Lioba Albus: Von der Göttin zur Gattin

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Heilbronn - Sie kommt aus dem Sauerland und ist hart im Nehmen: Hier, wo „der Mann noch nach Mann riechen darf“, einen braucht, der ihn bewundert und ansonsten nichts spricht, bleibt Platz für die weibliche Fantasie. So wagt sich Lioba Albus im ausverkauften Kulturkeller gleich an eine der größten Herausforderungen

Von Monika Köhler
Lioba Albus als westfälische Quasselstrippe im Kulturkeller.Foto: Monika Köhler
Lioba Albus als westfälische Quasselstrippe im Kulturkeller.Foto: Monika Köhler

Heilbronn - Sie kommt aus dem Sauerland und ist hart im Nehmen: Hier, wo „der Mann noch nach Mann riechen darf“, einen braucht, der ihn bewundert und ansonsten nichts spricht, bleibt Platz für die weibliche Fantasie. So wagt sich Lioba Albus im ausverkauften Kulturkeller gleich an eine der größten Herausforderungen: die Schöpfungsgeschichte. Als Mia, handfester Liebreiz mit sauerländischem Dialekt, macht sie sich an die Neuerfindung derselben - mit schlimmen Folgen.

Quasseln ohne Ende Die Erde wird zum Trainingslager für den Kampf der Geschlechter, bei dem die Frau den Kürzeren zieht: „Von der Göttin zur Gattin“ heißt das abendfüllende Programm der wortstarken Dortmunder Vollblutkabarettistin, die unter konsequenter Verweigerung der korrekten Aussprache von Fremdwörtern über zwei Stunden drauflos quasselt, dass es des Guten fast zu viel ist.

Tief gräbt sich Mia in die empfindsame Psyche des Mannes ein, der gegen das ohne Unterlass schnatternde Mundwerk nur ein Mittel kennt: Er lässt sich Hornhaut auf dem Trommelfell wachsen. Man kann es ihm nicht verdenken. Bis aus Mia wieder Lioba wird. Da geht die Party erst richtig los: Als Frau von heute kann sich die gestandene Westfälin partout nicht für einen „reizarmen, voll gefutterten Sesselfurzer“ erwärmen, der „nur Dreck macht und schlecht riecht.“ Pragmatisch tritt sie vor dem vergnügten Publikum ihr frustriertes Weltbild aus, spricht gestenreich und mit eindeutiger Mimik über die positiven Folgen freudlosen Verkehrs, über Schwangerschaftsgymnastik und Muttermilchpumpen. Und entwirft lebenskluge Horrorszenen der deutschen Kleinfamilie, die man gar nicht so genau wissen wollte.

Kinder, Küche, Körner Der Mann - wen wundert's? - hat sie verlassen, der „Kinder-Küche-Körner-Blues“ nimmt sie gefangen. Da besinnt sich Albus mit wallendem Blondhaar auf ihre dritte Figur: Vita, die leidgeprüfte Fan-Frau. „Ganzkörperintelligent“ und Fingernägel feilend, widmet sich diese in kernigem Idiom dem erotischen Anblick von „Schweiß auf schwarzer Haut“ und verguckt sich beim Tanzen in exotische „Latrin-Lovers“. Die Ehe liegt am Boden. Doch die Vielseitige weiß Rat und gibt ihn auch zum Besten: originelle selbstgedichtete Lyrik. Es war zu befürchten.

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