Paul Panzer in Heilbronn: Etwa 1600 Besucher lauschen Comedian
Zwischen "Fatzebuk" und "Ditzko": Der Comedian Paul Panzer erfreut mehr als 1600 Fans in der fast ausverkauften Harmonie in Heilbronn. Der Abend geht unter dem Motto "Schöne neue Welt - Welcome To Hell" fast nie unter die Gürtellinie.
Klobürstenfrisur, Dreitagebart, Bauchansatz, Blümchenhemd unterm Sakko und Probleme bei der Aussprache von Wörtern wie Facebook, Influencer, Stress oder Disco. Beim Comedian Paul Panzer heißt das "Fatzebuk", "Influtscher", "Stretz" und "Ditzko". Für Chat GPT kennt er unzählige Aussprachevarianten. Dazu wandert er rastlos wie Rilkes Panther über die Bühne. 1600 Fans liegen dem in Köln lebenden gebürtigen Dürener (1972) am Samstagabend in der Heilbronner Harmonie zu Füßen.
Comedian Paul Panzer in Heilbronn: 1600 Besucher in Harmonie

Sein Publikum ist neun bis 99, so wie es früher auf den Brettspielen stand. Paul Panzer, der als Dieter Tappert geboren wurde, ist der bodenständige Comedian für die ganze Familie, auch weil sein neues Programm "Schöne neue Welt - Welcome To Hell" fast nie unter die Gürtellinie geht, kaum politisch wird, sondern witzig Themen wie Social Media, KI und Familienleben für alle verständlich verhandelt.
Dennoch schimmert manchmal eine Meta-Ebene durch, die Panzers Interesse an den großen Fragen der Gegenwart bezeugt. Er wirkt oft wie ein Sisyphus der Moderne, wie ein Hofnarr, der ungestraft Unbequemes aussprechen darf.
Paul Panzer in Heilbronn: In Familienhölle mit betagten Eltern
In die titelgebende Hölle führt der Abend nicht, eher in die sattsam bekannte Familienhölle mit den in der Eifel lebenden betagten Eltern, Ehefrau Hilde, Sohn Bolle und Tochter Susaska. Zum Brüllen die Nummer, in der Paul Panzer (eine von Disney-Comics inspirierte Alliteration wie Donald Duck oder Gustav Gans) die digitale Überforderung seiner Mutter mit Selfies und Sprachnachrichten mimisch und akustisch nachstellt. Der Vater hält Fische im Gartenteich, "weil die nicht sprechen". Ein Seitenhieb gegen die Gattin, der sich in Panzers Generation hinübergerettet hat. Seine Holde heißt Hilde, und seit Gerd Dudenhöffer wissen wir, dass das nichts Gutes verheißt. Panzers Frauenbild ist nicht das allermodernste, aber damit bildet er einfach nur die Gegenwart ab.
Sohn Bolle ist ein verschrobener Nerd, bei Stromausfall hilflos und unfähig, eine Pizza aufzubacken, Tochter Susaska eine im Social-Media-Sumpf versackte Dumpfbacke. Deren Lebensuntüchtigkeit überzeichnet Panzer sehr authentisch. "Man muss sich um sich selber kümmern": Diesen Ratschlag gibt uns der melancholische Philosoph auf den Weg.
Nach Jugenderinnerungen wird's bei Paul Panzer politisch
Er, der von seinem Vater einst mit vier Worten aufgeklärt wurde ("Nu pass aber auf"), zeigt das Älterwerden in Jugenderinnerungen mit Songs wie "Major Tom", Filmen wie "Dirty Dancing" oder "ET". Politisch wird es nach der Pause: "In jeder Himmelsrichtung haben wir einen Beknackten: Trump, der gute Comedy macht, der Nordkoreaner und Putin", den Panzer "Puttin" ausspricht. "Und der Zelenzki von der Ukrazaine war auch Komiker. Nicht, dass ich noch Bürgermeister von Heilbronn werde", ätzt der Comedian.
Wenn er vom Biene-Maja-Pyjama seiner Kindheit erzählt, von heimlich konsumierten Splatter-Movies oder Bolles missglücktem DJ-Job bei einer diamantenen Hochzeit, dann ist Panzer emotional ganz nah beim Publikum an der Schnittstelle von Tragödie und Komödie.
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