Popchor Open Doors feiert 25-jähriges Bestehen mit Konzert
Beim ausverkauften Jubiläumskonzert im Stadttheater zieht der Popchor Open Doors alle Register seines Könnens.

Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wenn die Open Doors auftreten, ist das Haus ausverkauft. Wie das Große Haus des Theaters am Sonntagabend. Seit 25 Jahren singt und swingt der einstige Gospelchor der katholischen Gemeinde Erlenbach als Popchor unter der Regie seines Dirigenten, Pianisten und Komponisten Uli Dachtler.
Der scheint, abgesehen von der lichten Schädeldecke, seither keinen Tag gealtert zu sein. Vergnügt wie ein Kind hält ihn die Vorfreude kaum auf dem Klavierhocker. Dachtler scherzt, Dachtler strahlt. Und Dachtler musiziert − auf eine herzerfrischende, ansteckende Weise. Stimmgewaltig und lebensfroh, so kennt man die Open Doors. Doch an diesem Abend scheinen sie nochmal ein paar Zentimeter gewachsen zu sein. Ein Hobby-Chor auf absolutem Profi-Niveau, der nie stillsteht, sondern mittanzt. Zwar nach Anleitung aufwendiger Choreografien, aber mit solcher individueller Leidenschaft, dass sich die Interpreten vor Sangeslust förmlich unter Noten und Tönen krümmen.
Glauben
Seit der Live-DVD 2015 überwiegen Eigenkompositionen. Sie umfassen das musikalische Lebenswerk des 60-jährigen Dachtler und seiner Frau Bärbel Henle. Lieder als lebensbejahende Mutmacher, von unerschütterlichem Glauben und Mitmenschlichkeit eines Kirchenchors mitreißend umgesetzt. Ein Wachmacher bereits das Intro "Immer noch". Ein Höhepunkt ist "Drei Uhr Dreizehn", zu dem Henle und Tochter Lena Fetter aus tiefgründiger eigener Erfahrung einen ergreifenden Dialog über mütterliches Loslassen führen.
Nicht fehlen darf "Baba Yetu", ein Vaterunser auf Suaheli. Wer "Bohemian Rhapsody" von Queen und Rammsteins "Engel" beherrscht − in einem Mix aus gesunder Härte und schwebendem Chorklang − gilt zurecht als Meister aller Klassen. Dachtler kann auf starke Solisten zurückgreifen. Forsch ist Alexander Haags stürmisch-drängende Interpretation der Studenten-Hymne "Die Gedanken sind frei". "Kleiner Held" und "Leben mit Herz" sind der Kinderklinik-Stiftung Große Hilfe für Kleine Helden gewidmet. Die Musik rührt das Herz. Politisch werden die Open Doors nur einmal: "Endstation Grenze" ist eine laute Anklage an eine Flüchtlingspolitik, die Alte und Kinder zurückweist.
Sinnlich
Verschnaufpausen bringen Instrumental-Zwischenspiele. Erst sie zeigen, dass hinter dem fantastischen Chor eine bärenstarke Band steht: Mario Finkbeiner (Schlagzeug) und Multitalent Christoph Müller (Percussion) bringen die Luft zum Knistern. Aus dem Bläser-Trio um Stefan Bender (Trompete) und Tobias Scheibeck (Posaune) ragt Berufstrompeter Felice Civitareale heraus. Darius Hummels sinnliche Saxofon-Soli sind zum Dahinschmelzen.
Als sich das Konzert mit Rock-Hymnen wie "Smoke on the Water" dem Höhepunkt nähert, verwandeln Wolfgang Heieck (Gitarre) und Roland Hank (Bass) den Kirchenchor in Deep Purple reloaded. Rodney Smithdale und Martin Blank ernten als raue Rock-Röhren stürmischen Applaus. In Zugaben führen Bärbel Henle in "Barcelona" und Saxofonist Hummel in "Amazing Grace" erneut ihre Ausnahmekunst vor. Während des Gute-Nacht-Lieds "Der Tag ist vorbei" verlässt der Chor in andächtiger Ruhe die Bühne, bis nur noch das einsame Glockenspiel leise verklingt. Ein kluger Schachzug: Wären die Open Doors nicht aufgestanden, hätte das Publikum sie nicht mehr gehen lassen.
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