Nicht alles ist magisch: Die Konzertshow "The Magical Music of Harry Potter" in der Harmonie Heilbronn
Es geht viel um Nostalgie, wenn die bekannte Musik aus acht "Harry Potter"-Verfilmungen auf die Bühne gebracht wird. Und auch wenn das London Symphonic & Philharmonic Film-Orchestra überzeugt, vieles ist an diesem knapp zweieinhalbstündigen Abend unstimmig.

Die "Harry Potter"-Buchreihe gehört zweifelsohne zu den erfolgreichsten der Weltgeschichte. Viel ist passiert, seitdem die britische Autorin Joanne K. Rowling 1997 den ersten Band rund um den Waisenjungen, der als Zauberlehrling viele Abenteuer erlebt, veröffentlichte. Inzwischen ist der "Harry Potter"-Kosmos ein Imperium. Die Bücher wurden in 65 Sprachen übersetzt und weltweit über 400 Millionen Mal verkauft.
Die dazugehörigen Filme spielten rund acht Milliarden US-Dollar an den Kinokassen ein. Nicht zu vergessen die zahlreichen Merchandise-Artikel: Zauberstäbe, Süßigkeiten, Klamotten, Getränke, Poster - um nur einige zu nennen. In London gibt es sogar einen eigenen Themenpark an den Drehorten.
Ein Stück von diesem finanziell lukrativen Kuchen will auch das Konzert "The Magical Music of Harry Potter" abhaben. Am Freitagabend ist die Show zu Gast in der Heilbronner Harmonie. Wie der Name schon sagt, nimmt die Konzertreihe die Musik der insgesamt acht Filme in den Fokus. Und damit die Werke von bekannten Filmkomponisten wie Nicolas Hooper und den beiden Oscar-Preisträgern Alexandre Desplat und John Williams.
Musikalisch eintauchen in ein Erzähluniversum
Die Aufgabe des London Symphonic & Philharmonic Film-Orchestra und dem Dirigenten Taras Martynyk? Mit der Nostalgie der Fans spielen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene temporär in das einfallsreiche Erzähluniversum (zurück-)versetzen. Musikalisch gelingt das. Das Orchester, das aus ukrainischen Musikern besteht, erweckt den Zauber-Kosmos mit Melodien zum Leben: Das reicht von der Aufbruchstimmung bei der Ankunft in der Zauberschule Hogwarts bis hin zum dramatischen Kampf mit Bösewicht Lord Voldemort. Und, klar, dem berühmten "Hedwig"s Theme" von John Williams, das mit Glockenspiel-Thema, flirrenden Geigen und majestätischen Bläsern das Grundfundament des "Harry Potter"- Soundtracks bildet.
Und doch ist an diesem knapp zweieinhalbstündigem Abend vieles unstimmig. Nicht alles ist magisch. Da wäre zunächst ein brummendes Stromaggregat, das vor allem während ruhiger Passagen deutlich zu hören ist. Oder die wirklich scheußlichen Animationen auf den drei Videoleinwänden, die zwar thematisch zum jeweiligen Stück passen, optisch aber an Bildschirmschoner alter Computertage erinnern.
Ein Stargast, der so nicht angekündigt war
Etikettenschwindel ist auch der Stargast, war für Heilbronn auf den Werbeplakaten doch "ein echter Weasley" angekündigt, also ein Bruder von Ron Weasley, einem der Protagonisten der Filmreihe. Stattdessen übernimmt Schauspieler James Payton die Rolle des Conférenciers. Zur Einordnung: Der britische Schauspieler war als Frank Longbottom nur im fünften Filmteil für wenige Sekunden zu sehen - ohne ein einziges Wort zu sagen.
Geld rausholen kann man aber auch mit Darstellern aus der dritten Reihe: Selfies und Autogramme im Foyer kosten nach der Show jeweils zehn Euro. Paytons Moderation ist amüsant, wenn er kuriose Einblicke in die Dreharbeiten gibt oder mit dem Publikum ein launiges musikalisches Quiz bestreitet. Ansonsten? Reiht er Sparwitz an Sparwitz.
Die Fans, ob groß oder klein, haben Spaß in der gut gefüllten Harmonie. Manche sind als Zauberschüler verkleidet, viele haben einen Zauberstab dabei. Für viele ist "Harry Potter" eben mehr als ein paar Bücher oder Filme. Die Zauberwelt ist ein Sehnsuchts- und Wohlfühlort. Und deren Anhänger sind treu. Oder wie es Payton am Ende formuliert: "Ihr seid die Magie."
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