Kabarettist Maxi Schafroth in Heilbronn – brüllend komischer Abend im Komödienhaus

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Der Kabarettist Maxi Schafroth wickelt das Publikum im ausverkauften Komödienhaus Heilbronn um den Finger. Ein Abend über bayerische Kernkompetenzen und klassisches Schwabentum.

Faszination Bayern oder: Das Laszive hat sich Maxi Schafroth bei Shakira abgeguckt. Das Publikum im ausverkauften Komödienhaus Heilbronn liegt dem Kabarettisten mit dem schnarrenden Allgäuer Tonfall zu Füßen.
Foto: Ralf Seidel
Faszination Bayern oder: Das Laszive hat sich Maxi Schafroth bei Shakira abgeguckt. Das Publikum im ausverkauften Komödienhaus Heilbronn liegt dem Kabarettisten mit dem schnarrenden Allgäuer Tonfall zu Füßen. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

"Ich gebe einfach nicht auf, dass ich die Menschen gut finde," hat Maxi Schafroth jüngst in einem Interview bekundet. Der Kabarettist, Schauspieler und ausgebildete Bankkaufmann - viel hat er dabei gelernt für den Beruf des Kabarettisten - ist ein Phänomen. Hinterfotzig zieht er alles und jeden durch den Kakao und lacht dabei sein freundliches Lausbubenlächeln.

Die eingefleischten Schafroth-Fans im ausverkauften Komödienhaus Heilbronn geraten aus dem Häuschen, allein wenn der Mann federnd die Bühne betritt. Und im schnarrenden Allgäuer Tonfall zur Gründung der CSU-Heilbronn begrüßt. Senffarbene Cordhose, Hemd, Trachtenjacke mit Hirschhornknöpfen, eine Art Sepplhut, Applaus brandet auf, und Maxi Schafroth sagt an, was uns erwartet.

Kabarettist Schafroth in Heilbronn: Wenn die BayWa eine Glyphosatverkostung anbietet

Ein Heimatabend soll es werden, Stadt und Land will er zusammenbringen, eine Indoor-Outdoor-Hybridveranstaltung, bei der die BayWa in der Pause eine Glyphosatverkostung anbietet und vor dem Komödienhaus neue Landmaschinen präsentiert werden. Wer es glaubt, wird selig. Maxi Schafroth ist ein Meister im Geschichten erzählen, die die Banalität des Daseins so karikieren, dass es schwer fällt, Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden.

Vom Bauernhof im Allgäu hat er es zum omnipräsenten Kabarettisten geschafft - und in den Olymp des Kabaretts als Fastenprediger auf dem Münchner Nockherberg. Am 28. Februar ist es wieder soweit, nicht nur die Bayern sitzen vor dem Fernseher, wenn Maxi Schafroth, der schon 2021 in Heilbronn zu Gast war, als Politiker-Derblecker vom Leder zieht. Derblecken, was sich über jemanden lustig machen heißt, kommt bundesweit gut an.

Allgäuer Befindlichkeiten und klassische Stuttgarter

Die bayerischen Kernkompetenzen werden in den folgenden gut zweieinhalb Stunden inklusive Pause ausgetüftelt und die Unterschiede zwischen oberbayerischen und Allgäuer Befindlichkeiten. Dazwischen liegen, vom Lech getrennt, Welten. Einzig der klassische Schwabe, vulgo Stuttgarter, ist noch mehr anders, haben Vater und Oma Schafroth den kleinen Maxi gewarnt. Warum man sich so gerne abgrenzt, zieht sich als roter Faden durchs Programm. Mit "Faszination Bayern" tourt Schafroth seit einigen Jahren in immer neuen Versionen - aus der Aktualität heraus.

Das ist nicht politisch im engen Sinn. Der Dampfplauderer ohne Punkt und Komma ist ein scharfer Beobachter. Nichts scheint dem hintersinnigen Spötter heilig. Schafroth verletzt nicht, er betreibt eine Art empirische und vergleichende Sozial- und Kulturwissenschaft, die unsere Lebensweisen erforscht. Ein kabarettistischer Ethnologe. So gerät der Abend zu einem Brauchtumsseminar und das Publikum erfährt, dass in Starnberg der mit dem niedrigsten Einkommen nackt durch den Ort getrieben wird. Dass man ein Problem nicht lösen, aber zuschütten kann, der Lodenkittel einen Reflex auslöst, der darin besteht, dem Lodenträger, egal wer drinsteckt, Respekt zu zollen. Und warum Schafroth in München die schwäbische Demut abgelegt hat. Weil Schwäbisch en vogue ist.

Den Mercedes stehen lassen

Alle reden vom Sparen. Beispiel gefällig? Was rät Schafroth dem Mercedesfahrer, wie er den Verbrauch unter vier Liter drücken kann? Wagen stehen lassen.

Schafroth wechselt ins scharf prononcierte Hochdeutsch, faselt vom Analysieren von Prozessketten, um Prozesse zu optimieren, und von Feedbackkultur, um postwendend den schwäbischen Lichtausschaltzwang zu zitieren und das Credo, "was braucht ihr fürs Schwätzen ein Licht". "Reden Sie, das hören wir so gerne", wird er in NRW genötigt.

Schafroth: "Das habe ich bei der Bank gelernt"

Über den Unterschied, Wohlstand aus Arbeit zu generieren oder aus Vermögen, philosophiert Maxi Schafroth und nestelt pausenlos mit den Fingern seiner linken Hand. Was tun mit vergammelten Lebensmitteln? Klein schneiden und scharf anbraten fürs Restepfännle. Das Gegenteil von nachhaltiger Molekularküche. Merke: Wer nicht weiß, was drin ist, haftet nicht fürs Endprodukt. "Das habe ich bei der Bank gelernt." Klischee an Klischee reiht Schafroth, was gar nicht verkehrt ist, und löst die Aiwangersche Dichotomie, dass Stadt und Land nicht zusammenpassen. "Geht aufeinander zu."

Maxi Schafroth genießt den Liveauftritt, bei dem die Gedanken abrupt die Richtung wechseln. Lacht über seine Pointen, bevor das Publikum nachzieht. Derweil sitzt stoisch Gitarrist Moritz Gruber auf einem Hocker. Längst hat Schafroth die Lodenjoppe abgelegt und stimmt die eine und andere Ballade an, einen Blues und als Zugabe die obligatorische Hymne "Kässpätzle will i". Viele grölen mit. "In the name of the Lord." Was für ein Abend.

Zur Person: Maxi Schafroth wurde 1985 in Memmingen geboren und wuchs auf dem elterlichen Bauernhof im bayerisch-schwäbischen Ottobeuren auf. Ab 2007 entwickelt Schafroth in München sein Kabarettprogramm - parallel zu seiner Tätigkeit als Bankangestellter. Sein Kinodebüt gab er in "Sommer der Gaukler" von Marcus H. Rosenmüller. Der vielfach ausgezeichnete Kabarettist hielt 2019 als bislang jüngster Redner auf dem Nockherberg die Fastenrede.

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