Psychospiel mit Schockeffekten

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Öhringen - Nichts für schwache Nerven ist Sebastian Fitzeks Kriminalroman "Der Seelenbrecher". Die Dramenfassung von Marc Gruppe ist es ebenso wenig, da sich eine mysteriöse, aber akute Gefahr, in der sich die Akteure befinden, von der Bühne unmittelbar auf die Zuschauer überträgt – wenn auch das Ende enttäuscht.

Von Michael Dignal
In einer Nervenheilanstalt bricht der blanke Horror aus. Die Patienten sind eingeschlossen, und unter ihnen muss der sadistische "Seelenbrecher" sein. In der Öhringer Kultura waren 170 Zuschauer Zeuge des Psychospiels.Foto: Michael Dignal
In einer Nervenheilanstalt bricht der blanke Horror aus. Die Patienten sind eingeschlossen, und unter ihnen muss der sadistische "Seelenbrecher" sein. In der Öhringer Kultura waren 170 Zuschauer Zeuge des Psychospiels.Foto: Michael Dignal

Öhringen - Nichts für schwache Nerven ist Sebastian Fitzeks Kriminalroman "Der Seelenbrecher". Die Dramenfassung von Marc Gruppe ist es ebenso wenig, da sich eine mysteriöse, aber akute Gefahr, in der sich die Akteure befinden, von der Bühne unmittelbar auf die Zuschauer überträgt − wenn auch das Ende enttäuscht.

Es ist selten, dass sich das Publikum in der Öhringer Kultura jäh zwischen Entsetzen und Schockstarre gefangen sieht. Doch gerade das ist beim Gastspiel der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt der Fall, als ein blutender Mann wie ein Dämon gegen das Bühnenfenster schlägt, und allen im Saal der Atem stockt.

Zerrüttet

Von Anfang an: Zwei Patienten verfolgen in einer Nervenheilanstalt neueste Meldungen vom sogenannten Seelenbrecher, der bereits drei Frauen psychisch zerrüttet hat. Außer ihnen sind Professor Raßfeld, seine Kollegin Dorn, eine Krankenschwester und der Hausmeister in der Klinik. Der Sanitäter Tom und Doktor Bruck, scheinbar suizidgefährdet, kommen hinzu. Der Hausmeister lässt aus Angst vor dem Seelenbrecher voreilig die automatischen Gitter herunter, ohne den Öffnungscode zu kennen. Man ist eingeschlossen.

Als Raßfeld tot und Dorn offenbar paralysiert aufgefunden werden, steht fest: Der Seelenbrecher ist hier. Wie zur Bestätigung klatscht der seltsame Doktor Bruck bluttriefend gegen die Scheibe, die das Leben vom Tod zu trennen scheint. Der Horror beginnt, die Nerven liegen blank, und jeder verdächtigt jeden. Dann nimmt der ungeduldige Sanitäter Tom die Sache in die Hand, und einige bange Minuten später enttarnt sich der Seelenbrecher selbst. Er macht die Überraschung jedoch gleich zunichte, indem er seine Motive lang und breit darlegen muss, weil die uneingeweihten Zuschauer von der Vorgeschichte nichts wissen.

Schwachpunkt

Dass die komplexen Handlungszusammenhänge nachbereitet werden müssen, wo sie im Roman bereits erzählt sind, ist der einzige, aber entscheidende Schwachpunkt des Bühnenstücks, denn so verkommt der Schluss zu einem umständlichen Entwirrungsversuch. Und dass Tom den Übeltäter mit der Betäubungspistole im letzten Moment davon abhält, noch mehr Schaden anzurichten, ist nur ein schwacher Trost.

Leider brachte das Braunschweiger Tourneetheater keine Programmhefte mit, weshalb die 170 Zuschauer nicht wussten, wem sie da applaudierten. Ohne den deklamatorischen Schlussteil wäre der Beifall sicher stärker ausgefallen.

Sebastian Fitzek, "Der Seelenbrecher", 368 Seiten, Verlag Droemer Knauer, 8,99 Euro

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben