf. Karten zu 25 Euro unter 07131 - 56 3001 und an der Abendkasse.

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