Meister des Volkslieds

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Tübingen - Musiker, nach denen eine Weinrebe benannt wurde, gibt es nicht viele. Der weiße Silcher ist eine 1951 in Weinsberg erfolgte Kreuzung aus Kerner und Silvaner zu Ehren des Komponisten Friedrich Silcher. Aus der Feder des heute vor 150 Jahren in Tübingen gestorbenen Komponisten stammen viele volkstümliche Lieder, die auch für heutige Chöre noch zum Pflichtrepertoire gehören.

Von Uwe Grosser
Friedrich Silcher hat Lieder wie "Drunten im Unterland" oder "Ännchen von Tharau" komponiert.
          Foto: Silcher-Museum
Friedrich Silcher hat Lieder wie "Drunten im Unterland" oder "Ännchen von Tharau" komponiert. Foto: Silcher-Museum

Tübingen - Musiker, nach denen eine Weinrebe benannt wurde, gibt es nicht viele. Der weiße Silcher ist eine 1951 in Weinsberg erfolgte Kreuzung aus Kerner und Silvaner zu Ehren des Komponisten Friedrich Silcher. Aus der Feder des heute vor 150 Jahren in Tübingen gestorbenen Komponisten stammen viele volkstümliche Lieder, die auch für heutige Chöre noch zum Pflichtrepertoire gehören: "Ännchen von Tharau", "Muss i denn zum Städtele hinaus", "Die Loreley" (Ich weiß nicht, was soll es bedeuten) oder "Drunten im Unterland" sind nur ein paar dieser Silcher"schen Berühmtheiten.

Lehrerssohn
 
Der am 27. Juni 1789 im Schulhaus von Schnait im Remstal als Sohn des Lehrers geborene Silcher verliert schon mit fünf Jahren den Vater. Dessen Nachfolger übernimmt nicht nur das Amt des Lehrers, sondern auch gleich noch die Frau: Er heiratet die Witwe. Bei seinem Stiefsohn entdeckt er schnell ein musikalisches Talent, das kräftig gefördert wird.

Weil der Bub ebenfalls Lehrer werden soll, schickt man ihn 1803 als Schulknecht nach Fellbach zum Lehrer und Organisten Nikolaus Ferdinand Auberlein − ein entscheidender Schritt für Silchers musikalische Ausbildung. Nach der Lehrzeit wechselt er 1806 als Lehrgehilfe nach Schorndorf und nimmt außerdem eine Stelle als Hauslehrer beim Kreishauptmann Freiherr von Berlichingen an. Dieser Nebenjob eröffnet ihm drei Jahre später ganz neue Möglichkeiten: Als der Freiherr nach Ludwigsburg umzieht, nimmt er den Hauslehrer einfach mit und verschafft ihm eine Stelle an der Ludwigsburger Mädchenschule.

Pestalozzi-Anhänger

Dort kommt Silcher in Kontakt mit Anhängern des Pädagogen Pestalozzi, für den die Musik eine wesentliche Säule der Bildung darstellt. Diese Begeisterung für Pestalozzi bringt Silcher 1809 nach Heilbronn, wo er einen mehrtägigen Lehrgang über dessen pädagogische Theorien besucht.

In Ludwigsburg schlägt sein musikalisches Herz höher. Dort lernt er Carl Maria von Weber und Conradin Kreutzer kennen, die ihm empfehlen, seinen musikalischen Weg konsequent weiterzugehen. Silcher folgt nicht nur diesem Rat, sondern auch Kreutzer nach Stuttgart, wo er bei ihm Unterricht in Klavier und Komposition nimmt. In Stuttgart lernt er auch den Theologen Jonathan Friedrich Bahnmaier kennen, in dessen Familie intensiv die Hausmusik gepflegt wird − und Silcher ist bald mittendrin.

1817 geschieht das für den Dorfschullehrer Silcher fast Unmögliche: Bahnmaier, der einen Lehrstuhl für Theologie an der Universität Tübingen inne hat, sorgt dafür, dass Silcher dort 28-jährig im Oktober 1817 als Universitätsmusikdirektor auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Musik berufen wird. Nun kann sie beginnen, die Karriere als Sammler und Komponist von Volksliedern. 1825 erscheint sein erstes Heft "Deutsche Volkslieder" für vier Männerstimmen, bis zu seinem Tod werden es zwölf Hefte mit je zwölf Liedern. Schon kurze Zeit nach seiner Ankunft in Tübingen hebt Silcher einen protestantischen Kirchenchor aus der Taufe, 1829 gründet er die Akademische Liedertafel und 1839 den Oratorienverein.

Sängerwettstreit
 
Eine weitere Verbindung nach Heilbronn ergibt sich aus der Freundschaft zu Heinrich Titot. Der spätere Heilbronner Bürgermeister (1835-1848) nimmt 1818 als Student in Tübingen Gesangsunterricht bei Silcher. 1851 kommt Silcher mit seiner Akademischen Liedertafel nach Heilbronn, um am Wettsingen beim Liederfest des Schwäbischen Sängerbundes teilzunehmen − und gewinnt. Ein Jahr später verleiht ihm die Uni Tübingen den Ehrendoktor. Am 26. August 1860 stirbt Silcher. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben